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18.02.13

Die Schlacht ums Wohnzimmer: Tablets machen Smart-TVs und Mediacenter überflüssig

Airplay und Apple TV machen jeden Fernseher zum zweiten Bildschirm für iPhone und iPad.

So mancher rätselt noch, wer wohl die Schlacht ums Wohnzimmer gewinnt und ob es das Internet denn jemals auf den Fernseher schafft – dabei ist diese Frage schon längst geklärt. Nur fiel die Antwort anders aus, als jahrelang gedacht wurde: Tablets und Smartphones haben diese Rolle übernommen, gemeinsam mit Streamingboxen.

Mediacenter-PCs und das Internet auf dem Fernseher stehen schon ungefähr so lange "kurz vor dem Durchbruch" wie der sagenumwobene Internet-Kühlschrank, der abgelaufene Lebensmittel selbst nachbestellt. Und wahrscheinlich wird beide Ansätze dasselbe Schicksal ereilen: Sie werden nie mehr ihren Durchbruch erleben. Die Zeiten, in denen das hätte klappen können, sind inzwischen vorbei. Die massenhafte Verbreitung von Smartphones und Tablets macht beide auf einen Streich überflüssig. Und das sind schlechte Nachrichten für so manchen hoffnungsvollen Hersteller.

Smart-TVs sind dabei durchaus in aller Munde und werden im Gegensatz zum Internet-Kühlschrank tatsächlich gekauft. Die Frage ist nur, inwiefern sie wirklich wegen ihrer smarten Fähigkeiten angeschafft werden. Journalist Richard Gutjahr zeigte vor einiger Zeit an einem Beispiel, wie viel schneller bei ihm die Kombination aus Apple-TV und iPhone im Vergleich zu seinem Smart-TV funktioniert:

www.youtube.com/watch

Und Apple sei es auch, die die Träume von Microsoft mit der Xbox, Sony mit der PlayStation und Nintendo mit der Wii (U) zunichte machen könnte, sich jemals wie erhofft in allen Wohnzimmern zu etablieren. Das sagt nicht etwa ein Apple-Fanboy, sondern ein ehemaliger Microsoft-Ingenieur, der an der Xbox mitgearbeitet hat. Microsoft habe es nie geschafft, ein Ökosystem aufzubauen, wie es Apple mit seinem App Store gelungen sei. Und da ist etwas dran.

Bei der Spielepower sind Spielkonsolen natürlich über jeden Zweifel erhaben. Aber Spielen ist eben nicht alles, was Menschen mit ihrem Fernseher im Wohnzimmer neben Fernsehen machen wollen.

Das TV-Programm ist nur eine Funktion unter mehreren

Die Inhalte kommen heutzutage aus zahlreichen Quellen. Das klassische TV-Programm ist dabei vermehrt nur noch eine Anwendung unter mehreren – so wie das Telefonieren bei einem Smartphone. Filme und Serien kommen darüber hinaus von einem physischen Medium, werden von diversen Portalen im Web gestreamt oder liegen als Datei im heimischen Netzwerk. Einen Fernseher kann man vielleicht mit der passenden Rechenpower ausrüsten, um ihn zu einem Computer zu machen, das löst aber beispielsweise nicht das Problem der umständlichen Bedienung. Und das ist ebenfalls das Problem eines Mediacenter-PCs. Will man wirklich mit zig Knöpfen auf einer Fernbedienung herumhantieren, um sich Stück für Stück durch schier endlose Menüs zu wählen?

Das Apple-TV wiederum bietet eine stark reduzierte Oberfläche, die sich zwar mit der simplen Fernbedienung einfach nutzen lässt, aber die Möglichkeiten sind im Vergleich zu einem PC stark eingeschränkt. Auch jedes iPhone und iPad kann mehr als das Apple TV. Kein Wunder, dass in der Gerüchteküche schon lange von einem App Store für Apples kleines Fernsehkästchen die Rede ist. Das wäre nur logisch, um dessen Funktionalität zu erweitern.

Tablets und Smartphones: Bei App-Auswahl und Bedienung haushoch überlegen

Aber auch dann bleibt ein Smartphone oder Tablet der Streamingbox überlegen. Ob Android, iOS, Windows Phone oder etwas anderes: Es gibt immer zahlreiche Apps für jede Gelegenheit. Die Geräte hat man locker in der Hand und sie lassen sich leicht bedienen. Sie holen ihre Inhalte aus dem Netz oder dem lokalen Netzwerk. Im Fall des Apple-Universums kann man Inhalte per AirPlay spielend leicht vom iPhone oder iPad auf den großen Bildschirm bringen – Filme, Musik, Spiele. Das ist das, was Richard Gutjahr in seinem Video oben vorgeführt hat. Wozu braucht man da noch ein Mediacenter oder ein Smart-TV? Ähnliches hatte Google mit dem Nexus Q vor, das dann vorerst doch nicht auf den Markt kam. Sie ist gedacht als kleine Box, die am Fernseher als Gegenstück zum Android-Gerät und zum Play Store fungiert. Und man kann davon ausgehen, dass Google diese Idee in seinen Labors weiterverfolgt.

Aber es geht nicht nur um die Flexibilität bei den Inhalten: Auch das Web ist via Smartphone und Tablet während des Fernsehens jederzeit verfügbar – mit leistungsfähigen Browsern, ohne Splitscreen und mit simpler Bedienung. Und mal ehrlich: Den Twitterstream muss man nun nicht wirklich in 85 Zoll neben dem laufenden Tatort eingeblendet bekommen, den kann man doch gern in der Hand haben. Da muss man auch nichts Neues erfinden. Das ist alles schon da.

Ob der Apple-Fernseher jemals das Prototypenstadium verlässt, das er möglicherweise hat? Es stellt sich die Frage, was es Apple eigentlich bringen sollte. Sie sind mit Apple TV, iPhone und iPad schon bestens aufgestellt. Die Kombination aus Smartphone/Tablet und Streamingbox ist das, worauf all die Jahre gewartet wurde.

Welche Rolle wird die nächste Spielkonsolen-Generation haben?

Jetzt stellt sich die Frage, ob die Konsolen von Microsoft, Sony und Nintendo nicht doch noch ihren Part spielen dürfen. Wie gut die nächste Generation von Xbox und PlayStation ankommen, wird man sehen. Aber dass sie nicht mehr die Pferde sind, auf die man in Sachen Wohnzimmer-Computer wetten sollte, scheint mir eindeutig. Smartphones und Tablets sind in immer mehr Haushalten vorhanden und haben vor allem viele weitere Anwendungsfälle. Sie können dabei alles, was ein Internet-Fernseher und ein Mediacenter-PC mal können sollte.

Oder glaubt ihr, dass Mediacenter-PC, Spielkonsole und Smart-TV eine Zukunft haben, wenn es um diese Funktionen geht? Habt ihr Anwendungsfälle, bei denen euch Smartphone, Tablet und Streamingbox im Stich lassen?

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