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07.02.13

Von Chromebooks bis Microsoft: Schreibt die Laptops noch nicht ab

HP Pavilion Chromebook

Tablets und Smartphones verkaufen sich wie geschnitten Brot, während die PC-Hersteller Mühe haben, ihre neue Ultrabook-Generation mit Windows 8 an den Mann zu bringen. Daraus aber abzulesen, dass niemand mehr einen Laptop will, wäre ein Trugschluss. Notebooks sind beliebter als ihr Ruf und wir können noch lange nicht auf sie verzichten.

Manchmal bringt eine Überschrift am besten auf den Punkt, was viele denken, aber niemand auszusprechen wagt: "Microsoft hätte einen Laptop bauen sollen". Das schreibt zumindest Kyle Wagner auf Gizmodo. Er spielt damit natürlich auf das Surface Pro an, Microsofts eigenes Tablet, dessen erste Beurteilungen gestern eingingen. Wie fielen diese aus? Äußert gemischt. Viele Tester lobten Verarbeitung und Innenleben des Surface Pro, kritisierten dafür die Akkulaufzeit, das Gewicht und den geringen verfügbaren Speicherplatz.

Und sehr viele können sich nach wie vor nicht mit dem Touch- und Type-Cover anfreunden. Microsofts Experiment, Tablet und Laptop in einem Gerät zu vereinen - bleibt ein Experiment, um es mal positiv auszudrücken. Und der Kunde kann um die tausend US-Dollar investieren, um dieses Spiel mitzuspielen. Warum hat Microsoft nicht einfach ein Tablet und ein Notebook vorgestellt, statt beides irgendwie zusammenzuwurschteln? Das Surface RT ist von Rechenleistung und System ohnehin in der Kategorie Tablet anzusiedeln. Für 1.000 Dollar respektive Euro darf man hingegen schon ein gutes Ultrabook erwarten. Was hätte dagegen gesprochen, das Surface Pro zu einem richtigen Notebook zu machen?

Sympathischer als manch einer zugeben mag

Dass wir uns längst in einer Mobile-First- oder auch Post-PC-Ära befinden, belegen Zahlen ganz deutlich. Die Debatte, dass Tablets und Smartphones die Zukunft seien und der PC in all seinen Varianten zum alten Eisen gehöre, wird dabei mit viel Häme geführt. Eines kann ich dabei bis heute nicht nachvollziehen: Was ist so schlimm an Laptops, dass viele so tun, als müsste man sie unbedingt loswerden?

Ich habe mir Konzepte neuartiger Tastaturen angeschaut, aber noch lange keinen Ersatz gefunden, mit dem ich schneller und bequemer Text eingeben könnte als mit einer physischen Laptop-Tastatur. Wenn ich Texte schreibe und viele Newsbeiträge lese, so wie hier, verlagere ich die Arbeit manchmal vom Schreibtisch weg, lege die Füße hoch und schreibe auf dem Schreibtischstuhl oder der Couch weiter. Der Laptop, daher der Name, liegt dann bequem auf meinem Schoß. Mit einem Microsoft Surface könnte ich das nicht. Wenn es an Bildrecherche und -bearbeitung geht, gehe ich dann wieder an den Schreibtisch zurück. Kurz gesagt: Ich mag auf meinen Laptop nicht verzichten. Und ich habe das Gefühl, dass es Abermillionen anderen Menschen genauso geht.

Verschiedene Geräte für verschiedene Lebenslagen

Dumm nur, dass die Zahlen eindeutig gegen meine Vermutung sprechen. Tablets und Smartphones verkaufen sich rasant, Laptops befanden sich laut IDC im vergangenen Jahr im Sinkflug. Wie ich mir das erklären kann? Nun, zum einen ist der Markt zu einem hohen Maße gesättigt. Fast jeder hat einen Laptop und kauft sich nicht alle zwei Jahre einen neuen, wie man das vielleicht mit Smartphones oder Tablets macht. Ich schreibe euch gerade von einem fünf Jahre alten MacBook aus, das immerhin schon einen Dualcore-Prozessor hat, natürlich langsam an seine Leistungsgrenzen geht, aber ansonsten pflichtschuldig seine Arbeit tut. Ein Neugerät, egal ob MacBook oder ein vergleichbar ausgestattetes Ultrabook würde mich mindestens 1.000 Euro kosten. Das ist eine Investition, die man nicht mal eben aus dem Ärmel schüttelt. Gute Laptops sind teuer, das sorgt natürlich auch ein wenig für Kaufzurückhaltung.

Zum anderen sind Smartphones und Tablets selbstverständlich in vielen Lebenslagen die bessere Wahl. Vor zehn Jahren konnte man das mobile Internet praktisch nur über Laptops erleben. Heute hat man da vielfach einfachere Möglichkeiten. In der Bahn mal eben schnell die Mails checken, bei Facebook vorbeischauen oder einen Tweet absetzen - geht mit einem Smartphone oder Tablet sehr viel schneller als mit einem Laptop. Auf der Couch liegen und Videos gucken, Bilder betrachten - dafür war ein Laptop vor fünf Jahren noch praktisch die einzige Wahl, heute ist sie nur noch eine von vielen.

Erstaunliches Interesse an Chromebooks

Was ich als positives Zeichen werte, die meine These untermauert: Der momentan grassierende Hype um Google Chromebooks. Google investiert derzeit Millionen in diese alternative Laptop-Kategorie und Acer - mit Microsoft auf Konfrontationskurs - vermeldete einen Anteil von 5 bis 10 Prozent Chromebooks an den eigenen Laptop-Verkäufen in den USA. Gestern geisterte folgendes Video durch praktisch alle Technikmedien. Ein vermeintliches "Chromebook Pixel" mit hochauflösendem Touchscreen war aufgetaucht:

Das Video ist mit ziemlicher Sicherheit nicht von Google und das darin vorgestellte Gerät nicht mehr als eine Konzeptstudie. Dennoch sorgte es für Begeisterung. Ist das die Reaktion, die man bei einer Produktkategorie erwarten würde, die schon als Schnee von gestern gilt? Vielleicht verkaufen sich Notebooks aktuell nicht gut, weil Windows 8 eben nicht für jeden ist. Vielleicht, weil viele Menschen ihr altes Notebook zum Arbeiten schlicht behalten und sich für andere Lebenslagen zusätzlich ein Tablet besorgen. Vielleicht auch, weil die wirklich ultrachicen Ultrabooks und MacBook Airs schlicht teuer sind. Das könnte das Interesse an Chromebooks erklären, die Google zunehmend als preisgünstige Alternative etabliert.

tl;dr

Tablets und Smartphones haben unseren Alltag bereichert und werden und sollen natürlich nicht mehr verschwinden. Das sollte aber keinen PC-Hersteller zu dem Trugschluss verleiten, dass niemand mehr einen Laptop will. Wir brauchen die Dinger nach wie vor. Und Microsoft könnte sich überlegen, ob man es nicht einmal mit einem echten Laptop aus eigenem Hause versucht, wenn man schon auf eigene Hardware setzen will.

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