21.06.09

iPhone 3G S: Ein erster Test

iPhone3G S - Ist es so schnell wie versprochen (Bild: Apple)

Software schlägt Hardware - aber Hardware reizt. Ein erster Test des iPhone 3G S.

Seit rund 50 Stunden habe ich das neue Betriebssystem iPhone OS 3.0 auf dem "alten" iPhone 3G, und seit rund 20 Stunden habe ich das neue iPhone 3G S zum Testen. Noch ist schwer zu sagen, wie sehr ich mich an die neuen Hardware-Spielereien gewöhnen werde. Eins ist klar: Die neue Software schlägt in diesem Fall klar die neue Hardware, die vielen Verbesserungen am Betriebssystem sind viel wichtiger als die Handvoll neuen Hardware-Features. Die entscheidende Frage ist also: Wie geekig muss man sein, um auf die neuen Hardware-Tricks nicht verzichten zu können?

Nach 50 Stunden sind meine Lieblings-Features:

1. Cut/Copy/Paste - Was soll man sagen. Ich hab's überlebt bisher, aber schlecht. Seid es für die 3.0 angekündigt war, habe ich das Fehlen fast als körperlichen Mangel empfunden. Nun ist es da. Habe es erst zweimal wirklich produktiv eingesetzt, aber dabei schon sehr genossen.

2. Spotlight Search - Ich glaube, das wird toll. Zumindest sieht es schon beim Testen toll aus. Kann man separat nochmal als iPod-Suche aufführen. Beides ist super. Geschwindigkeitsvorteil, wenn man nach einem Lied suchen kann statt sich durch die Menüs zu hangeln: mindestens Faktor 5.

3. Mail Search: Ist für die 50 oder so Mails, die man jeweils aktuell in der Inbox hat, egal, denn ich archiviere ja sofort. Super wäre es für die versprochene Suche auf dem IMAP-Server - aber die funktioniert nicht, weder mit dem alten noch mit dem neuen (mit Gmail/Google Apps als Mailprovider).

4. Mehrere Fotos mailen - eine dämliche Einschränkung ist endlich weg. Noch schöner wäre es, wenn man auch aus der Mail heraus Fotos anhängen könnte, denn immer noch schreibe ich häufig erst die Mail, um dann zu merken, dass man ja zuerst das Foto attachen muss. Aber jetzt gibt es ja immerhin Copy/Paste.

5. Auto-Fill Usernames: Könnte praktisch werden, bisher nur getestet, noch nicht produktiv gebraucht.

(Auch noch ganz nett: Dauer der Anrufe wird angezeigt, gucke ich auf dem Festnetztelefon manchmal nach für die Zeiterfassung. Voicememo ist vermutlich ganz schön, vor allem sieht es 10 mal besser aus, startet 20 mal schneller und ist 30 mal einfacher am Steuer zu bedienen als die 3rd-Party-App «Record», die ich vorher hatte. Werde ich sicher nutzen. Und eine Kleinigkeit: Man kann die nervigen ewigen Wiederholungen bei einer ungelesenen SMS abschalten. Mir reicht's, wenn ich meinen WLAN-Login-Code einmal sehe, er muss sich nicht stundenlang melden.)

Meine Top-5-Ist-mir-doch-egal-Features dagegen sind:

1. MMS - hab ich vor dem iPhone nie genutzt, und ich wüsste auch nicht, wieso ich jetzt anfangen sollte. Alle Leute, die ich kenne, haben entweder Uralt-Handys, die gar nichts können (meine Mutter), oder MMS-fähige Handys, die dann aber Smartphones sind, und denen würde ich ein Foto immer mailen.

2. Der ganze Schüttelkram - Shake to Shuffle, Shake to Undo. Werde sowieso nie dran denken, wenn es mal passen würde. Schütteln ist ausserdem, wenn man gerade am Tippen ist, überhaupt nicht praktisch und schnell, sondern motorisch kompliziert, bis man wieder in der Grundhaltung angekommen ist.

3. SMS weiterleiten. Angeblich kaufen Millarden Inder das iPhone nicht, weil das fehlte. Big Deal.

4. YouTube eingeloggt. Brauch ich nicht.

5. Stereo Bluetooth Peripherals. Pff.

Bin noch unentschieden bei diesen Neuerungen:

1. Landscape-Tastatur (Drehen in allen Applikationen und dann Nutzen der breiten Tastatur). Ich hab das schon bisher im Browser nie genutzt, weil ich nicht zwei Tastaturlayouts nebeneinander (mal dieses, mal jenes) benutzen wollte. Bisher habe ich daher auch jetzt noch nie dran gedacht, auf quer zu wechseln. Mal sehen, ob ich es mir merken kann -- und ob es wirklich einfacher geht.

2. Tethering. Ist ja eigentlich bei Swisscom nicht aktiviert, aber der Hack dauert zum Glück nur zehn Sekunden. Für mich wäre super, wenn ich mein Mobile-Unlimited-Abo abschaffen könnte, das ich immer noch parallel zum iPhone zahle. Hab's aber noch nicht produktiv (sprich: im Zug) ausprobiert, also bin ich erstmal noch skeptisch.

3. Voice Control. Funktioniert mit Namen nicht toll, mit (deutschen) Zahlen ziemlich gut. Muss es aber mal im Auto auf der Autobahn probieren, denn das ist wohl der einzige relevante Use Case für mich.

4. In-App-Purchasing. Dafür müssen einfach zuerst erst Apps kommen, die sich dafür super Anwendungen ausdenken. Ich kann mir vorstellen, dass sich für Entwickler noch viel tollere Apps lohnen, da es jetzt die Möglichkeit gibt, nicht nur einmal für eine App zu kassieren, sondern auch für Content.

Von mir aus kann gern mein gesamtes Micropayment, auch im Web, über den iTunes-Store laufen. Ablauf: Ich will im Web Paid Content für 50 Cent angucken, gehe schnell mit dem iPhone in die Purchasing-App, gebe dort irgendwas ein, klicke OK, die Website wird refreshed und liefert den Content aus, fertig.

Einige konnte ich auch noch nicht ausprobieren, z.B. Auto-WiFi-Login oder Peer-to-Peer-Spiele. Kann ich also noch nicht sagen.

Top-Hardware-News

1. Schneller. Endlich. Endlich. Endlich. Mich hat der Katastrophenakku bisher weniger gestört als die Tatsache, wie nervtötend langsam das 3G manchmal war. Wenn es fünf Sekunden wartete, bis das Accelerometer anschlug, um dann weitere fünf Sekunden zu brauchen, um den Screen zu drehen. Oder 30 Sekunden, bis die Kamera bereit war. Alles gefühlt eindeutig viel besser.

2. Videokamera. Super. (Das Trimmen ist allerdings bei einem Interview ziemlich unbrauchbar.)

3. Kompass bzw. Ausrichtung von Google Maps. Klar, die Kompass-App selbst ist nur eine Spielerei für Kinder (immerhin). Aber auf Google Maps zu sehen, in welche Richtung man schaut, ist für eine Orientierungsniete wie mich super. (Als Folge: Turn-by-Turn-Navigation. Ich will mir seit Jahren ein tragbares Navi kaufen. Jetzt lasse ich's natürlich und warte auf Tom Tom für's iPhone. Klingt super, aber muss dann auch noch funktionieren.)

4. Neue Kamera, erstens besser, zweitens mit Autofokus, drittens mit Video. Meine Einschätzung: 3 statt 2 Megapixel macht nicht viel aus, Autofokus sehr, Video ist super. Das Sofort-Trimmen ist allerdings etwa bei einem Interview ziemlich unbrauchbar, ganz im Gegensatz zu dem, was einige Reviewer behaupten.

5. Längere Akkulaufzeit. Obwohl ich oben sage, es war nicht das schlimmste, war es doch schlimm. Mal gucken, wie lange das andere im Produktivbetrieb hält.

Fazit: Wie man sieht, ist die Liste der wirklich relevanten Hardware-Verbesserungen recht kurz. Natürlich ist das neue iPhone keine Revolution, aber alle zwei Jahre das Rad völlig neu zu erfinden, fällt jedem schwer.

Aber die Neuerungen an der Hardware sind durchaus gewichtig. Die Geschwindigkeit macht wirklich einen Riesenunterschied. Ich drücke wirklich in jeder noch so kurzen Pause (im Lift, an der roten Ampel, in der Schlange im Sprüngli) schnell ein bisschen auf dem iPhone rum, und nicht selten war es bisher einfach zu langsam, um in 20 Sekunden ein Resultat zu liefern. Sind einem die gesparten Sekunden das viele Geld wert, wenn man gerade in der Mitte seiner Vertragslaufzeit ist? Ich weiss es nicht.

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