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27.06.13

Kommentar zu Windows 8.1: Es gibt kein Zurück

Windows 8.1 mit mehr individuellen Möglichkeiten

Microsoft hat gestern Windows 8.1 vorgestellt und zum Download freigegeben. Das Update soll die Kritiker besänftigen und das Leben der Anwender mit zahlreichen neuen Tricks verbessern. Microsoft machte aber vor allem deutlich: Ein Zurück wird es nicht geben. Die Desktop-Oberfläche verliert weiter an Bedeutung, an den Kacheln führt kein Weg mehr vorbei.

Windows 8.1 mit mehr individuellen Möglichkeiten

Lasst euch nichts vormachen: Microsoft wird die Kacheln nicht mehr loslassen. Windows 8.1 kann zwar direkt zum Desktop booten, aber ebenso gut auch zu jeder beliebigen App oder ins All-Apps-Menü. Und der Start-Button? Kehrt zwar zurück, aber verlinkt auf nichts anderes als die App-Oberfläche. Das Startmenü kommt nicht zurück.

Das ist das, was Microsoft mit dem gestern vorgestellten Update auf Windows 8.1 deutlich machen will: Die Nutzer bekommen mehr Möglichkeiten an die Hand, um Windows noch individueller zu gestalten. Aber ein Zurück wird es nicht geben. Mit mehr und mehr Anpassungsmöglichkeiten soll den Anwendern und App-Entwicklern die Kachel-Welt schmackhafter gemacht werden. Der alte Desktop wirkt zunehmend wie ein Überbleibsel und auf jeden Fall ein Auslaufmodell. Das wäre konsequent - wenn sich Microsoft selbst daran hält.

Du sollst eine andere App neben mir haben

Es gibt nicht viel zu bemängeln: Das Update auf Windows 8.1 ist ebenso notwendig wie gelungen. Microsoft bringt Windows 8 ein gutes Stück nach vorne. Dass man nun kleinere Kacheln oder Ordner auf dem Startbildschirm anlegen kann, ist anders als beim Sprung von Windows Phone 7 auf 8 nur eine kleine Änderung. Dafür bringt Windows 8.1 unter anderem folgendes mit:

  • Automatische App-Updates für alle Apps, die aus dem Store geladen wurden
  • Tweek to Multitask: Zwei Apps lassen sich nun leichter nebeneinander betreiben, indem beide 50 Prozent des Bildschirms einnehmen.
  • Ein besserer Übergang zwischen klassischem Desktop und dem neuem Startbildschirm.
  • Die neue Suche stellt Informationen aus Bing, Wikipedia und lokalen Daten zusammen. Der Hintergrund übernimmt gleich Bilder aus den Suchergebnissen. Microsofts Beispiel hierfür: Marilyn Monroe.
  • Wischgesten in der virtuellen Tastatur für Touchgeräte.
  • Snap-View: Windows 8.1 zeigt automatisch eine zweite App neben einer geöffneten an, um Zusatzinformationen zu liefern, etwa eine Karten-App, wenn im E-Mail-Programm eine Adresse erscheint.
  • Je nachdem, wie groß der Bildschirm ist, kann Windows 8.1 bis zu acht Apps nebeneinander snappen. Das klingt wieder ein wenig mehr nach dem typischen "Windows" als das bisherige "Vollbild für alle Apps".
  • Der App Store wurde optisch verbessert und liefert Empfehlungen nun auch auf Basis früherer Bing-Suchen.
  • Anfragen sollen sich direkt aus dem Sperrbildschirm beantworten lassen, so soll man etwa Skype-Anrufe beantworten können.

Und ja, natürlich gibt es auch die üblichen optischen Verbesserungen wie animierte Hintergründe, das gleiche Hintergrundbild im klassischen Desktop wie auf der neuen Startseite. Hier noch einige Eindrücke des offiziellen Preview-Videos:

www.youtube.com/watch

Versöhnung mit Nutzern, Entwicklern, OEMs

Kurz gesagt: Microsoft macht Windows 8 wieder mehr Windows-artig. Es gibt besseres Multitasking, die Möglichkeit, mehrere Apps nebeneinander laufen zu lassen, bessere Touch-Unterstützung, vereinfachte Anwendungen und mal wieder einige neue Funktionen für Bing und den neuen Internet Explorer 11, auch wenn vielen Nutzern die Nutzung der beiden letztgenannten immer noch nicht schmecken dürfte. Alles wird optisch etwas hübscher und moderner. Der klassische Desktop? Soll nach Microsofts Wunsch am liebsten noch viel weiter in Vergessenheit geraten.

Auch wenn vielerorts zu lesen ist, Microsoft gehe auf die Wünsche der Nutzer ein, scheint mir das Update eher eine Versöhnung mit den PC-Herstellern zu sein. Die hatten sich in den vergangenen Monaten mächtig mit immer besseren Touch-Notebooks, Hybriden und Convertibles ins Zeug gelegt. Einige Hersteller hatten Microsoft offen für die schleppende Unterstützung kritisiert. Mittlerweile dürften die Verkäufe wieder anziehen, einfach, weil die PC-Hersteller wie auf der Computex sich mittlerweile mit attraktiven Designs gegenseitig überbieten.

Aber auch App-Entwickler sollen umschmeichelt werden. Microsoft braucht alle Programme als native Apps für die Kachel-Oberfläche. Auf der gestrigen Keynote der Build-Konferenz zeigten Chef Steve Ballmer und seine Mannen wie leicht es mit dem neuen Entwickler-Studio endlich sein soll, Apps dafür zu programmieren. Wenn man erst alle Apps im chicen modernen Look hat, dann kann man das Kapitel klassischer Desktop auch wirklich getrost zuschlagen. Jetzt liegt es an den Entwicklern, das zu tun, was Microsoft gerne von ihnen hätte.

Fazit: Microsoft muss Windows 8 immer weiter neu erfinden

Microsoft beweist erstaunlich langen Atem. Auch wenn es viele Nutzer verschrecken dürfte: Es ist vernünftig, das Startmenü nicht zurück zu bringen und statt dessen die moderne Oberfläche zu stärken. Am schlechten Ruf von Windows 8 ist man allerdings auch selber Schuld. Es darf nicht sein, dass ein Internet Explorer von der modernen Oberfläche in den klassischen Desktop wechselt, weil er einige Plugins nur dort ausführen kann. Dieser klare Stilbruch und nicht die Kacheloberfläche an sich war von zahlreichen Nutzern kritisiert worden.

Wenn man will, dass die Nutzer den klassischen Desktop nicht mehr benutzen, dann muss man hier selbst mit gutem Beispiel voran gehen. Microsoft hat angekündigt, das Problem abzuschwächen. Jetzt muss man beweisen, dass man die Versprechen auch halten kann. Im Gespräch mit vielen Kollegen in letzter Zeit riet man mir bei meiner Suche nach einem neuen Laptop zu Windows 7 als Betriebssystem. Weil es stabil laufe und ohne gezwungene Veränderungen daher komme - auch wenn es langsamer sein soll als Windows 8. Dass man ein drei Jahre altes System einem neuen vorzieht, kann nicht Microsofts Ziel sein. Für die nächsten Updates müsste es eigentlich darum gehen, besseres Multitasking zu schaffen, Apps anzupassen und die Benutzerfreundlichkeit weiter zu erhöhen - so dass sich niemand mehr Windows 7 zurückwünscht. Ein weiter Weg mit einem vielleicht unerreichbaren Ziel.

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