27.09.07

Wilderer im Klingeltonparadies

ToneThis Website

Klingeltöne sind ein Milliardengeschäft, an dem auch Apple via iTunes und iPhone teilhaben will. Doch inzwischen wildern Anbieter wie ToneThis in den Jagdgründen: Die Klingeltöne im Eigenbau sind kostenlos und werden durch Werbung finanziert.

ToneThis Website

Ist mein Kind blöd? Das fragen sich besorgte Eltern, wenn der Nachwuchs zuerst im Internetshop einen Song für 1.50 Euro / 2 Franken kauft und danach noch den passenden Klingelton - ein 20-Sekunden-Schnipsel desselben Songs - für 3 Euro / 4 Franken per SMS bestellt.

Nicht blöd ist jedenfalls die Idee von Apple, in einigen Wochen via iTunes auch Klingeltöne zu verkaufen. Dort bezahlen iPhone-Besitzer erst mal 99 Cent für den ganzen Song. Danach darf er für nochmals 99 Cent einen 20-Sekunden-Schnipsel aus dem Song rausschneiden und auf sein iPhone als Klingelton laden.

 

Keineswegs blöd sind auch die Handyhersteller, die alle paar Monate noch tollere Modelle auf den Markt bringen, die stereopolyphonvibrationsblinken, aber ohne passende Software für die eigene Klingeltonerstellung kommen. Handyhersteller, Klingeltonverkäufer und Musikindustrie haben sich so gemeinsam ein lukratives Geschäftsmodell aufgebaut, in dem alle - ausser den Kids - profitieren.

Blöd sind in diesem Modell höchstens die Eltern, die einfach das Taschengeldbudget der Kinder aufstocken, statt diese auf die Website von Ringtonemaker oder ToneThis zu schicken. Beide bieten kostenlose Windows-Programme, um selber Klingeltöne zu erstellen.

Aussergewöhnlich ist dabei die Lösung von ToneThis. Diese macht nämlich auch den Transfer auf das Handy simpel. Der fertige Klingelton wird einfach ins Internet auf eine WAP-Adresse kopiert und kann dann mit dem Handybrowser heruntergeladen. Denn am Transferproblem scheiterten bisher viele Klingelton-Bastler, weil sie es einfach nicht schafften, den Soundfetzen auf das Telefon zu transferieren.

Achtung: Bei den meisten Abotypen fallen Verkehrsgebühren für den Download via WAP an. Diese können bis zu 15 Franken pro Megabyte betragen! Die Verkehrsgebühren werden aber auch beim Bezug der kostenpflichtigen Klingeltöne von Anbietern wie Jamba zusätzlich in Rechnung gestellt.

Werbung zahlt Software

Das Geschäftsmodell von ToneThis ist werbefinanziert. In einem Interview mit InBabble erklärt Mitbegründer Raj Singh, dass seine Firma erst den PC-Desktop und von dort aus die Handys erobern will. ToneThis hat inzwischen bereits zahlreiche Partner gefunden, welche die Software mit Content beliefern. Mit dem Programm lassen sich nicht nur Klingeltöne erstellen, sondern auch Bilder und Videos auf das Handy transferieren.

ToneThis stellt also das Geschäftsmodell der Klingeltonindustrie auf den Kopf: Statt wie bisher Millionen für Werbung zu investieren, um dann teures Gebimmel an die Kids zu verhökern, verschenkt ToneThis Software und Content und jubelt dafür der Jugend Werbung am PC-Bildschirm unter. Die Handynutzer sind begeistert und haben allein via Download.com das Programm bis heute über 435'000 mal bezogen. Laut Singh werden täglich 8'000 bis 12'000 Klingeltöne damit erzeugt.

Einfach simpel

Im Test überzeugt ToneThis durch seine Einfachheit. Man definiert einmalig sein Handymodell und die zugehörige Telefonnummer. Letztere kann übrigens zumindest in der Schweiz aus Fantasiewerten bestehen, da sie für Nutzer nur zur Erzeugung der WAP-Adresse dient.

 

Zum erstellen eines Klingeltons importiert man einfach eine Songdatei von der Festplatte oder direkt aus dem Internet. Per Schieber markiert man die abzuspielende Sequenz und klickt danach nur noch auf "Send to phone". In den USA wird nun eine kostenloses SMS auf das Handy geschickt, welches den Downloadlink enthält. Im Testland - der Schweiz - muss man die WAP-Adresse selbst am Handy eintippen. Diese bleibt aber immer gleich, kann also einfach in den Lesezeichen abgespeichert werden.

 

ToneThis sorgt je nach definiertem Handytyp automatisch für die Formatkonvertierung. Bei unserem Test mit einem Sony-Ericsson W880i wurde nach dem Download auch gleich gefragt, ob man den Sound als neuen Klingelton verwenden will. Wer ein gebrandetes Handy kauft, erlebt hier möglicherweise eine Enttäuschung. Um den eigenen Klingeltonverkauf zu sichern, lassen mit Swisscom oder Vodafone gebrandete Handys teilweise die Verwendung selbstgemachter Klingeltöne nicht zu.

 

 

Ähnlich simpel funktioniert auch die Erstellung von Bildschirmhintergründen für das Handy. Gefallen hat, dass man im Programm direkt einen Suchbegriff für Flickr eintippen kann, wodurch man eine Kollektion kostenloser Bilder erhält. ToneThis kümmert sich darum, dass der Photoausschnitt richtig bestimmt und skaliert wird.

Sogar Videos lassen sich mittels ToneThis handygerecht konvertieren und transferieren. Hier fehlt leider noch die direkte Integration von YouTube, anscheinend ist ToneThis in diesem Bereich noch auf der Suche nach Kooperationspartnern.

 

 

Ein Flop war in unserem Test der Bereich Spiele. Wir erhielten zwar eine Downloadadresse vorgeschlagen, deren Besuch mit dem Handy brachte jedoch nur die Internetseite von ToneThis auf den Handyschirm.

 

Alle mit der Software erstellen Inhalte lassen sich in einem persönlichen Locker abspeichern und anderen ToneThis-Nutzern zur Verfügung stellen. Ferner lassen sich alle erzeugten Medieninhalte auch lokal auf der Festplatte speichern. Diese Funktion erreicht man via Optionsbutton und "Save content locally". Wer mit Bluetooth, Kabelverbindung oder Speicherkärtchen seines Handy zurecht kommt, kann so auch wirklich vollkommen kostenlos Klingeltöne und andere Dekorationen direkt vom PC auf das Telefon transferieren. Die WAP-Verkehrsgebühren entfallen.

Fazit: Zwei Stunden rumspielen mit ToneThis hat gezeigt, dass man Klingeltöne besser und vor allem billiger selbst erstellen kann. Und meinen absoluten Klingeltonfavoriten habe ich dabei auch gleich gefunden. Auf Podtech findet sich übrigens ein Videointerview mit Raj Singh, während dem er die Software auch gleich demonstriert.

ToneThis

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