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14.07.17

Apps

8 Gründe, wieso WhatsApp nicht aufs Dienst-Smartphone gehört

Sven Wernicke


(Bild: Pixabay)

WhatsApp ist praktisch. Schnell sind ein paar Zeilen, Sprachnachrichten oder gar Fotos und Videos verschickt – das kann auch für den Arbeitsalltag sinnvoll sein. Aber es gibt Gründe, den Messenger besser nicht auf dem Dienst- bzw. Firmenhandy zu verwenden.

Darum sollte WhatsApp nicht auf Ihrem Firmenhandy installiert sein

Millionen Menschen nutzen weltweit den zu Facebook gehörenden Messenger WhatsApp. Was spricht schon dagegen, die App auf dem Smartphone zu installieren, das eigentlich für die Arbeit gedacht ist? Der Einsatz ist nicht grundsätzlich verboten und kann sogar den Alltag im Job effizienter gestalten, da so flotter und direkter mit dem Chef oder den Kollegen kommunizieren kann. Und trotzdem sollten die Risiken, die WhatsApp mit sich bringt, nicht ignoriert werden.

1.     Archivierung wichtiger Nachrichten schwierig

Zwar bietet WhatsApp das Archivieren von Nachrichten und Konversationen an, doch ähnlich wie bei SMS auf dem Handy ist das sichere Aufzeichnen schwierig bis unmöglich. Dabei verlangen dies Behörden beispielsweise von Unternehmen, die im Finanzsektor tätig sind. Aus diesem Grund verbannte unter anderem die Deutsche Bank WhatsApp von Firmen-Telefonen. Denn die Anwendung genügt nicht den Standards und vor allem nicht den Anforderungen bei der Archivierung von Daten.

2.      Ungeeignet für Kommunikation mit Kunden

Es existieren einige Ansätze, wie WhatsApp dazu gebraucht werden kann, mit Kunden in Kontakt zu treten. Der Vertreter baut eine persönliche Ebene zum potentiellen Käufer auf, ein Hersteller bietet direkten Service an. In der Theorie klingt das gut, praktisch dagegen bleiben unverändert Fragen offen, die von den hiesigen Gerichten noch nicht endgültig geklärt werden konnten. Datenschutz und Weitergabe von Informationen sind hier ein Thema.

3.      Grundsätzlich unzureichender Datenschutz

Bekanntlich greift WhatsApp auf die Adressbücher der Smartphones zu, auf denen die App installiert ist. Im Firmenumfeld bedeutet dies auch, dass unter Umständen vertrauliche Daten (Telefonnummern und Adressen der Mitarbeiter zum Beispiel) unzureichend geschützt werden. Denn eine Verschlüsselung auf hohem Niveau, wie sie für Unternehmen nötig ist, bietet WhatsApp nicht. Solange der Anbieter noch keine geeignete Lösung für Firmenkunden im Angebot hat, ist also Vorsicht geboten.

4.      Die Daten werden in den USA gesichert

Für große Konzerne nicht zu unterschätzen: Sämtliche Daten und Nachrichten sowie Medieninhalte speichert WhatsApp auf Servern in den USA. Dort ist das Maß an Datensicherheit nicht so gegeben wie in Europa. Hiesige Firmen müssen sich allerdings an das EU-Recht halten, und das sieht das Sichern von Daten auf Servern im EU-Gebiet vor. Ein weiterer Aspekt, der „gefährlich“ sein kann. Oder zumindest gegen WhatsApp spricht.

5.      Keine professionelle Verwaltung

Ausgefeilte Tools, die für die Mitarbeiter-Kommunikation gedacht sind, besitzen in der Regel komfortable Funktionen für Administratoren, um so auf den Firmen-Telefonen flott Änderungen vornehmen zu können, Updates einzuspielen oder Backups zu erstellen. Über all das verfügt WhatsApp nicht. Das gilt auch für ein sinnvolles Nutzermanagement oder wenigstens vollständige Tablet- und Desktop-Versionen des Messengers. Es fehlt also schlicht an ausschweifenden Features und einer plattformübergreifenden Verwendung abseits der Smartphones. Firmensupport und 24/7-Monitoring? Ebenso Fehlanzeige!

Generell problematisch ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass sich WhatsApp nicht einfach in bestehende IT-Ökosysteme integrierten lässt. Es mangelt an Schnittstellen und Integrationsoptionen in Anwendungen, die in Firmen benötigt werden – von Buchhaltungs- bis hin zu Personal-Software.

6.      Fernwartung und Schutz vor Datenverlust nicht vorhanden

Was, wenn ein Smartphone der Firma gestohlen wurde und über WhatsApp interne Gespräche geführt wurden? Da es keinen Schutz gibt, können Konversationen nicht aus der Ferne gelöscht oder zumindest gesperrt werden. Nicht einmal das Kopieren von Nachrichten darf verhindert werden. Im schlimmsten Fall offenbart sich damit ein großes Datenleck, das nicht gestopft werden kann.

7.      Kein Profi-File-Sharing

Das gemeinsame Verwalten von Terminen, das Erstellen von Business-Gruppen, Umfragen für Teams, das ausgiebige Teilen von Dateien – alles prima und wichtig, aber leider nicht in WhatsApp vorgesehen. File-Sharing über Novel Filr oder Microsoft Sharepoint wird nicht unterstützt. Das schränkt die Produktivität deutlich ein und reduziert die App fast ausschließlich auf einfachste Mechanismen und Kommunikation. Das genügend häufig nicht.

8.      Vermischung von privaten und geschäftlichen Angelegenheiten

Es verursacht Stress und kann nicht erwünscht sein: Privates und Geschäftliches sollte man auch bei der Kommunikation trennen. Wird das Installieren von WhatsApp auf beruflich verwendeten Smartphones explizit vom Arbeitgeber erlaubt, müssen Sie nicht befürchten, vom Chef „überwacht“ zu werden. Empfehlenswert ist die Vermischung mit dem Privaten trotzdem nicht. Wenn die Familie parallel mit den Geschäftspartnern kommunizieren mag und von allen gleichermaßen eine ständige Erreichbarkeit erwartet wird, kann man das Telefon gar nicht mehr zur Seite legen.

Dass private und geschäftliche Kontakte und Unterhaltungen nicht unabhängig voneinander betrachtet werden können, senkt letztlich die Produktivität. Und verpflichtet durchaus auch zur erhöhten Verwendung des Telefons außerhalb der Arbeitszeiten. 

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