22.06.07

Wegwerfnummer gegen Telefonspam

einmalnummer 2007-06-22

Was es gegen Spam schon lange gibt, nämlich eine Einmal-/Wegwerf-Adressen, gibt es jetzt auch zum Telefonieren.

Unter einmalnummer.de kann man sich mit einer einfachen Webmaske eine zufallsgenerierte Nummer zuteilen lassen, die wahlweise zwischen einer Stunde und einem Monat lang gültig ist. Schliesslich gibt man seine eigene Nummer für die Weiterleitung ein (geht nur mit deutschen Festnetznummern).

 

Das Businessmodell des Anbieters ist schlicht: Anrufer auf die generierte Nummer zahlen pro Minute 14 Cent (während die Firma für die Terminierung des Anrufs im Festnetz geschätzt nur um 1 Cent zahlt). Entsprechend wird man auf der Bestätigungsseite auch ermahnt (deutlich, aber doch irgendwie im Kleingedruckten), den Anrufenden auf diese Kosten hinzuweisen:

 

Ganz lustige Idee eigentlich, aber den Nutzen halte ich dennoch für eher beschränkt. Wem würde man denn konkret die Einmalnummer rausgeben? Telefonnummern werden ja viel weniger für Autorisierungsmechanismen genutzt als Mailadressen.

Oder sollte man bei einem Gewinnspiel ("bitte unbedingt Telefonnummer angeben, die Gewinner werden telefonisch benachrichtigt" - ja genau...) diese Telefonnummer nehmen, damit einem nicht das Callcenter ein "Hörzu"-Abo aufschwatzen kann? Die ausgefüllten Felder auf der Gewinnspiel-Postkarte wäre sicher nett anzuschauen:

 

Name: Peter Hogenkamp

Strasse: Waldweg 5

PLZ/Ort: 63589 Linsengericht

Telefon: 01805 663 238 601 59 (14 cent/min)

Oder wäre es gar eine gute Idee, dem One Night Stand am Morgen danach sagen zu können: "Ruf mich heute noch an - oder nie"?

Sicher könnte man sich noch mehr tolle Idee ausdenken, aber leider funktionieren alle nicht, weil es u.a. zwei entscheidende Unterschiede zwischen E-Mail und Telefon gibt:

Erstens braucht man eine Wegwerf-Mailadresse in der Regel nur eine Minute lang, nämlich zum Beispiel, um bei einer Software-Registrierung einen Aktivierungscode anzufordern. Der nächste Spam-Versand wird dagegen einige Zeit auf sich warten lassen - mit einer Lebensdauer von einer Stunde ist man also gut bedient. Beim Angeben einer Telefonnummer weiss man dagegen in der Regel nicht, wann der Anruf erfolgt. Allein schon beim Gewinnspiel weiss man nicht, welche Laufzeit man eingeben sollte. Der sowieso unwahrscheinliche Fall der Gewinnbenachrichtigung könnte sogar deutlich nach dem Verkaufsanruf eintreten.

Zweitens werden Telefonnummern, anders als Mailadressen, eben in der Regel von Menschen verarbeitet, und 11-stellige Nummern mit 01805-Vorwahl sehen eben nach allem möglichen aus, nur nicht nach einer normalen, privaten Festnetznummer, weswegen jedes Herausgeben der Nummer für ein Stirnrunzeln sorgen dürfte.

Aber wir werden's erleben, ob das Ding Erfolg hat. Wenn ja, wird schon bald der nächste Anbieter auftreten, der es für 9 Cent macht, dann einer für 5 Cent, und so weiter, bis man bei einem Preis angekommen ist, an dem so gut wie nichts mehr verdient wird.

Trotz allem: Schöne neue Telefonwelt. Mehr davon, bitte.

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