17.03.06

Was genau ist eigentlich Intel Viiv?

Seit der CES in Las Vegas im Januar frage ich mich, was eigentlich genau hinter Intels stark gehypter neuer Viiv-Plattform steckt. Die zugehörige Website hüllte sich bisher in Schweigen bzw. in leere Marketingsprüche, und über andere Kanäle waren auch keine Details zu erfahren. Ist ja prima, dass Intel jetzt auch konsumentenfreundlich möglichst einfach kommunizieren will, aber für die etwas technischer orientierten Kunden wären ein paar konkrete Aussagen schon auch schön.

Die bisherigen Informationen waren etwa im folgenden Stil gehalten (Zitat aus dem Pressekit):

"Die Intel Viiv Technologie ermöglicht zum ersten Mal, dass multimediale Inhalte

individuell abgerufen werden können, einfach und schnell. Die Kleinen sehen ihren

Zeichentrickfilm auf Flat-Screen im Kinderzimmer, während der Vater via

Heimnetzwerk seine digitale Musik-Sammlung im Arbeitszimmer genießt, und der

Frauen-Abend ist auch gerettet. All das in verschiedenen Räumen, drahtlos, mit nur

einer Plattform dem Intel Viiv Technologie basierten PC im Wohnzimmer."

Schön, oder? Und so klischeefrei...

Erst jetzt zur CeBIT sind endlich ein paar greifbare technische Angaben verfügbar geworden. Also: Viiv (reimt sich auf "five", wird also so ähnlich ausgesprochen wie "Ehefrau" auf Englisch -- toller Name wieder mal) ist eine ganze Gruppe von Technologien und Spezifikationen, die es den PC-Herstellern erlauben soll, PCs für den Unterhaltungselektronik-Bereich zu bauen. Als Betriebssystem -- wen wundert's -- wird Microsofts Windows Media Center verwendet. So wie Centrino für Notebooks optimiert ist, soll Viiv also für den Wohnzimmer-PC ideal sein.

Als Prozessor stehen drei Varianten zur Verfügung: ein Pentium D, ein Core Duo oder ein Pentium Extreme Edition. Dazu gibt es passende Chipsets mit eingebautem 7.1-Audioprozessor, RAID-fähigem Harddisk-Controller und (teilweise) 3D-Grafikbeschleuniger. Wer es genau wissen will: Mehr steht im Product Briefing oder hier.

Diese Chip-Kombination bringt also genug Multimedia-Power mit, um ordentlichen Benutzungskomfort zu ermöglichen, selbst wenn mehrere Audio- und Videostreams bedient werden müssen. Intels eigenen Benchmark-Angaben zufolge übertrifft die Performance der neuen Plattform eine typische Heimcomputer-Konfiguration (Pentium 4, 2.8 GHz) um etwa 50-80%. Ausserdem hat Intel an Features gearbeitet, um das Benutzungs-Feeling stärker an Unterhaltungselektronik-Welt anzupassen. Beispielsweise sollen Viiv-PCs sehr viel schneller aus dem Standby-Modus aufwachen als herkömmliche Rechner. Ausserdem ist definiert, wie eine Fernbedienung mit dem PC kommunizieren soll, und Intel liefert auch Software mit, die das Aufsetzen des heimischen Netzwerks einfacher machen soll.

Zudem kümmert sich Intel auch um die Inhalte: Man ein paar Deals mit Content-Lieferanten gemacht, die ihre Inhalte im richtigen Format liefern sollten. Ausserdem -- worüber Intel weniger gern spricht -- gibt Viiv auch spezifische DRM-Methoden für den Kopierschutz vor, damit auch alles schön raubkopiefrei bleibt. Wie schön: Alles aus einer Hand, vom Chip bis zur TV-Show, samt Kopierschutz...

Ob dem Konsumenten das alles wirklich was bringt, bleibt mal noch abzuwarten. Die Zahl der schon auf dem Markt verfügbaren Viiv-Systeme ist bisher noch überschaubar.

Freuen wird sich aber jedenfalls die Medienindustrie, denn mit dem gleich schon in der Hardware eingebauten DRM macht man es Raubkopierern erheblich schwerer.

Schlagworte zu diesem Artikel

Jetzt gratis anmelden und wir unterstützen Sie mit Informationen und aktuellen Lernangeboten!