Hier finden Sie weitere Artikel aus der Themensammlung Technik

15.04.13

Videre Pinhole und Dirkon: Schicke Lochkameras aus Pappe

Lochkameras können auch richtig gut aussehen

Eine Londoner Designerin hat mit ihrer selbstgebauten Lochkamera einiges an Aufsehen erregt. Die Kamera besteht lediglich aus umweltfreundlicher Pappe, ist aber trotzdem in der Lage Fotos zu machen. Auf Kickstarter möchte sie nun genug Geld sammeln, um ihre Lochkamera als Selbstbau-Kit anzubieten.

Lochkameras können auch richtig gut aussehen Lochkameras können auch richtig gut aussehen

Was ist eine Lochkamera?

Bei einer Lochkamera handelt es sich um die einfachste Form der Fotoaufnahme, die es gibt. Lochkameras lassen sich aus allen möglichen Materialien herstellen. Es müssen allerdings zwei Bedingungen gegeben sein: Das Innere der Lochkamera muss absolut dunkel sein und das Loch, durch das das Licht eintritt, muss die richtige Größe haben.

Der einfachste Aufbau einer Lochkamera, mit der sich auch Fotos schießen lassen, besteht aus einem abgedunkelten Kasten mit einem kleinen Loch vorne und der Möglichkeit einen 35-mm-Fotofilm hinten einzuspannen. Die Lochkamera braucht keine Linse, da das Loch als solche fungiert. Stimmen Lochgröße und Abstand zum Film, erhält man ein Bild, das zwar in Sachen Schärfe nicht mit einer Fokuskamera mithalten kann, aber dennoch seinen eigenen Charme besitzt.

Selbstbau-Kit für den Massenmarkt

Kelly Angood hat ihre eigene Version einer Retro-Lochkamera designt und in einem Video und auf ihrem Blog vorgestellt. Die Reaktionen darauf waren so begeistert, dass sie die Kamerapläne für jeden bereitstellen wollte. Auf ihrer Webseite gab es die Pläne der Kamera passend zum kostenlosen Download für einen 35-mm-Film. Man konnte sie sich selbst ausdrucken und zusammenbauen. Ob sie nun aufgrund unten stehender rechtlicher Ansprüche gelöscht wurden, oder um das Projekt erfolgreicher zu machen, kann ich nicht beurteilen. Auf Kickstarter sammelt sie Geld, damit sie einen fertigen Bausatz der Kamera herstellen und verkaufen kann. Zwar läuft das Projekt noch über einen Monat, allerdings hat sie das nötige Budget bereits erreicht. 15.000 Britische Pfund sollte das Projekt kosten und knapp 19.000 hat sie mittlerweile schon sammeln können.

Für Kelly ist dies bereits der zweite Versuch, die eigene Lochkamera zu produzieren. Vor einem Monat musste sie ihr erstes Kickstarter-Projekt abbrechen, da jemand urheberrechtliche Ansprüche an das Design geltend machte. Sie hat die Zeit danach genutzt, um die neue Version ihrer Lochkamera zu designen. Die Technik bleibt die gleiche nur das Design ist anders und wenn es nach meinem Geschmack geht, sogar besser.

"Dirkon" der Vorreiter

Doch Kameras aus Pappe sind keine neue Erfindung. 1979 machte ein Modell mit dem Namen "Dirkon" von sich reden. Zusammengesetzt aus "dírka", dem tschechischen Wort für "Loch" und der Endung "kon" , wie sie ein japanischer Kamerahersteller verwendet, bekam man die Vorlage in einer Jugendzeitschrift. Seitdem hat sich einer eingeschworene Community gebildet, die dieses Modell nicht nur weiter entwickelt sondern auch stetig optimiert.

Diese Pläne kann man sich kostenlos im Internet herunterladen, um sich seine eigene Lochkamera aus Pappe zu bauen. Gleichzeitig gibt es dort auch noch einige Tipps, wie man die Bildqualität der Lochkamera verbessern kann.

In Zeiten von Digitalkamera und Smartphone-Kamera scheinen Lochkameras ein wenig nerdig zu sein. Sind sie vielleicht auch, aber Fotografie ist Kunst. Und Kunst bedeutet auch, dass man manchmal über seine Grenzen hinausgehen muss, um neue kreative Ergebnisse zu bekommen. Auch wenn es bedeutet, sich eine Lochkamera aus Pappe bauen zu müssen.

Weiterführende Links: 

Schlagworte zu diesem Artikel

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer