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13.11.12

Praxisbericht: Erste Schritte mit dem 3D-Drucker Ultimaker

Der fertig montierte und angeschlossene Ultimaker. (Bilder: Nils Hitze)

3D-Drucker sind derzeit ein heißes Thema unter Bastlern. Gastautor Nils Hitze berichtet hier vom Aufbau und ersten Test seines "Ultimaker".

Der Ultimaker ist mein erster eigener 3D-Drucker. Aufgebaut wurde über mehrere Tage, meistens abends. Von der Auslieferung bis zum ersten Druck sind vier Tage vergangen. Generell bin ich mit dem Set zufrieden, wobei es einige kleine Fehler gab und die Dokumentation noch ziemlich große Mängel aufwies. Glücklicherweise hatte ich vorzüglichen Support von zwei Ultimaker-Besitzern aus Deutschland und der Schweiz, da dies aber nicht üblich ist, besteht hier noch viel Verbesserungspotential.

Den Ultimaker aufbauen

Die folgende Schätzung des Aufwandes ist übrigens mit Vorsicht zu genießen, denn ich habe mir extrem viel Zeit gelassen.

  • Am ersten Abend habe ich den Holzrahmen zusammen gesetzt, Zeitaufwand inkl. Nachschleifen ca. 2,5 Stunden.
  • Zweiter Tag, erneut abends gebaut. Rahmen und Montage der Motoren, sowie der ersten (vorderen) Achse. Alles in allem gefühlt wie eine Packung Lego oder ein Ikea Schrank. Keine besonderen Vorkommnisse – aber es lohnt sich wirklich jeden Schritt der Anleitung zwei Mal zu lesen und im Zweifelsfalle lieber noch mal zu gucken.
  • Über das Wochenende bin ich dann nur unterbrochen und eher sporadisch dazu gekommen, immer mehr Teile zu montieren, daher hier keine Zeitschätzung. Freitag Abend das Druckbett, Samstag den Extruder (v2) sowie den Material Feeder (v2) und Sonntag die vollständige Elektronik, sowie die ersten Testdrucke.

Mein Eindruck vom Aufbau im Ganzen: Ein geübter Bastler mit ein bisschen Menschenverstand schafft es in guten acht Stunden vom Set bis zum voll funktionsfähigen Ultimaker. Für den zweiten, so behaupte ich mal ganz frech, bräuchte ich jetzt nur noch fünf bis sechs Stunden.

Der Aufbau ist sehr geradlinig und dank guter Beschriftung am Gerät eigentlich recht verständlich.

Los geht es mit dem Drucken

So nun aber zum ersten Druck, den ich auf Anraten von Florian Horsch, so etwas wie die gute Seele der Ultimaker Community und ganz nebenbei auch noch ein echter Pfundskerl, mit der Software Cura gemacht habe, nicht wie in der Anleitung vorgeschlagen mit NetFabb oder ReplicatorG.

Der erste Druck war – auf Grund des Ausfalls der Website Thingiverse am Sonntag (28. Okt) – der mitgelieferte Ultimaker Robot in silbernem Ultimaker PLA. Und was soll ich sagen: Ich war hin und weg. Der Drucker wärmte auf, der Drucker lief los und ... druckte. Das Ergebnis kann sich, soweit ich es beurteilen kann, für einen ersten Druck durchaus sehen lassen.

Stolz erfüllt schritt ich zu meinem zweiten Druck, einem 2×2 Duplo Stein. Dieser misslang gründlich, der Druck haftete nicht sauber auf dem Druckbett und wurde von der Düse gelöst.

Der zweite (erfolgreiche) Druck war wieder ein Robot, von ähnlicher Qualität wie der erste.

Es lohnt sich definitiv, kleinere Objekte mehrmals zu machen und dann immer wieder mit der Konfiguration von Cura (oder anderen Programmen) zu spielen. Jedes Material ist verschieden, jedes Objekt hat seine schwierigen Stellen. Aber das Ergebnis lohnt sich.

Negatives am Ultimaker

Am meisten geärgert hat mich die Dokumentation. Diese ist zwar sehr umfangreich, teilweise aber veraltet oder unzureichend. Wenn ich die Zeit habe, "not up to date" an ein Bild zu schreiben, wieso habe ich dann nicht die Zeit, ein neues zu machen?

Fazit

Gut und jetzt mein Fazit: Wer einen 3D-Drucker haben möchte, etwas Bastelwissen hat und Englisch versteht, kann beim Ultimaker eigentlich fast nichts falsch machen. Der Aufbau geht gut von der Hand und der erste fertige Druck macht einen einfach wahnsinnig kribbelig und stolz. Allerdings darf man nicht erwarten, gleich Endkunden-Qualität zu produzieren, gerade am Anfang kommt man um eine Menge Ausschuss nicht herum. Also lieber zwei Kilo oder mehr vom Druckmaterial PLA bestellen, damit man genug Stoff für Experimente hat.

In der ersten Woche mit dem eigenen 3D-Drucker habe ich das ganze Gefühlsspektrum abgegrast. Von "Warum geht das nicht?" über "Es geht, es geht!" bis zu "Moooooaaarrr, warum will das wieder nicht?" war jetzt alles dabei.

Eines ist aber völlig klar: 3D-Drucken macht extrem süchtig. Sagt nachher nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!

Über den Gastautor

Nils Hitze ist Nerd aus Leidenschaft, Vater von fünf Kindern und in der deutschen BarCamp- und Techszene sehr aktiv. Unter 3dDinge.de baut Nils aktuell einen Dienstleister für 3D-Druck on Demand, Vertrieb und Service auf. Er organisiert in München außerdem die erste Maker Fair (April 2013, Details in Kürze), das BarCamp, das GameCamp sowie das CloudCamp und schreibt auf Google+ die meiste Zeit über 3D-Drucker. Dort finden sich weitere Fotos rund um den Ultimaker.

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