10.03.14

Tractive Motion im Test: Wozu braucht man einen Activity Tracker für Haustiere?

Ein Tracker mit Mehrwert? Nunja... (Foto: Sven Wernicke)

Wie fit ist mein Hund, meine Katze, mein Pferd? Die Frage möchte der österreichische Hersteller Tractive mit seinem "Motion" beantworten. Das ist ein Aktivitätstracker für Haustiere. Dumm nur, dass das 80-Euro-Zubehör nicht so recht etwas taugt...

 

Das Produkt klingt vielversprechend: Tractive Motion ist ein winziger Halsband-Anhänger, der Bewegungs- und Ruhephasen wahrnimmt und diese Informationen direkt am Display des Geräts anzeigt oder via Bluetooth zu einem iOS- bzw. Android-Telefon schickt, um die Daten dort hübsch zu präsentieren. Bei einem Gewicht von 15 g ist das wasserdichte Tractive Motion mit seiner Größe von 15 x 50 x 9 mm für nahezu alle Haustiere geeignet, nicht also nur für Hunde. Soweit die Theorie.

 

Und nun?

In einer Pressemldung meinte Michael Hurnaus, Geschäftsführer von Tractive, dass knapp 50 Prozent der zirka 26 Millionen in Deutschland lebenden Hunde und Katzen übergewichtig seien. Mindestens 13 Millionen Haustiere könnten mit Tractive Motion ihr Idealgewicht erhalten, sofern die Besitzer dies wollen. Letztlich ist das Gadget nichts weiter als ein Zähler, der dank eines Beschleunigungs- und Bewegungssensors jeden Schritt wahrnimmt und in dem kleinen Gerät speichert. Verbaut wurden zusätzlich ein Bluetooth-4.0-Modul, ein Lichtsensor, ein Temperaturmesser und offenbar auch ein kleiner Vibrationsmotor, der zum Beispiel beim Aufladen des Mini-Akkus wahrnehmbar ist. So hart es klingen mag: Ich halte einen Großteil der Sensoren für überflüssig, eine Bereicherung wäre dagegen GPS gewesen. Das gibt es jedoch nicht.

Komfort?

 

Doch der Reihe nach: Beim Auspacken entdeckt man allerlei Elemente von Petpit. Da ist zum einen die Silikon-Hülle, die das Gerät schützt und zugleich eine Möglichkeit zum Befestigen am Halsband offeriert. Ein kleines Ladekabel mit Einschub für das eigentliche Zubehör fehlt nicht. Um es verwenden zu können, muss man es aufgeladen in die Hülle zwängen - nicht gerade komfortabel. Gleiches gilt für das Pairing und Synchronisieren. Nach dem Download der App für iOS oder Android richtet man diese ein und aktiviert Bluetooth. Durch einen Druck auf den Knopf am Rand des Tractive Motion startet die Synchronisation. Vermutlich. Denn einen richtigen Hinweis erhält man trotz des Mini-Bildschirms nicht. Erst, wenn die App eine veränderte Zahl präsentiert, merkt man: Es scheint geklappt zu haben. Die Umgebungstemperatur der letzten Zeit oder gar die Details über den Helligkeitszustand des Ortes, an dem sich das Tier aufgehalten hat, kann man sich vorsetzen lassen. Nur: Wozu soll das alles gut sein?

Der Akku gab bei meinen Tests bereits nach durchschnittlich zwei Tagen auf, obwohl er offiziellen Aussagen zufolge eine Woche ohne Aufladung halten soll. Schlimmer ist jedoch der mangelnde Mehrwert. Ich kann zwar angeben, wie fit mein Hund ist, doch dies ist rein hypothetisch und nur durch die Anzahl der angegebenen Punkte (= Schritte) erkennbar. Körpergewicht, Rasse, Alter - spielt alles keine Rolle! Letztlich ist Tractive Motion also nichts weiter als ein Zähler, der zählt und mit irrelevanten Angaben nicht einmal sonderlich gut unterhält. Es hätte mich mehr interessiert, wie viele Kilometer pro Tag mein Feldfreund zurücklegt hat oder - bei GPS-Integration - wo er langgelaufen ist. Stattdessen erfahre ich, dass es draußen hell war, als er sich bewegt hat. Oder dunkel. Oder kühl. Oder warm.

Wirklich albern wird es, wenn ich bei der Einrichtung statt eines Hundes eine Katze, ein Kaninchen oder ein Pferd wähle. Dann kommen ebenfalls die identischen „Pet Points“ und Informationen sowie Hundebilder zum Einsatz. Die automatische Berechnung von Werten für „Träge“, „Aktiv“ und „Dynamisch“, die sich wohl nur aus dem Verhältnis aus Bewegung und Ruhephasen pro Tag zusammensetzen, macht nüchtern betrachtet auch nichts her.

Liebe zum Detail? Pustekuchen!

Positiv ist, dass Tractive Motion gut an einem Halsband oder Geschirr befestigt werden kann und die Fakten auf dem Display stets erkennbar sind. Die Vibration des Zählers hätte man dazu nutzen können, um den Status der Bluetooth-Verbindung bzw. Synchronisation zu verdeutlichen. Auch die Grundidee ist nicht generell verkehrt, schließlich haben ja wirklich viele Tiere viel zu wenig Action in ihrem Leben - speziell Hunde von berufstätigen Besitzern. Nur wenn der Bauch einer Dogge bereits am Boden schleift, braucht es keinen Aktivitätstracker, der mir mitteilt, dass ich am Tag bei 11 Grad mit meinem Hund an der frischen Luft war und 3.000 Points gesammelt habe. Was bedeutet das? Ist das gut oder schlecht? Und überhaupt...

 

In meinen Augen fehlt beim Tractive Motion vor allem eines: Liebe zum Detail. Die App wirkt unfertig und unterscheidet nicht zwischen Pferd und Katze. Mit etwas Pech werden Temperatur und vor allem Lichteinfall gar nicht richtig wahrgenommen, zum Beispiel wenn Tractive Motion an einem Hundegeschirr befestigt wird und etwas hin und her wackelt. Nicht unerwähnt sollten sporadische Totalabstürze sein - nicht der App, sondern der Hardware, die sich zum Glück resetten lässt. Das macht es nicht besser.

Fazit: Wozu nur, wozu?

 

Ich bin im Normalfall zweieinhalb bis dreieinhalb Stunden pro Tag mit meiner Hündin unterwegs, um mit ihr zu spielen, selbst frische Luft zu schnappen und einen Ausgleich zu meiner Arbeit am Rechner zu finden. Laut diverser Apps lege ich täglich mindestens 5 Kilometer zurück, in der Regel mehr. Tractive Motion bezeichnet meinen Hund zwar als weitgehend „dynamisch“, das anvisierte Ziel von 6.200 Pet Points pro Tag (entspricht einem sportlichen Hund, glaube ich) erreiche ich eigentlich nie. Woran liegt es? Ich schiebe die Schuld auf das Gesamtkonzept, das einfach so nichts taugt. Ich habe meinen Zähler, der mit unnötiger Technik ausgestattet ist. Wenn ich mit meiner tierischen Kumpeline rausgehe, weiß ich selbst, ob es Tag oder Nacht bzw. kalt oder warm ist. Und das, was er machen soll - also das Tracken der Aktivität meines Hundes - ist dagegen vollkommen unpräzise. Ärgerlich, wenn man für solch ein nicht einmal richtig funktionierendes Gadget 80 Euro ausgegeben hat.

Mein Tipp kann daher nur lauten: Pfoten weg! Ich finde die Idee gut, wirklich. Ich möchte schon gerne wissen, ob mein Hund genügend Bewegung erhält. Aber in dieser Form ist es aus meiner Sicht ein halbgares Produkt ohne ernsthaften Mehrwert.

Hinweis: Getestet wurde die Beta-Version der App, das finale Produkt kommt am 26.03.2014 in den Handel. Sofern es noch gravierende Änderungen nach der Veröffentlichung geben sollte, folgt selbstverständlich eine Aktualisierung des Berichts!

Weitere Informationen und eine Bestellmöglichkeit findet ihr hier im Tractive-Onlineshop.

 

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