17.11.07

Tomtom GO 720T Test III/III Das Navi als Spion

TomTom Go 720T im Auto

Im Test des Navigationsgeräts TomTom Go 720T stiess neuerdings.com auf eine bedenkliche "Zusatzfunktion": Das Gerät speichert insgeheim Fahrdaten. Bei Unfällen könnten die zur Belastung für den Navi-Besitzer werden. Bei Tomtom reagierte man überrascht auf die Anfrage von neuerdings.com.

 

TomTom Go 720T im Test - Teil I: Die neuen Funktionen

TomTom Go 720T im Test - Teil II: Er folgt auf Zuruf

In den ersten beiden Tests zeigte das das Navigationssystem TomTom 720T viele Stärken. Nicht zufrieden waren wir mit dem kostenpflichtigen Verkehrs- und Stauwarndienst "TomTom Traffic". Dieser verursacht neben Abo- auch Internetkosten am Handy. Ein wenig schockiert waren wir, dass sich das TomTom 720T im Geheimen auch als Fahrtenschreiber und Blackbox betätigt. Bei Unfällen oder Polizeiaktionen belastet man sich dabei möglicherweise selber.

 

Eine Besonderheit der meisten TomTom-Navis ist das proprietäre Verkehrsinfosystem TomTom Traffic.

 

Während die ganze Konkurrenz dabei auf das TMC-System setzt, muss sich das GO 720T diese Infos via Handy holen. Bei TMC werden Verkehrsinfos wie Stau- und Sperrmeldungen über die gewohnten Radiosender verbreitet. Ein kleiner Adapter mit Wurfantenne genügt, damit das Navi permanent in den Äther lauscht, die Infos empfängt und in die Streckenwahl einarbeitet.

TomTom Traffic soll besser werden

TomTom sammelt dagegen diese Infos selbst und verkauft sie als kostenpflichtigen Zusatzdienst. Das hat den Nachteil, dass Stauinfos nur zur Verfügung stehen, wenn man sein Mobiltelefon dabei und mit dem TomTom gekoppelt hat. Ferner muss man neben den Abo-Gebühren auch noch den GPRS-Traffic beim Netzanbieter bezahlen. In unserem Fall läpperten sich die Kommunikationskosten im Testmonat auf über 10 Euro (15 Franken) zusammen. TomTom erklärt, dass pro Stunde Fahrzeit mit rund 70 Kilobyte Daten zu rechnen ist.

 

Qualitativ konnte wir keine Vorteile bei der TomTom-Lösung finden. Testfall waren zwei Sperrungen von schweizerischen Staatsstrassen, die bereits Tage im voraus angekündigt und publiziert waren. TomTom liess uns voll gegen die Strassensperre fahren und bürdete uns dann 15 Kilometer Umweg auf. Allerdings kannte auch das kostenlose TMC-System die Sperre nicht.

Inzwischen scheint auch TomTom nicht in jedem Fall von den Vorteilen der eigenen Lösung überzeugt zu sein. Zahlreiche neue TomTom-Modelle werden deshalb mit TMC-Empfängern ausgeliefert. Das TomTom GO 720 unterstützt glücklicherweise sowohl TMCpro als auch TomTom-Traffic. Um TMC zu nutzen, muss eine kleine Wurfantenne an das Navi gestöpselt und an die Windschutzscheibe mittels Saugnapf befestigt werden.

Laut einer Ankündigung soll TomTom Traffic stark verbessert werden. Dazu erhält TomTom vom Handy-Anbieter Vodafone die anonymisierten Positionsdaten von Hunderttausenden von Handys. Mit den Bewegungsprofilen der Handys lässt sich dann eruieren, wo der Verkehr stockt. Der Dienst wird zuerst in Holland für 9.95 Euro pro Monat angeboten. Er wird zusammen mit dem neuen Modell TomTom ONE XL HD Traffic lanciert.

Das Navi als Fahrtenschreiber

 

Aufregung verursachte in der Presseabteilung von TomTom unsere Frage, ob das Gerät im Geheimen als Fahrtenschreiber arbeitet. Misstrauisch machte uns dabei die Anfrage der PC-Synchronisationssoftware. Diese wollte nämlich Gerätedaten an TomTom übermitteln, um inskünftig Routen- und Zeitberechnungen zu optimieren.

Ist das Navi also eine Art Blackbox? Muss man nach einem Unfall riskieren, dass Ermittlungsbehörden oder ein Richter Zugriff auf diese Blackbox verlangen und so vielleicht nachweist, dass man 12 Stunden Nonstop oder viel zu schnell unterwegs war?

Die Antwort bleibt offen. TomTom versichert, dass die an sie übermittelten Daten anonymisiert sind, nicht an Dritte weitergegeben und nach der Übermittlung im Gerät gelöscht werden. Was allerdings das Problem "Fahrtenschreiber" nicht löst.

TomTom gibt zu den Blackbox-Funktionen folgendes Statement ab:

 

"Auf dem TomTom werden Routingdaten gespeichert. Das bedeutet, dass die Route vollständig aufgezeichnet wird und die Geschwindigkeit rekonstruiert werden kann. Eine Fahrt von drei Stunden braucht rund 6 Kilobyte Speicherkapazität und beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit des TomTom nicht. Die Daten werden beim nächsten Update mit TomTom HOME an TomTom anonymisiert übermittelt und dabei gleich vom Gerät gelöscht."

TomTom versichert auch ihre guten Absichten hinter diesem Projekt:

 

"TomTom möchte die Benutzer schneller und effizienter zu ihrer Destination bringen. Mit dem Analysieren von aktuellen Daten und der Kombination dieser Daten mit älteren Statistiken von vielen TomTom Benutzern kann ein solches Modell nachgebildet werden, welches der Errechnung einer treffenden realistischen Ankunftszeit beim Zielort dient."

Die ganze Problematik hinterlässt einen schalen Beigeschmack. TomTom sollte schleunigst die Software so anpassen, dass man die Aufzeichnungsfunktion im Gerät dauerhaft deaktivieren kann.

Fazit: Das TomTom Go 720T ist momentan wohl das Navi mit den meisten Nebenfunktionen. Ein Teil davon ist clever, ein Teil nur halbherzig umgesetzt. Als reiner Pfadfinder von A nach B leistet das GO 720T zuverlässig, was es muss und lässt sich vor allem simpel bedienen. Der Hersteller täte aber gut daran, die zahlreichen Kanten der Software zu beheben und vor allem auch die OVI- und Adressdaten vom Legasthenie-Touch zu befreien.

Das TomTom GO 720T kostet mit Kartenmaterial für Westeuropa rund 549 Euro beziehungsweise 890 Franken.

TomTom Go 720T im Test - Teil I: Die neuen Funktionen

TomTom Go 720T im Test - Teil II: Er folgt auf Zuruf

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