30.06.14

Smartphone-Thermometer Thermodo im Test: It's getting (too) hot in here

Thermodo: Kleiner Stecker mit einem Thermometer, der wie eine alte Antenne aussieht. Bilder: Jürgen Vielmeier, Thermodo

Thermodo wird in die Kopfhörerbuchse eines Smartphones gesteckt und zeigt ab dann mit Hilfe einer App die aktuelle Temperatur an. Nur welche eigentlich? Das wurde bei uns im Test leider nicht so ganz klar und das macht das ansonsten eigentlich praktische Gerät fast unbrauchbar.

 

Thermodo war das erste Gadget, das ich jemals auf Kickstarter geordert habe. Dann kam es bei mir an – und spielte komplett verrückt. In meiner Küche sollten es an einem kalten Wintertag einmal zunächst 25 Grad gewesen sein. Die Anzeige kletterte dann nach und nach auf 37 Grad, obwohl ich das Gerät möglichst weit weg von der Energiequelle Mensch gelegt habe. Ich dachte mir: Manchmal ist es vielleicht besser, wenn man den Test verschiebt, bis ein Startup die Möglichkeit hatte, seine App zu finalisieren.

Ich gab ihnen die Chance. Nun, ein gutes halbes Jahr später, kramte ich Thermodo also wieder heraus und unterzog dem kleinen Stecker einen Test. Doch das Fazit bleibt dasselbe: Ein feines Stück Hardware, eine tolle App und die Temperatur ist halt das, was das Ding so ungefähr schätzt.

 

30 Grad an einem Regentag

In meiner Schreibstube waren es zum Zeitpunkt des Tests laut Innenthermometer etwa 21 Grad Celsius. Es war Ende Juni, ein Regentag, aber ansonsten doch recht mild. Außentemperatur laut Wetterdienst etwa 18 Grad. Die Thermodo-App für mein Nexus 4 zeigte zunächst 30,1 Grad an, gab sich aber wenig später schon mit 29,6 Grad zufrieden. Auf etwa diesem Wert verharrte die Anzeige dann.

Das konnte ja wohl nicht so ganz stimmen.

In den Einstellungen gibt es die Möglichkeit, die Hitzeentwicklung des Geräts in die Berechnung mit einzubeziehen. Außerdem warnt die Kurzanleitung, die nach Installation der App erscheint, davor, den Sensor nach dem Einstecken noch einmal mit dem Finger zu berühren oder es in Körpernähe zu tragen.

 

Bloß nicht anfassen!

Denn, klar: Wir wissen, dass ein gesunder menschlicher Körper knapp 37 Grad warm ist und die Ergebnisse dann natürlich verfälscht. Ich wählte in den Einstellungen die Option „starke Wärmeentwicklung“ aus, denn das Nexus 4 an sich kann mitunter schon recht warm werden. Thermodo reduzierte seine Schätzung danach auf 24 bis 25 Grad.

Näher dran also, aber immer noch falsch.

Eine Recherche in den Thermodo-FAQ ergab dann des Rätsels Lösung: Mein Telefon hat nicht alle Tests der Macher bestanden. In der Android-Liga unterstützt Thermodo laut Hersteller Robocat aktuell nur diese Geräte:

Samsung S2, Samsung S3, Samsung S4, Google Nexus 7, Google Nexus 5, Google Nexus One, Galaxy Nexus, Nexus S, HTC One, HTC One S, Sony Experia S & Samsung Galaxy Tab 3

Das Nexus 4 schien den Entwicklern Probleme zu bereiten. Robocat teilt mit, dass die Software auf anderen Geräten als den genannten zwar funktionieren, dann aber falsche Ergebnisse liefern kann. So sah es denn auch bei mir aus.

 

Mollige 26 Grad

In Ermangelung weiterer Android-Testgeräte zog ich mein altes iPad 2 zu Rate. Laut Thermodo werden alle iPhones und iPads unterstützt, die mindestens iOS 6 installiert haben. Mein iPad 2 sollte also für den Test tauglich sein. Erster Eindruck der iPad-App: Sie ist offenbar auf einem etwas aktuelleren Stand als die Android-Version und außerdem für das Tablet optimiert. Was dafür auch hier nicht so ganz stimmte, war die Temperatur. Thermodo entschied sich auf dem iPad, das ich erst im Moment des Tests aus dem Schrank geholt und gestartet hatte, für 26 Grad.

Wo sollten die herkommen?

Ich wählte in den Einstellungen also auch hier die Option, die Hitzeentwicklung mit einzubeziehen, worauf die App sofort 5 Grad weniger anzeigte. Die Temperatur pendelte sich nach einiger Zeit auf 20,4 bis 20,5 Grad ein. Das klang zum ersten Mal nach einem realistischen Wert, auch wenn das iPad selbst zu diesem Zeitpunkt kaum wärmer sein konnte als die Zimmertemperatur. Nachdem ich das iPad danach allerdings noch einmal zur Hand nahm, um ein wenig durch die Funktionen zu browsen, entschied sich die App plötzlich, dass 19,5 Grad auch ausreichten. An der tatsächlichen Temperatur hatte sich dabei nichts verändert.

Fazit

Ein Thermometer, das nur einen auf fünf Grad geschätzten Wert anzeigt, ist in etwa so brauchbar wie eine Bordkonsole, die bis auf ein Viertel genau die Geschwindigkeit eines Autos anzeigt. Man stelle sich ein Fieberthermometer vor, das die Temperatur auf fünf Grad genau schätzt. Da würden Patienten für gesund oder nahtot erklärt, die genau das Gegenteil sind. An zwei Testgeräten jeweils hat Thermodo die Temperatur mehr oder weniger geschätzt. Das offiziell unterstützte Gerät iPad 2 zeigte eine Temperatur an, die zeitweise so ungefähr stimmen konnte - um diese dann um 1 Grad zu senken.

 

Im Nexus 4 war das Thermodo praktisch nicht zu gebrauchen. Thermodo hat das Gerät aber wie erwähnt nicht in seine offizielle Kompatibilitätsliste aufgenommen. Allerdings: Warum eigentlich nicht? Eine besonders starke Hitzeentwicklung im Vergleich zu anderen Geräten ist an der Kopfhörerbuchse des Nexus nicht festzustellen. Zu diesem Zeitpunkt - und das ist ein gutes halbes Jahr seit dem offiziellen Verkaufsstart - ist Thermodo somit leider nicht zu gebrauchen. Auch wenn die sehr starken Temperaturschwankungen der frühen Anfangszeiten der App jetzt nicht mehr vorkommen, müssen wir von einem Kauf derzeit dennoch abraten.

Wer es trotzdem versuchen möchte: Der kleine Stecker kann im Shop des Anbieters für umgerechnet 22 Euro plus Versand in Schwarz und Plastik oder für 33 Euro in der Aluminium-Version bestellt werden.

Sollte ihr ein Thermodo besitzen, interessieren uns eure Erfahrungen!

Jetzt gratis anmelden und wir unterstützen Sie mit Informationen und aktuellen Lernangeboten!