14.03.08

Zune 8GB im Test (1/3): Microsoft zeigt (etwas) Stil

Zune 8GB: Für einmal sieht auch eine verpackung von Micriosoft richtig gut aus.

Zune, Microsofts Version von iPod/iTunes, hat's noch nicht bis nach Europa geschafft. Dabei sieht das System inzwischen ganz passabel aus. Was ist also dran am Zune? wir habens ausprobiert. Teil 1: Auspacken, anschliessen und Software installieren.

 

Microsofts Zune 8GB: Für einmal hat Redmond auch Wert auf die Verpackung gelegt. (Bilder PS/neuerdings.com)

Der Zune ist nur in den USA erhältlich - verpassen die Europäer etwas? Immerhin ist Microsofts iTunes-Konter inzwischen ein umfangreiches System inklusive Musikshop mit Flatrate-Monatsmiete, und die Geräte der zweiten Generation können sich sehen lassen (und die der ersten werden zu Spottpreisen von Microsoft verschachert):

Eine ernstzunehmende Konkurrenz zu iPod und iTunes also? Auf den ersten Blick scheint es so, zumal die Zune-Player von Haus aus mehr können als ein iPod: Musik, Video, Radioempfang, Wireless-Abgleich und - das soll der Clou sein - Musiktausch wireless zwischen Zune-Benutzern: In der Schule, im Bus - mit Freunden und Unbekannten, die's werden wollen.

Wir testen den Zune, weil und das eingegangene Gerät durchaus gefallen hat - und weil es beim aktuellen Dollarkurs für manchen USA-Touristen interessant sein könnte. Und vielleicht - wer weiss - wagt sich Microsoft doch noch damit in die alte, stilbewusstere Welt...

Auspacken!

Microsofts Zune ist so vergnüglich auszupacken wie Apples iPhone oder ein iPod Shuffle. Die Schachtel besteht aus solidem und nachhaltigem Karton (Bilder PS/neuerdings.com).

 

Unter dem Podest, auf dem der Zune "ruht", finden sich das kleine Handbuch und in zwei weiteren Kartonstab-Schachteln die Kopfhörer und das USB-Kabel. Die Rückseite des Players bietet Platz für Firmenlogos - hier das der Microsoft-MIX08-Preconference.

Auch Designfragen hat Microsoft deutlich dazu gelernt. Das fängt mit der Schachtel des kleinen Zune (erhältlich mit 4 oder 8 Gigabyte, das Harddisk-Modell verfügt über 80GB Speicherplatz, wobei der Bildschirm zwar mit 3.2 Zoll statt der 1.8 auf dem kleinen Modell zwar grösser ist, aber die gleiche Auflösung von 320 mal 240 Pixeln aufweist - die gleiche Auflösung wie der vielgelobte iPod Nano - allerdings noch dichter gedrängt auf einem kleineren Bildschirm.)

Wer hätte gedacht, dass Microsoft je ein Produkt in einer Schachtel unterbringt, auf der ausser dem Produktnamen nichts zu lesen ist? Auch wenn man es sich offenbar nicht verkneifen konnte, auf der Schachtelrückseite das Konterfei des Players abzubilden: Der mattschwarze Monolith auf dem orangen Podest sieht gut aus.

Der Inhalt rutscht als weiterer kompakter Block aus der Hülle und gibt nach dem Anheben der grossen Klappe den Blick auf den Zune frei. Ich muss sagen: Das Vergnügen war kürzlich beim Auspacken eines iPod Shuffle oder im letzten Sommer beim iPhone nicht grösser.

Der Zune präsentiert sich eben so minimalistisch wie die Schachtel: Im kleinen, matten Schwarzen, mit auf den ersten Blick nur grade zwei sichtbaren Knöpfen und einer rundlichen Wippfläche.

Ein Druck auf einen der Knöpfe lässt den Zune booten - was etwa fünf Sekunden beansprucht und das bunte Logo aufglühen lässt. Danach zeigt er das in Kleinbuchstaben-Helvetica und S/W gehaltene Hauptmenu, und der Benutzer merkt sogleich, dass die Wippe unter dem Bildschirm berührungsemfindlich ist: Auch diese Apple-Kopie lässt sich gut an. Statt im Kreis herum streicht man mit dem Finger rauf oder runter, um sich im Menu zu bewegen (oder die Lautstärke zu regeln, und seitwärts, um durch die Kollektion zu blättern).

Ein Klick auf einen der Menüpunkte bringt vorerst noch nicht mehr als den Hinweis auf den Bildschirm, dass für die Inbetriebnahme die Zune-Website besucht und die Software auf einem PC installiert werden muss.

Die Software

Hier folgen zwei üble Einschränkungen: Die Zune-Software ist nur für Windows verfügbar - Microsoft gibt Mac OS X als kompatibles Betriebssystem an, "mit BootCamp und einer Version von Windows"...

 

Das Farbthema von Microsoft Zune: Schokobraun und Himbeer-Pink. Die Software sucht bei der Installation zuerst mal ein Update und "bereitet den PC vor" - was verdächtig klingt und lange dauert.

Benutzer ausserhalb der USA können zwar die Software runterladen, die sie für das Befüllen des Zune brauchen, aber sie haben ohne US-Kreditkarte keine Möglichkeit zum Kauf von Musik im Zune-Marketplace.

Die Setup-Webseite bietet beim ersten Besuch zwei Optionen: Nur runterladen der Software, oder gleich Mitglied der Zune-Society zu werden. Dazu wird ein Windows-Live-Passwort generiert, der Benutzer kann danach ein Pseudonym auswählen. Der Windows-Live-Account ist auch für den Kauf von Musik nötig. Dazu später mehr.

Die Software ist satte 33MB gross und braucht einige Minuten, um sich auf dem Rechner zu installieren. Lästig ist die mal wieder versteckte Option zur Anpassung des Pfads, wo das Programm installiert werden soll - wer nicht aufpasst, kriegt das Programm automatisch in "Meine Dateien" geklatscht.

 

Nach dem Setup installiert die Software gleich mal eine frische Firmware auf den angeschlossenen Zune-Player. Das dauert nochmals.

Nach vollendeter Installation wird der Benutzer aufgefordert, den Zune anzuschliessen, worauf die Software gleich ein erstes Firmware-Update installiert.

Die Zune-Software präsentiert sich in ihren Pastell-Farbhintergründen etwas gar psychedelisch - und auf den ersten Blick nicht sonderlich aufgeräumt.

Das ändert sich, nachdem erste Musikstücke in die "Collection aufgenommen wurden oder der Player erstmals abgeglichen wurde - er verfügt nämlich schon mal über 12 vorgeladene Songs. Die Aufteilung der Software wird dann anhand der oben stehenden Menüs deutlicher: Zur Auswahl stehen "Kollektion", "Gerät", "Marktplatz" und "Social", jeweils mit verschiedenen Untermenüs in der zweiten Zeile. Weil das Ganze aber in Windows-Untypischen grafischen Fenstern angezeigt wird, ist nie ganz klar, was reine Information und was ein klickbarer Befehl ist.

iTunes kommt da dem Benutzer mit einem klassischeren Interface deutlich entgegen, Microsoft will den Zune offenbar klar vom Betriebssystem abgrenzen. Gemäss dem Spruch von Guy Kawasaki zu Steve Ballmer (sinngemäss): "Es ist doch so: Bei der aktuellen Generation von Jugendlichen ist Microsoft nicht mehr als der monopolistische Betriebssystem-Hersteller bekannt, sondern als die coole Firma, die XBox und Halo gebracht hat. " Den Zune hat Kawasaki nicht erwähnt, und das dürfte am Image liegen, welche das System hat - ob zu Recht oder nicht, finden wir im Laufe des Tests heraus.

 

Musik kann auf dem Rechner zusammengesucht und in die Kollektion eingebunden, direkt abgespielt, auf ein angeschlossenes Gerät (unten links), zum Brennen auf das CD-Symbol oder zum erstellen einer Playlist auf das Playlist-Symbol gezogen werden.

Wireless!

Der Player wird auf der Windows-Maschine am USB-Anschluss erkannt, steht aber nicht zusätzlich als "Massenspeicher" zur Verfügung - Zugriff ist nur durch die Zune-Software möglich.

Dafür geht das nicht nur mit dem USB-Kabel, welches gleichzeitig zum Aufladen des Akku dient, sondern auch via Wireless-LAN, so dieses denn verfügbar ist. Dazu muss allerdings der Player mit den WLAN-Einstellungen gefüttert werden - was nicht am Gerät selber, sondern via Software am PC bei angeschlossenem Zune geschieht.

 

Im ersten Anlauf hatte der angeschlossene Zune-Player die verfügbaren Netzwerke noch erkannt, im zweiten nicht mehr, im dritten ging's dann wieder... Die erweiterten Einstellungen (in der übrigens nur in Englisch und Spanisch verfügbaren Software) sind zur Verbindungsherstellung nicht unbedingt nötig - im dritten Anlauf liess mich der Player das Netzwerk erneut auswählen und wollte nur noch das WPA-Passwort erfahren.

Danach funktionierte der Abgleich via Funknetz, wenn auch relativ langsam: Auf dem Player muss via "Settings", "Wireless", "Sync now" die Verbindung hergestellt werden, was bisweilen 20 Sekunden dauert, manchmal aber auch daran scheitert, dass das Netz - oder aber der PC mit der Zune-Software - nicht gefunden wird.

Danach können im angemeldeten Gerät neue Songs gespeichert werden. Offline-Player werden dabei in der Software nicht angezeigt - eine Kontrolle, was auf dem Player vorhanden ist, lässt sich so praktisch nicht durchführen. In der Musikkollektion zeigt lediglich hinter einzelnen Songs ein Player-Symbol an, dass das Stück auf einem Gerät synchronisiert ist. Auf welchem, lässt sich am Familienrechner, an dem mehrere Geräte gesynct werden, offenbar nicht ablesen. Allerdings konnte ich auch nicht testen, ob die Software die Verwaltung mehrer Geräte unter dem gleichen Windows-Login überhaupt ermöglicht.

So weit, so gut: Die eigene MP3-Musik kann jetzt problemlos auf den Player übertragen werden. Im nächsten Teil nehmen wir den Musikshop von Zune unter die Lupe, im letzten dann den Player selber.

[postlist "and" "Zune" "Test"]

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