04.06.08

Test: Technisat DigiCorder HD S2 Sat-HDTV-Empfang mit Festplatte

Technisat Digicorder HD S2 front W.D.Roth

Womit kann man das bislang noch problematische Format HDTV einfangen? VHS-Kassetten sind sicher nicht das richtige Mittel. neuerdings.com knöpfte sich den Festplattenrekorder DigiCorder HD S2 von Technisat vor.


Ein iPod-Rad? Ein USB-Port. Und viele Steckplätze für Pay-TV-Karten. Der Technisat DigiCorder HD S2 von vorne. (Bild: W.D.Roth)

HDTV ist in aller Munde, auch wenn das Format technisch und politisch ganz schön Kopfzerbrechen bereitet: Die Öffentlich-Rechlichen Sender strahlen in Deutschland bislang nur zu Messen und Feiertagen sporadisch Testsendungen aus, das kommerzielle Free-TV ist schnell ausgestiegen, bevor ihm zuviele Zuschauer drohten, und das Bezahl-Fernsehen benutzt Kopierschutz-Systeme, ob nun HDCP auf der Leitung zum Bildschirm oder Verschlüsselungen und ATA-Passwörter auf der Festplatte.

 

Der Grund: Ohne Kopierschutzschikanen rücken die Hollywood-Filmstudios ihre Filme nicht heraus, schon gar nicht in HDTV. Mit Kopierschutzschikanen besteht dagegen die Chance, daß auch in HDTV bald ein premierezertifizierter, also offiziell für den Empfang von Premiere zugelassener Sat-Empfänger mit Festplatte auf den Markt kommt, und der Sender kann mittlerweile auch Filme gleichzeitig mit der DVD-Veröffentlichung starten. Diese sind dann allerdings nicht HDTV, nicht aufzeichenbar und zusätzlich zu einem Abo zu bezahlen.


Die Rückseite des Technisat DigiCorder HD S2 bietet 2x Scart sowie Standard-Video für SDTV, Audio stereo analog, Audio optsch und elektrisch digital, Komponenten YUV und HDMI für HDTV, 2x Antenne, Ethernet und einen RS232-Serviceport (Bild: W.D.Roth)

Noch gibt es so ein Gerät allerdings nicht, das Premiere HDTV zertifiziert aufzeichnet. Geräte ohne Festplatte sind für HDTV jedoch wenig erbaulich: Das Format läßt sich mit keinem gängigen Videorekorder, ob VHS oder DVD, aufzeichnen - außer als normales, gestutztes PAL-Signal. Und wieder wie früher live vor der Glotze sitzen müssen? Wer soviel Geld für eine HDTV-Anlage ausgibt, will das ganz bestimmt nicht.

Es gibt jedoch schon HDTV-fähige Empfänger mit Festplatte. Premiere können diese jedoch von sich aus nicht empfangen; sie können mit den Premiere-Smartcards nichts anfangen. Die verbotenen Boxen, die auch ohne Premiere-Smartcards empfingen, können wiederum kein HDTV.

Mit einem geeigneten CAM (Conditional Access Module) wie dem Alphacrypt von Mascom kann ein nicht premieretauglicher Satellitenempfänger jedoch in ein premieretaugliches Modell verwandelt werden, ohne dabei Gesetze zu brechen: Ein bezahltes Abo ist weiterhin erforderlich.


Technisat DigiCorder HD S2: Bis zu vier Pay-TV-Smartcards können theoretisch eingesetzt werden, 2x Conax und 2x beliebige Systeme mit einem dazu passenden CAM-Modul. (Bild: W.D.Roth)

Erfreulicherweise funktioniert das auch für die HDTV-Kanäle - zumindest, solange Premiere noch in Nagravision abstrahlt. NDS-Signale können dagegen nicht mit solchen Modulen dekodiert werden. Und es verstößt gegen die AGB von Premiere - um ein Abo abzuschließen, muß man eine Seriennummer eines zugelassenen Geräts nachweisen. Klingt alles recht kompliziert, doch wer beispielsweise einen Fernseher ohne HDMI-Eingang hat, kann nur so Premiere HD gucken.

2012, wenn Premiere die Ausstrahlungen in Nagravision möglicherweise einstellt, gibt es dann sicher auch wieder andere HD-Programme. Momentan kommt man an dem Beuahlprogramm aus Unterföhring jedoch kaum vorbei, wenn man Spielfilme in HD sehen will und es keine B-Pictures sein dürfen wie bei Anixe TV.

Noch ist eine Full-HD-fähige Ausrüstung auch auf einem Preisniveau, daß sich mancher dafür Pay-TV leisten mag, auch wenn ein HD-Kanal, der einen kleinen Fundus von Discovery-Channel-Dokus ausstrahlt und einer, der ebenfalls nur ein paar Filme auch noch mit Sport mischt, sicher nur für Seltengucker zufriedenstellend sind.


Technisat DigiCorder HD S2 von vorn oben geöffnet: Die Festplatte ist erkennbar bereits ein SATA-Typ. (Bild: W.D.Roth)

Der Technisat DigiCorder HD S2 fällt zunächst damit positiv auf, auch normale Fernsehprogramme in Standardauflösung gut wiederzugeben: manch anderer HDTV-Empfänger schlampt hier und liefert bei Normalprogrammen nur unterdurchschnittliche Qualität, damit der HDTV-Empfang stärker hervorsticht. Da aber kaum jemand mit seinem neuen Receiver nur noch die wenigen HD-Sendungen ansehen wird, werden dann zwei separate Empfänger notwendig - nicht wirklich praktisch und auch teuer.

Es gibt das Gerät mit 160-GB- und 500-GB-Festplatte. Da HDTV-Aufzeichnungen von Spielfilmen auch in MPEG4 leicht 10 GB und mehr belegen, ist ersteres trotz deutlich günstigeren Preises keine sinnvolle Option: Nach einem Dutzend Filme wäre die Festplatte bereits voll!

Erfreulicherweise hat der Technisat DigiCorder HD S2 als eines von wenigen Geräten einen Ethernet-Netzwerkanschluß, mit dem man mit einem Cross-Patch-Kabel (ein normales Ethernet-Kabel ist nicht geeignet!) Aufnahmen auf einen PC überspielen kann, um daraus beispielsweise DVDs zu machen.


Technisat DigiCorder HD S2 von hinten offen: Sauberer Aufbau (Bild: W.D.Roth)

Eine geeignete Software, Mediaport genannt, wird mitgeliefert, die den Transport der Dateien auf den PC durchführt. Zum DVD-Erzeugen ist dann noch die Java-Freeware Project X beigelegt. Man kann aber auch andere Software wie DVR-Studio von Haenlein Software verwenden.

Ab Herbst will diese Software auch mit HD-Aufnahmen umgehen können; momentan gibt es noch nichts am Markt, das dies kann. Auf eine DVD würde immerhin eine halbe Stunde HDTV-Material passen, für mehr braucht es Blu-Ray - oder es muß eben regelmäßig die Filmrolle Silberscheibe gewechselt werden.

Leider ist der Netzwerkanschluß mit nur 1-2 MB/s ebenso schneckenlangsam wie der USB-Anschluß anderer Receiver wie dem Homecast S8000 , weil derartige Geräte trotz ihres Preises keine separaten Schnittstellenbausteine enthalten und die CPU den Datentransport mit erledigen muß.

Wie schnell der Port selbst ist, ist dabei egal. Eine HDTV-Aufnahme benötigt so mehr Zeit zum Übertragen, als sie überhaupt lang ist - und während einer Übertragung ist der DigiCorder HD S2 fast aller Funktionen beraubt. Empfängt er beim Dateitransfer, zu dem er eingeschaltet sein muß, Radio statt TV, steigt die Übertragungsgeschwindigkeit immerhin um 20%


Das Transferfenster der mitgelieferten Mediaport-Software zeigt hier Audio, SD-Video und HD-Video sowie separat die .mp2-Dateien (Bild: W.D.Roth)

Schlimmer noch: Solange die Übertragung nicht explizit durch Beenden der Transfersoftware beendet wird, kann der Technisat-Receiver auch nichts mehr aufzeichnen: Ist eine Aufnahme programmiert, wird also zu deren Start nicht etwa die Netzwerkübertragung abgeschaltet, sondern die Programierung wird nicht ausgelöst. Das soll allerdings mit einem Firmware-Update behoben werden.

Ungewöhnlich gelöst ist der Antennenanschluß: Es gibt nur zwei Eingänge für Signale von Satellitenschüsseln, keine Ausgänge. Ist nur eine Schüssel vorhanden, so ist keine Brücke zum Durchschleifen von Ausgang 1 zu Eingang 2 erforderlich, dies erkennt und erledigt das Gerät elektronisch. Allerdings nicht automatisch: Es muß im Menü schon eingegeben werden, ob eine oder zwei Antennen benutzt werden - ansonsten werden in SDTV nur leere Aufzeichnungen angefertigt, wenn am zweiten Antennenanschluß keine Schüssel hängt. Aber immerhin kann die bei anderen Geräten notwendige Kabelbrücke für den Betrieb an einer Schüssel nicht verlorengehen oder vergessen werden.

Der Nachteil der Konstruktion: Es kann kein weiterer Receiver mehr hinter den Technisat DigiCorder HD S2 gehängt werden, weil ja keine Ausgangsbuchsen existieren. Der Technisat-Receiver muß also selbst am Ende einer Receiverkette hängen. Und angesichts der ARD-"Qualitätsoffensive" dabei nicht nur passiv das Signal vom LNC empfangen können, sondern dieses auch aktiv vom Highband (alle deutschen TV-Kanäle außer Arte, Eins Plus & Co sowie Phönix) ins Lowband (Arte, Eins Plus, Phönix) und zurück umschalten können.


Die höchste Geschwindigkeit von etwa 2,5 MB/s erreicht man, wenn man den Technisat DigiCorder HD S2 auf weniger CPU-Leistung beanspruchenden Radioempfang schaltet (Bild: W.D.Roth)

Hinter einem Panasonic DIGA DMR-EX80S erwies sich dies als knifflig: Man muß bei diesem "Schnellstart" deaktivieren, andernfalls läßt er das Umschaltsignal nicht passieren und man kann nur die Einstellung empfangen, die der DIGA DMR-EX80S vor dem letzten Ausschalten innehatte. Doch auch dann schlägt die Umschaltung hin und wieder fehl, und der DigiCorder HD S2 empfängt nur noch Arte, Phönix und Eins Plus. Gleichzeitig kann auf beiden Empfängern natürlich ohnehin nur eine Sorte Programm (Arte & Co. oder der Rest) empfangen werden.

Allerdings ist das Betreiben mehrerer Empfänger an einer Satellitenantenne auf diese Art ohnehin nicht wirklich klar definiert. Ein Homecast S8000 liefert beispielsweise an Ausgängen sogar Schaltspannung - er sollte dort nur Schaltspannungen annehmen -, was die Sat-TV-Karten in Aldi-PCs in Sekundenbruchteilen zerstört - ebenfalls kein korrektes Verhalten. Einträchtige Harmonie mehrerer Satellitenempfänger an einer Antenne ist rar und auch nur möglich, wenn man auf Arte & Co verzichtet.

In einem anderen Punkt ist der Technisat DigiCorder HD S2 ebenfalls ungewöhnlich: Er hat einen Doppeltuner, was bei Normal-Sat-Receivern inzwischen häufg zu finden ist, bei HDTV-Receivern dagegen nicht Und er hat auch wieder keinen Doppeltuner, sondern nur einen Anderthalbfach-Tuner: Der zweite Tuner kann nämlich nur DVB-S, nicht DVB-S2, die neue Norm der HDTV-Ausstrahlungen. Dies ist unabhängig davon, ob ein Programm in MPEG2 oder dem bei HDTV mittlerweile durchweg zu findenen MPEG4 ausgestrahlt wird.

Somit kann der Technisat DigiCorder HD S2 immer nur ein HDTV-Programm empfangen oder aufzeichnen. Will man ein Programm aufzeichnen und ein anderes live sehen, so darf nur eins davon ein HDTV-Programm sein. Das Menü versucht daher auch, das Mehrfachnutzen des Geräts so weit wie möglich einzuschränken: Es sind bei laufender Aufnahme etliche Knöpfchen zu drücken, bis man ein anderes Programm oder eine Aufzeichnung ansehen kann.


SDTV-Aufnahme des Technisat DigiCorder HD S2 in DVR-Studio Pro (Bild: W.D.Roth)

Technisat ist hier allerdings auch auf die Möglichkeiten der verwendeten Chipsätze angewiesen. Momentan benutzen alle Hersteller von HDTV-Festplattenreceivern dieselben Chipsätze, und da hat Technisat aus dem DigiCorder HD S2 ohne Zweifel das Optimum an Bild- und Tonqualität sowie Bedienungskomfort herausgeholt. Zwei gleiche Tuner wären allerdings durchaus sinnvoll gewesen.

Theoretisch können auch zwei Programme gleichzeitig aufgezeichnet werden, wenn nur eins davon DVB-S2 abgestrahlt wird. In der Praxis führte es jedoch meist zu einer leeren Aufzeichnung, wenn eine solche als zweite bei bereits laufender Aufzeichnung gestartet wurde, insbesondere bei verschlüsselten Programmen (Pay-TV oder Technisat Radio).

Audio-Aufnahmen von Radiosendern können zusätzlich zum MPEG-TS-Containerformat der Satellitenausstrahlung auch als .MP2 abgespeichert werden. Diese Dateien lassen sich auch auf vielen MP3-Playern abspielen. In einem Blaupunkt Woodstock DAB 54 liefen sie allerdings erst nach Umkodieren auf .MP3 mit iTunes störungsfrei, da die Dateien vom Satellit auch noch eine andere Abtastrate haben (48 kHz statt 44,1 kHz) als übliche von CD erzeugte MP3s. Doch ein sehr angenehmes Feature, sich für Audio nicht nur mit riesigen Container-Dateien herumschlagen zu müssen.

In diesem Zusammenhang ist auch das bereits erwähnte, größtenteils verschlüsselte Radio-Programmpaket von Technisat von Nutzen, das mit einer Conax-Smartcard bis zu drei Monaten kostenlos freigeschaltet werden kann: Die Hörbücher dort sind sehr gut geeignet, um dann beispielsweise auf der Fahrt ins Büro im Auto angehört zu werden.

Allerdings klappte die Aufzeichnung im neuerdings.com-Test nicht immer: manchmal wurden zur angesetzten Sendezeit die falschen Folgen abgestrahlt, manchmal brach der Receiver die Aufzeichnung nach wenigen Minuten ab.

Völlig geräuschlos arbeitet der Technisat DigiCorder HD S2 leider nicht: neben der Festplatte ist auch noch ein Lüfter eingebaut, der dafür allerdings einer Überhitzung des Geräts vorbeugt. Auch ansonsten überzeugt das Gerät; für HDTV ist der DigiCorder HD S2 momentan die beste Lösung. Leider auch mit knapp 600 Euro für die 160-GB-Version und sogar knapp 750 Euro für die 500-GB-Veriante die teuerste. Doch wenn HDTV, dann wohl so: Das Bild ist bei aller Skepsis über die hohen Preise überzeugend und kann dem Kinoerlebnis gefährlich werden.

Technisat DigiCorder HD S2

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