Hier finden Sie weitere Artikel aus der Themensammlung Technik

26.02.08

Test Sharp LC-52 XL 2E I/II: Full HD, groß, flach und tiefrot

Sharp LCD TV LC-52 XL 2E

HDTV? Flachbild-TV? Was ist da eigentlich Stand der Technik? neuerdings.com hat sich das neueste Modell von Sharp vorgeknöpft, den LC-52 XL 2E.


Kann "Full HD" 1920 x 1080: Der Sharp LC-52 XL 2E (Bild: W.D.Roth)

"Ey! Kannst Du denn nicht Handys und iPhones testen so wie die anderen Jungs??? Räum dieses Monster sofort hier von der Tür weg - ich muß mal!!". Oweia, der neuerdings.com-TV-Test ist noch keine 10 Minuten alt und schon ist deswegen die zweite Frau in Nöten. Die erste fuhr einen großen LKW mit Hänger, hatte ohne Hilfe einen flachen, doch großen Karton im Hof abgeladen und wollte wissen, wie sie aus dem Ort wieder hinausfindet oder wenigstens wenden kann, ohne in einer der zahlreichen Unterführungen festzusitzen. Leider ging mir erst auf, daß ich sie in eine der fünf dazu ungeeigneten Richtungen geschickt hatte, als sie schon abgefahren war.

 

Ja, auch ich bin froh, normalerweise eher kleine als große Geräte zu testen - ein Vergleichstest von 20 Handys ist zumindest räumlich ohne Probleme machbar, einer von 20 Großbild-Fernsehern dagegen nur für Schloßbesitzer realisierbar. Doch der letzte TV-Test war inzwischen fast vier Jahre her und wir wollten sehen, was sich seitdem in der Technik getan hat.


Blick auf den LC-52 XL 2E von der Seite mit Video- und HDMI-Eingängen (Bild: Sharp)

Mitte 2004 war der Sharp LC-37HV4 aktuell - eines der ersten großen Flachbild-LCD-Geräte. 1366 x 768 Pixel, 37 Zoll Diagonale (94 cm), separate Lautsprecher links und rechts und eine "Breakout Box", eine separate TV-Elektronikbox mit (leisem) Lüfter. Und 9000 Euro teuer. Das zahlt mancher nicht mal für ein Auto.

Ein sensationell entspannendes Bild, doch ein Gerät, das bei HDTV-Signalen 1280 x 720 mit 50 Hz - also der Norm, in der die öffentlich-rechtlichen Sender Deutschlands HDTV abstrahlen werden - abstürzte: Es unterstützte nur 60 Hz. Und hatte auch noch kein HDMI, geschweige denn den Kopierschutz HDCP: Damit blieb der Bildschirm öfters mal dunkel. Dem Gerät konnte man dies kaum vorwerfen: Es war vor Verabschiedung der ersten HDMI-Norm konstruiert worden.

Im Gegensatz zu vielen Konkurenzprodukten, bei denen es entweder am Anschluß oder zumindest an einer geeigneten Darstellung fehlte, ließ sich der Sharp LC-37HV4 auch als Computermonitor nutzen: 1024 x 768 Pixel am VGA-Anschluß waren darstellbar. Leider keine 1366 x 768 im Breitformat - das schaffte zwar die PC-Grafikkarte, doch der Fernseher nicht.


Nichts mit erstmal verschnaufen und später auspacken: Der Sharp LC-52 XL 2E steht im Weg (Bild: W.D.Roth)

Der Fortschritt der LCD-Technik war so deutlich, daß deren Schwächen zunächst einmal nicht auffielen: Während amerikanische DVDs mit 60 Hz und 480 Bildzeilen perfekt dargestellt wurden, zeigten europäische PAL-DVDs mit 50 Hz und 576 Zeilen mitunter Kammeffekte, wenn sie nicht Film, sondern Video mit Halbbildern enthielten, wie beispielsweise bei der Konzert-DVD "Nena feat. Nena". Und auch Laufschriften wie in der deutschen Version von "Trinity and Beyond" von CMV Laservision wurden unlesbar.

Inzwischen gibt es LCD-Fernseher mit der vollen HD-Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln, die auch 24-Hz-Signale von Blu-Ray- und (noch) HD-DVD-Spielern annehmen, 50 und 60 Hz sowieso. All die alten Geräte bekommt man dann aber oft nicht mehr angeschlossen, so mancher teure HD-Fernseher hat gerade einen oder zwei HDMI-Anschlüsse und vielleicht noch eine SCART-Buchse.

Der Sharp LC-52 XL 2E mit 52 Zoll (132 cm) Bildschirmdiagonale ist hier vorbildlich: er hat stolze acht Videoeingänge: 2x Scart, 3x HDMI, 1x Komponenten, 1x Video/S-Video, 1x VGA. Damit kann man fast alles irgendwie anschließen, so die Kabel lang genug sind: Die Anschlüsse sind ja nicht mehr wie beim LC-37HV4 in einer separaten Zusatzbox, sondern hinten am Display.


Auf der Unterseite des Geräts finden sich die beiden SCART-Anschlüsse, der Komponenteneingang, der Antennenanschluß und die Audio-Ausgänge (Bild: W.D.Roth)

Einige der Anschlüsse verstecken sich unter einer Abdeckung, die man abnehmen sollte, bevor man den Fernseher ins Regal hievt. Und "natürlich" sind die Anschlüsse garantiert auf der Seite, auf der die anzuschließenden Geräte nicht stehen. Die Folge ist unter Umständen trotz eines schicken Kabelkanals ein gewisser Kabelsalat im Wohnzimmer. Aber was tut man nicht alles für ein gutes Bild. Muß man seine Besucher halt im Dunkeln zum Heimkinoabend einladen.

Das Gerät kostet mit 3800 Euro auch weniger als die Hälfte des einstigen Sharp-Flaggschiffs und enthält noch einen DVB-T-Tuner, über den auch Firmwareupdates empfangen werden können - so man denn überhaupt noch eine terrestrische TV-Antenne besitzt.

Apropos "ins Regal hieven": Zwar kann man das Gerät alleine in die Wohnung schaffen, wobei man aufpassen muß: sobald die Plastikbänder am Karton abgeschnitten sind, darf man diesen nicht mehr zum Transport anheben - der Oberteil ist nun lose und kann abgenommen werden, um den Inhalt zu entnehmen. Benutzerfreundlich, aber unerwartet.


Hoffentlich schon mal an der Ikea-Schrankwand geübt: Der Standfuß muß montiert werden, bevor der LC-52 XL 2E aufgestellt werden kann (Bild: W.D.Roth)

Anschließend ist der Standfuß anzuschrauben. Und nun darf das Gerät zum Aufstellen im Regal nur noch zu zweit angehoben werden - andernfalls kann es teuren Glasbruch geben. Für einen ist es einfach zu groß, auch wenn es sehr dünn und leicht gebaut ist: Weder von Gewicht noch Abmessungen her ist es auch mit 52 Zoll wesentlich schlimmer als das einstige 37-Zoll-Modell. Die 46- und 42-Zoll-Varianten sind übrigens nur wenig leichter (30 bzw. 27 kg statt deren 34), aber preiswerter.

Wobei natürlich zu bedenken ist, daß es sich hierbei immer noch um die technischen Flaggschiffe von Sharp handelt - es gibt dort auch schon einfachere 32-Zoll-Geräte für 750 ? UVP und 37-Zoll-Modelle für 1000 ? UVP mit der 1366 x 768-Pixel Auflösung des LC-37HV4. Das Ziel von 2004, etwas wie den LC-37HV4 in 2008 für 1500 ? anbieten zu können, hat der Hersteller also bereits zum Jahresanfang locker übererfüllt.

Die Hintergrundbeleuchtung des LC-52 XL 2E hat eine zusätzliche karmensinrote Spektrallinie, was zu beeindruckenden Purpurtönen führen kann. Allerdings ist das Gerät an den HDMI-Eingängen ab Werk etwas zu dunkel eingestellt, weshalb diese Farbtöne insbesondere bei Spielfilmen und Konzerten zunächst einmal zu häufig und zu intensiv erscheinen. Es kann - und sollte - jedoch jeder Eingang im "Anwender"-Modus einzeln abgeglichen werden, idealerweise mit etwas wie Spyder TV. Danach bringen auch Pop- und Rockkonzerte das Gerät farbtechnisch nicht mehr in Verlegenheit.


"Da sprach der alte Häuptling der Indianer: Rot ist der Osten, laut ist die Musik!". Beides kein Problem für den LC-52 XL 2E (Bild: W.D.Roth)

Schwarzes Klavierlackdesign ist momentan gerade "in". Das führt auch bei ausgeschaltetem Gerät zu erhöhter Bildqualität, nämlich zu scharfen, kontrastreichen und gut sichtbaren Fingerabdrücken auf Fernseher und vor allem Fernbedienung. Dieser hat Sharp eine Beleuchtung spendiert und ist bei der Batteriebestückung von Mignon- auf Microzellen (AAA statt AA) gewechselt. Diese haben bei gleichen Kosten nur 1/3 an Kapazität, was die Batteriehersteller freut - hier war das schlanke Design der Fernbedienung offensichtlich wichtiger.

Störender ist, daß die häufig benutzten Funktionen "AV-Mode" und "Breitbildmodus" unter einer jener unsäglichen Klappen versteckt sind, während der Knopf "Function", der es ermöglichen soll, auch SAT-Empfänger, DVD-Spieler und Videorekorder mit der TV-Fernbedienung zu steuern, ständig versehentlich betätigt wird und dann zu Verwunderung führt, wenn sich der Fernseher nur noch ein- und ausschalten läßt, aber keinen anderen Befehl mehr annimmt. Nur ein Blick auf das LC-Display schafft hier Klarheit: Wenn dort etwas anderes als "TV" steht, wird dieser nicht auf die Fernbedienung reagieren.

Übrigens wurde der Lautsprecher beim Sharp LC-52 XL 2E nicht vergessen. Statt der dekorativen Dumbo-Ohren des LC-37HV4 hat er nun jedoch eine "Soundleiste" am unteren Bildrand. Damit liefert er weniger Bässe - doch dafür gibt es ja ohnehin Surround-Anlagen - spart jedoch Platz.


Mit weit aufgerissener Klappe: Die Fernbedienung des LC-52 XL 2E (Bild: W.D.Roth)

Ok, Fernsehen...gähn, wer schaut heute denn noch Fernsehen? Aber ein Computerdisplay mit 52 Zoll und 1920 x 1080 Pixeln, das ist doch sensationell! Da kann man ja neuerdings.com, fokussiert.com, medienlese.com, imgriff.com und fraulich.com auf einmal besuchen! Wie schlägt sich der Sharp LC-52 XL 2E denn am PC? Das wird in Teil II des Tests verraten...

Schlagworte zu diesem Artikel

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer