29.01.08

Test Power Analyzer PA-60100 Pro Modellflug-Datenlogger

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Der Modellbau ist eine Welt für sich. Mit dem Power Analyzer Pro von Medusa können Elektroniker, Funkamateure und Bastler jedoch ein eigentlich aus dem Modellflug stammendes Gerät nutzbringend einsetzen.

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Medusa Power Analyzer PA-60100 Pro, zwei Temperatur- und ein Drehzahlsensor angeschlossen (Bild: W.D.Roth)

Eigentlich ist der Power Analyzer PA-60100 Pro von Medusa dazu bestimmt, Modellflugzeuge am Boden (und mit einem Zusatzmodul auch im Flug) durchzuprüfen. Dazu gehören eingehende elektrische und thermische Aufzeichnungen der Testobjekte ebenso wie eine Drehzahlbestimmung. Es kann beispielsweise die Motortemperatur eines Modellfliegers zusammen mit der Akkutemperatur bestimmt werden, und ebenso der Ladezustand des Akkus.

 

So lässt sich überprüfen, ob das Flugzeug eine bestimmte Route durchhält, ohne dass der Sprit beziehungsweise Akkustrom ausgeht oder der Motor überhitzt. Mit Zusatzsensoren ähnlich einer Waage kann auch noch der Schub gemessen oder eine bestimmte Steuerkurve durchfahren werden.

Die zugehörige Software stellt all die Messwerte im Design typischer Flugzeugcockpit-Anzeigeinstrumente oder eines Kurvenschreibers dar, sodass nach dem Testflug der Temperatur- oder Spannungsverlauf abgelesen und auch dauerhaft abgespeichert werden kann.


Beispiele möglicher Displays und Messung zweier Temperaturen samt grafischer Aufzeichnung (Bild: W.D.Roth)

Volkmar Junge von WiMo importiert das Gerät, um es nicht nur Modellflug-Fans nahezubringen - er denkt auch an eine Anwendung als Datenlogger: Ladezustand des Akkus und Temperatur der Endstufe am Amateurfunk-Fieldday, Wetterstation mit Wind- und Temperatursensor, Protokollierung einer Solarstrom- oder -heizanlage oder Kontrolle einer Ölzentralheizung mit Drehzahl des Brenners und Temperatur von Vor- und Nachlauf sind denkbare Einsatzgebiete.

Die auf der Software-CD mitgelieferte englischsprachige Beschreibung geht leider nur auf den Anwendungsfall "Modellflug" ein. Doch lässt sich die Konfiguration der Software grafisch verändern: nicht nur die Art der Anzeigen - Thermometersäule, Tachometer, VU-Meter, digital oder Graph - kann gewählt werden, sondern auch deren Skalierung.

Die Auflösung und die Messbereiche sind natürlich auf die Anwendung Modellflug dimensioniert - als Thermometer für Innenräume ist mit gewissen Ungenauigkeiten zu rechnen und als Außenthermometer im Winter sind die Sensoren ebenfalls nur bedingt geeignet: bei 0°C ist laut Anleitung Schluss, Minusgrade sind offiziell nicht vorgesehen. Interessant ist jedoch die Logfunktion, mit der beispielsweise der Temperaturverlauf im Funkraum über 24 Stunden analysiert werden kann.


Messkurve aus einem Amateurfunk-Vereinsheim (Bild: W.D.Roth)

Im Praxistest erwies es sich allerdings als zwingend notwendig, das Windows-Fenster mit den Anzeigen bei längeren Messungen zu minimieren: Die Software ist bislang nicht auf tagelangen Einsatz ausgelegt und zeigt auf der Windows-Grafikschnittstelle massiven Speicherverbrauch. Die Folge ist ein deutlicher Anstieg der CPU-Belastung und ein immer langsameres Reagieren der Software bis zum Absturz, wenn man das Fenster durchgehend über 24 Stunden oder länger am Bildschirm lässt.

An dieser Stelle erweist es sich dann als nachteilig, dass es sich noch um keine echte Datenlogger-Software handelt: Die ermittelten Messwerte werden nicht umgehend auf die Festplatte geschrieben, sondern nur grafisch dargestellt - abspeichern kann man dann lediglich die auf dem Bildschirm dargestellte Messkurve, dies allerdings mit vielen Optionen bei der Beschriftung. Fällt der Strom vor Abschluss der Messung aus, wird der Notebook-Akku leer oder stürzt die Software ab, so sind die Messwerte leider komplett verloren. Der Anbieter versicherte auf Rückfrage jedoch, daß dies in wenigen Wochen behoben sei und dann ein (kostenloses) Update zur Verfügung stehe, das die Daten auf Wunsch regulär auf die Festplatte schreibt.

Bei den Akku-Messkapazitäten wurde nicht gespart: Bis zu 60 Volt und 100 Ampere sind möglich, wobei 30 Ampere in Gegenrichtung (also zurück in den Akku) gemessen werden können. Ein Shuntwiderstand von nur zwei Milliohm sorgt dabei dafür, dass auch bei hohen Strömen nur wenig Energie im Messgerät verloren geht (2 mV Spannungsabfall pro 10 A). Damit ist auch die Protokollierung von Solaranlagen oder USVs denkbar; nur am Autoakku sollte man das Gerät nicht anklemmen: es würde beim Starten des Anlassers durchbrennen. Klemmen oder Kontakte sind selbst anzulöten, da bei so hohen Strömen fertig konfektionierte Stecker nachteilig wären.


Temperatur- (links) und Drehzahlsensor (rechts) (Bild: W.D.Roth)

Die Temperatursensoren arbeiten von 0 bis 130°C, die Drehzahl darf bis zu 60.000 Umdrehungen pro Minute gehen, wobei die Lichtschranke Propeller mit zwei bis sieben Flügeln erfassen kann. Ein zusätzlicher Eingang verarbeitet Spannungen von 0,1 bis 2,6 Volt mit einer Auflösung von 160 µV. Die Anzeigeauflösung bei den Akku-Messwerten liegt bei 5 mV und 10 mA, wobei aber einzelne Akkuzellen nur in Li-Ion-Systemen messbar sind - 3 Volt werden als unterste vernünftige Akkuspannung betrachtet. Die Temperaturanzeige ist auf 1°C genau.

Die Stromversorgung des Messmoduls kann über den gemessenen Akku, ein Steckernetzteil oder am einfachsten den USB-Anschluss zum Computer erfolgen. Auf dem Computer muss Windows 98 SE, 2000 oder XP laufen, ein USB-1.1-Port, 800 x 600 Pixel Grafikauflösung, 400 MHz CPU-Takt, 128 MB RAM und 50 MB freier Festplattenspeicher sind die Mindestanforderungen an die Hardware.

Mit 120 Euro für das Messmodul, das im Grundzustand bereits Strom und Spannung, Leistung, Arbeit und Speicherkapazität darstellen kann, 37 Euro für eine Drehzahlmesser-Lichtschranke und 20 Euro für einen Temperatursensor ist das System kein Schnäppchen, aber durchaus eine Lösung für spezielle Messaufgaben. Ein einfacheres Modell ohne PC-Anschluss, das nur Spannung und Strom misst und auf dem eingebauten Display anzeigt, ist bereits für 70 Euro lieferbar.

Power Analyzer PA-60100 Pro Medusa (Herstellerseite)

WiMo GmbH (Importeur)

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