02.06.08

Test Pioneer DV-400V: Am DVD-Kopierschutz gescheitert

Pioneer DV400V

Eigentlich ging es darum, das HDMI-Upscaling eines aktuellen DVD-Players zu testen. Doch dann fraß dieser sich nach der halben DVD fest: An der Layer-Grenze ging dank Kopierschutz gar nichts mehr.


Der Testkandidat DVD-Player Pioneer DV400V kann alles außer ostdeutsch (Bild: Pioneer)

Mit dem neuerdings.com-Referenzgerät Sharp LC-52 XL 2E war es interessant, einmal die Upscaling-Funktion des Pioneer DVD-Players DV400V auszuprobieren: Bringt es wirklich etwas, schon vom Player auf 1080p in HDMI umzusetzen, statt ein normales PAL-Komponentensignal (YUV) einzuspeisen und den Fernseher das Bild hochrechnen zu lassen?

 

Dazu wurde eine DVD eingelegt, die als Musik-DVD starke Farben aufwies und somit bei normaler Darstellung leicht zum Übersteuern und Ausflecken der Farbsättigung führte: Ostrock in Klassik. Natürlich tiefrot, manchmal auch blau, und immer laut.


Der Herausforderer: Die Konzert-DVD "Ostrock in Klassik" von Buschfunk

Tatsächlich: Die HDMI-Umsetzung bereits im DVD-Player erleichtert nicht nur die Verdrahtung (ein HDMI-Kabel statt drei Koax-Strippen für den analogen Komponentenanschluß) - auch das Bild verbesserte sich. Und auf DTS astreiner Klang. Also drehte man die Lautsprecher auf und fühlte sich wie live im Konzert.

Bis zur Hälfte der DVD, wo sie auf den anderen Layer umschaltet - bei "Mont Klamott". Da stotterte der Player nicht nur kurz, es hörte gar nicht mehr auf. Ständig nur noch jaulende Versuche, weiterzuspielen, dann mal 4 Sekunden Bild (und 2 Sekunden Ton, weil der bei DTS nicht gleich wiederkommt).


DVD "Ost-Rock in Klassik" auf Sharp LCD-TV (Bild: W.D.Roth)

Nach ein paar Minuten war die DVD vielleicht 15 Sekunden weitergekommen. Das würde der Pioneer-Player nicht mehr lange mitmachen. Also DVD raus und ab damit in ein altes Gerät, das leider kein DTS hat. Da lief sie dann durch. Wenn auch natürlich mit schwächerem Sound und nur mit normalem Komponenten-Bild.

Also wollte ich die DVD mit Nero Recode auf eine 4,7-GB-DVD-R kopieren, um dem Layerwechsel-Problem zu entkommen. Und was ist los? Geht nicht. KOPIERSCHUTZ! Auf dem PC meldet sie sich mit 40 GB Speicherkapazität, das schaffen selbst Blu-Ray-Disks nicht.

Doch von Kopierschutz steht nichts im gedruckten Katalog, nichts online und nichts bei Amazon! Eine entsprechende Rezension von mir lehnte Amazon ab - während bei Audio-CDs Kopierschutzschikanen im Allgemeinen angesagt werden, ist dies bei DVDs anders, da soll es der Kunde erst entdecken, wenn sein DVD-Player jaulend krepiert.

Wir reden wohlgemerkt nicht von der bei Film-DVDs seit jeher möglichen Verschlüsselung, mit der jeder Hardware-DVD-Player umgehen kann, sondern von "Un-DVDs", die nicht mehr der Norm entsprechen und absichtlich den Player irreführende Einträge im Dateisystem haben. Daß der Player hier scheitert, kann man ihm also nicht vorwerfen. Er kann gar nicht anders, eher verhalten sich die Geräte, die solche DVDs trotzdem noch abspielen, inkorrekt.


So geht es auch: "Verstöße werden ganz doll bestraft" -humorige Kopierwarnung auf Monokels "30 Jahre Kraftblues" (Bild: W.D.Roth)

Musik-DVDs waren bislang nicht von Kopierschutz geplagt und deshalb seit einigen Jahren meine Alternative zu Audio-CDs, die zeitweise nur noch mit Kopierschutz-Schikanen lieferbar waren. Dies ist nun leider vorbei: Jetzt haben auch Musik-DVDs Abspielschutz.

Vom Geschäftsführer von Buschfunk, dem Ost-Label, das die Ostrock-in-Klassik-Konzerte organisiert und die DVD produziert und verkauft, bekam ich leider keine Antwort. Dabei hat Buschfunk auch abspielbare Musik-DVDs im Angebot, wie "30 Jahre Kraftblues" von Monokel, auch ein Live-Konzert. Die löscht sich zwar beim Kopieren angeblich selbst, doch erst sehr lange nach dem Erstellen der Kopie. Und auch das Original ist ohne Probleme abspielbar, wenn auch nicht in DTS-Sound. Man kann halt nicht alles haben...

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