12.03.08

Test Nokia N82: Cleverer Reisekumpan

Nokia N82 mit Navi

Natürlich ist das N82 von Nokia ein Handy. Aber seine Stärken spielt es erst als als Reisebegleiter aus. Mit seinem GPS-Modul weiss es immer, wo man ist. Und die 5-Megapixel-Kamera mit Xenon-Blitz macht auch gleich die passenden Reisefotos. Wenn im Zug die Langeweile plagt, dudelt das N82 auch als Alleinunterhalter. Wenn man dann abends im Hotel sitzt, kann man dank Internet-Telefonfähigkeiten sogar gratis nach Hause telefonieren.

 

Stärken hat das N82 auch durch zahlreiche Zusatzsoftware. Aber natürlich auch seine Macken.

Ich gebe es ja zu. Eigentlich habe ich das N82 nur zum Test angefordert, um die "Fussgängerfunktion" in der neuen Betaversion von Nokia Maps auszuprobieren. Die Finnen versprechen dabei nämlich, dass man nicht nur mit einer spritfressenden Kutsche, sondern auch zu Fuss schnell von A nach B gelotst wird.

 

3 Monate gratis Lotsendienst

In der Vergangenheit hinterliess ja die Navigationslösung von Nokia einen geteilten Eindruck. Denn erstens wurden die Kartendaten im Normalfall erst bei Benutzung auf das Handy geladen - was die Rechnung in explosive Bereiche treiben kann - und zweitens musste man eine sprachgeführte Navigation zusätzlich berappen. Hier hat Nokia beim N82 ausgebessert. Nun kann man während den ersten drei Monate den Lotsendienst kostenlos nutzen, danach kostet er zwischen gut 6 Euro pro Woche bis knapp 100 Euro für drei Jahre, wie unten stehender Tabelle von Nokia-Homepage www.nokia.de/A4727365 zu entnehmen ist.


Für den Lotsendienst gibt es variable Zahlmodelle.

Ferner hat Nokia beim N82 die Kartendaten für den Alpenraum bereits auf die mitgelieferte SD-Speicherkarte mit 2 Gigabyte Kapazität gepackt. Im Normalfall entfällt also der Download. Ferner stellt Nokia einen Map-Loader zur Verfügung, mit dem Kartendaten zusätzlicher Länder via Internet auf den PC geladen und später auf das N82 übertragen werden können.

Wirklich begeistern kann Maps aber nur im Modus "Hilfe, wo ist der nächste ?..". Das heisst, Maps findet sehr schnell und zuverlässig von der aktuellen Position aus das nächste japanische Restaurant oder einen Bankomaten. Will man stattdessen von Hintertuftigen nach Oberhasli reisen, sind sowohl Zieleingaben als auch Benutzerführung wenig intuitiv und teils unverständlich. So habe ich es beispielsweise nicht geschafft, eine für das Auto berechnete Route schnell in den Fussgängermodus umschalten zu lassen.


Viel Infos auf kleinem Display: Nokia Maps 2.0

Die Lautstärke der Sprachanweisungen war in meinem Faltdachgefährt am unteren Limit. Schwach ist auch die GPS-Empfindlichkeit, das N82 verliert in Häuserschluchten schnell den Blick "auf seine Satelliten". Wer das N82 übrigens erstmalig als Navi aktiviert, sollte das nicht im Notfall ausprobieren. Es dauert bis zu fünf Minuten, bis sich das N82 erstmalig auf die Satelliten "eingerechnet" hat, wahre Biertrinker auf Beizensuche sind da schon in der Nähe des Dursttodes. Wird das GPS aber später wieder verwendet, dauert der sogenannte "Lock" meist nur noch zwischen 20 und 80 Sekunden.

Die Fussgängerfunktion der neuen Betaversion ist keinesfalls perfekt. Hier und da fand das N82 Treppen und für den Strassenverkehr gesperrte Fusswege und wagte auch, eine Einbahnstrasse in verkehrter Richtung zu nutzen. Oft unterschieden sich aber Fussgängerroute und Autoroute kaum. Dies liegt aber hauptsächlich daran, dass die Kartendaten meist noch ungenügende Informationen über "Fussgängertauglichkeit" bereithalten und oftmals für Autos nicht passierbare Gässchen und Schleichwege gar nicht verzeichnet sind.

Von der Strassenkarte zur Vogelschau

Wer GPS sagt, muss auch Google Maps sagen. Für das N82 gibt es eine speziell für Series 60 adaptierte Version von Google-Maps , die wir ebenfalls erwartungsvoll auf das N82 spielten. Google Karten bieten vor allem neben der von Nokia gewohnten grafischen Strassenansicht auch eine Fotoansicht.


Die Innenstadt von St. Gallen bei Google-Maps.

Diese hilft nicht nur im freien Gelände bei der Orientierung, sondern zeigt auch in der Stadt schnell den Weg zur nächsten Grünzone. Neu ist bei Google Maps, dass man nun jederzeit die Karte auf den aktuellen Standort einzoomen kann. Google Maps macht Spass und kostet. Eine viertelstündige Fusswanderung durch die Innenstadt mit fleissigem Zoomen und Scrollen bei Google-Maps schlürfte ein Megabyte Daten aus dem Internet und kostet so je nach Tarifplan einen zweistelligen Franken oder Euro-Beitrag.

Begeistert hat mich aber, dass man problemlos jederzeit zwischen Nokia-Maps und Google-Maps auf dem N82 switchen kann.


Die Innenstadt von St. Gallen bei Nokia.

Die Applikationen teilen sich also den Zugriff auf das GPS-Modul ohne Mucken. Den Nokia-Entwicklern gebührt an dieser Stelle noch ein weiteres Lob. Während erste GPS-Handys den Akku innert Stunden leersaugten, hat das N82 ein ziemlich cleveres Energie-Management. Wird das GPS nicht verwendet, konsumiert es keinen Strom. Selbst wenn die Applikation im Hintergrund noch geöffnet ist.

Mein Foto weiss, wo ich bin

Das Herumspielen mit dem GPS-Modul machte dann so viel Spass, dass ich auch noch den Location Tagger von der Nokia-Betasite auf das N82 kopierte.


Der Location Tagger arbeitet im Hintergrund.

Das Programm klinkt sich in die Fotofunktion ein und ergänzt jedes gemachte Bild mit geografischen Koordinaten. Diese werden direkt im Exif-Teil der Fotos gespeichert, gehen also auch beim Bildtransfer nicht verloren. Kopiert man ein solches Bild später nach Flickr wird es dort direkt auf der Weltkarte eingetragen. Oder man verwendet die Bildverwaltung Picasa von Google und lässt die Fotos in einer Karte von Google-Earth mit digitalen Nadelköpfchen eintragen.

Die Bedienung auf dem N82 ist so simpel, dass man davon nichts merkt. Geotagger wird gestartet und verschwindet im Hintergrund. Fotografiert man später, dauert es nach der Bilderstellung einige Sekunden, bis im Display die Meldung erscheint, dass das eben gespeicherte Foto noch mit seinen Geodaten ergänzt wurde.


Das grüne Kreuz im Kameradisplay zeigt den Tagger an.

Gratis via Internet telefonieren

Das Nokia N82 enthält ein kluges WLAN-Modul, das sich automatisch bei bereits identifizierten Hotspots einloggt. Mit Zusatzsoftware wie JoikuSpot verwandelt sich sogar das N82 selber in einen Hotspot und wird so zum Surfhelfer für einen iPod-Touch.

Dank WLAN lässt sich aber nicht nur schnell surfen und e-mailen, sondern teils auch kostenlos telefonieren. Das N82 verfügt nämlich ebenfalls über den von meinen Kollegen viel gelobten Programmes für Internet-Telefonie . Statt über das UMTS/GSM-Netz wird dann via WLAN/Internet geplaudert, was oft kostenlos ist und vor allem bei internationalen Verbindungen auch die Roaming-Strafgebühren aufhebt.

Die auf dem N82 installierte Software ist praktisch identisch zum Internet-Telefonie und wurde hier bereits ausführlich besprochen.

Fazit:

Das N82 hat als Reisebegleiter während einiger Tage viel Spass gemacht. Ein Handy mit GPS macht Sinn und die vorhandenen Lösungen funktionieren zuverlässig. Macken gab es wenige. So weigerte sich beispielsweise unser externer Speicherkartenleser stur, das SD-Kärtchen des Nokias zu bespielen und die Synchronisation der Adressdaten aus Microsoft Outlook stolperte regelmässig und schaffte es trotz mehrmaliger Versuche nie, 2000 Kontakte auf das N82 zu übertragen. Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen: Mit dem N82 kann man natürlich auch telefonieren, die Sprachqualität ist ausgezeichnet, die Telefonfunktionen komfortabel. Und zuletzt, aber besonders erfreulich - nutzt man das N82 als Musikant, kann man seinen Lieblingskopfhörer einfach via Klinkenstecker anstöpseln.

N82 von Nokia : Preis rund 450 Euro (948 Franken)

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