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24.11.07

Test Logitech Harmony 1000 II/II: Weg mit IR und hässlichen Kisten

Logitech Harmony 1000 Lifestyle 1

 

Im zweiten Teil unseres Tests der Logitech Harmony 1000 probieren wir aus, wie man aus Infrarot einfach Funkbefehle macht und dann seine Unterhaltungselektronikgeräte endlich irgendwo verstecken kann. Unsere Hoffnung, mit der Harmony 1000 sogar für Licht und Schatten zu sorgen, zerschlugen sich leider. Mit europäischen Funkschaltern wollte sie nicht kooperieren.

 

Test Logitech Harmony 1000: Im Wohnzimmer befehle ich!

Die Zeiten, als man seine gesammelte Elektronik auf gläsernen Racks präsentierte, sind vorbei. Im Öko-Zeitalter würde man die Stromfresser am liebsten verstecken. Das ging bisher nicht, weil sie dadurch auch für die Infrarot-Fernbedienungen unsichtbar wurden. Dank dem Funk-Extender der Harmony wird nun aber Unterhaltungselektronik unsichtbar.

 

Mein leicht gestörtes Verhältnis zu Infrarotfernbedienungen liegt nicht nur an den Versteckfähigkeiten, sondern auch an der Sehschwäche der Befehlsempfänger. Es gibt nichts Peinlicheres, als wenn man vor Kollegen mit der gesammelten Unterhaltungselektronik bluffen will und stattdessen panisch am Sofarand zappelt. Dort versucht man, die Fernbedienung in der schmerzhaft weit von sich gestreckten Hand, ein anscheinend halbblindes Gerät per Lichtbefehl zum Leben zu erwecken. Die kleinen Empfängerfenster bei den Geräten sind ferner immer dort, wo sich neckisch ein Zimmergrünblättchen drapiert hat oder das Booklet der DVD rumliegt. Dermassen blinde Geräte sind dann störrischer als ein Kopierer mit Papierstau.

Neben dem ganzen Ärger möchte ich gewisse Geräte auch endlich aus meinem Blickfeld haben. Mein Satelliten-Receiver hat beispielsweise den Charme einer Vorkriegs-Blechdose und sein Display den Informationsreichtum von vier Ziffern. Verschwinden soll er, wenn schon aus thermischen Gründen nicht in einer Schublade, dann wenigsten hinter einen Sichtschutz. Bisher durfte er das aber nicht, weil?. siehe oben.

Funk statt Infrarot

Die Blechbüchse darf nun dank Logitechs Harmony doch verschwinden. Die liefert zu ihren Modellen 895 und 1000 nämlich sogenannte "RF-Wireless Extender".

 

Diese kleinen Kästchen empfangen Funksignale, die sie in Infrarotbefehle übersetzen und über maximal acht anschliessbare Infrarotsender versenden. Mein Satelliten-Receiver verschwindet also zusammen mit dem Funk-Empfänger im Schrank. Der Logitech-Extender wird per Netzteil mit Strom versorgt und mit vier Infrarotsendern ausgeliefert.

 

Am Ende der rund zwei Meter langen Kabel befinden sich stecknadelgrossen Senderelemente, die nun einfach an das Sichtfenster des Sat-Receivers geklebt werden.

 

Der Rest ist simpel. Die Harmony-Programmierung via Browser und Internet wird gestartet und der Sat-Receiver neu zugeordnet. Dieser soll nun nicht mehr auf die Infrarotbefehle der Harmony, sondern auf die Befehle des Extenders gehorchen. Dazu wird einfach das Gerät dem Extender zugeordnet.

 

Den Rest erledigt die Software automatisch. Sie versorgt den Extender mit der nötigen Infrarot-Codebibliothek und stellt die Harmony auf Funkübermittlung für dieses Gerät um. Das ganze Prozedere braucht sechs Mausklicks, während denen die Harmony und der Extender abwechselnd per USB-Stecker angeschlossen werden müssen. Danach landet der Extender wieder im Schrank. Wird nun via Harmony "Fernsehen" angetippt, schickt diese einen Funkbefehl an den Extender. Der wiederum erzeugt den Infrarotbefehl - und schon schaltet sich der Satelliten-Empfänger ein. Das Ganze ist simpel, zuverlässig und vor allem unsichtbar.

In der Praxis hat sich der Funk-Extender bewährt. Damit kann man nicht nur die Elektronik verstecken, sondern auch Geräte in anderen Räumen steuern. Laut Logitech liegt die Reichweite bei 30 Metern, in unserem Test klappte die Verbindung noch über drei Zimmer hinweg. Und das Beste: Man muss nie mehr zielen oder sich recken und strecken!

Z-Wave: Ja oder nein?

Die guten Funkerfahrungen liessen mich übermütig werden. Die Harmony soll doch gefälligst auch gleich Licht aus- oder einschalten, die nötigen Funkadapter gibt es für wenig Geld im Versandhandel. Es blieb dann aber bei der guten Idee. Beim Versuch, einen Funkschalter via Harmony zu steuern, blieb es dunkel. Ein Anruf bei der Hotline brachte die Information, es würden nur Schaltgeräte unterstützt, welche dem Z-Wave Standard entsprechen. Die Internet-Recherche bei Merten zeigt dann, dass diese Schalter in Europa recht teuer sind. Ferner stiessen wir in einem Forum von Logitech auf eine Meldung, dass Z-Wave bei der Harmony 1000 gar nicht unterstützt wird. Die älteren Modelle 890/895 sind aber weiterhin Z-Wave-tauglich. Bis sich also die Harmony 1000 in eine komplette Haussteueranlage verwandelt, dürfte noch Zeit vergehen. Lichtschalter oder Dimmer, die auf Infrarotbefehle reagieren, sollten sich aber zusammen mit der Harmony 1000 verwenden lassen. Den entsprechenden Test konnte ich aber nicht durchführen.

Fazit:

Wer so viele Stunden mit der Harmony 1000 verbracht hat, muss sie einfach mögen. Diese Erkenntnis ist auch Fazit. Man kann sich entweder immer wieder mit seiner bisherigen Fernbedienungssammlung rumärgern oder einmal tüchtig Zeit in die Harmony investieren. Dadurch erlangt man dann aber endlich wieder die Befehlshoheit in seinem Wohnzimmer. Ist die Harmony erst einmal richtig konfiguriert, will man nicht mehr auf sie verzichten. Und dass uns die Harmony von Infrarot befreit hat, werden wir Logitech ewig verdanken.

Wer über das nötige Budget verfügt, lässt sich die Fernbedienung einfach von seinem Fachhändler fertig konfigurieren. Wer es selbst machen muss, hofft, dass Logitech möglichst bald die Programmieroberfläche verbessert.

Technische Daten:
Masse: 14 x 10,4 x 1,8 Zentimeter

Gewicht: 188 Gramm

Bildschirm: 3,5-Zoll, Auflösung: 320 x 240 Bildpunkte

Kompatibel mit 200'000 Geräten von 5'000 Marken (Herstellerangabe)

Preis: Harmony 1000 Advanced 399 Euro (599 Franken) RF Wireless Extender 99 Euro (159 Franken)

Links:
Homepage Logitech Harmony 1000

Logitech Harmony User Forum

Datenblatt Logitech Harmony 1000

Userforum Logitech Harmony bei HiFi-Forum

Liste mit TV-Senderlogos

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