23.11.07

Test Logitech Harmony 1000 I/II: Im Wohnzimmer befehle ich!

Logitech Harmony1000 im Dock

Logitechs Harmony 1000 erlöst den Unterhaltungselektronik-Fan von unzähligen, nie auffindbaren Fernbedienungen. Die Eine-für-Alles-Kommandozentrale ersetzt dabei sogar unzuverlässige Infrarottechnik mit wändedurchdringendem Funk ersetzen. Wenn Logitech jetzt noch die Programmierung vereinfachen würde, wäre die Harmon(ie)y perfekt.

Logitech Harmony1000 im Dock

Zum zweiten Testteil.

Wenn man Menschen beneidet, die sich den neusten Riesen-TV mit Super-Ultra-HD-Videoplayer und Multikanal.X-Sound leisten können, bleibt wenigstens ein Trost: Die Reichen werden zur Strafe auch mit einer Unzahl von Fernbedienungen gequält. Doch bald bleibt einem nur noch der Neid - die Logitech Harmony 1000 macht andere Fernbedienungen überflüssig.

Da mit der Luxusfernbedienung nicht "Geräte gesteuert" sondern "Genüsse ausgelöst" werden, lässt sie sich auch von Hausmännern wie mir problemlos bedienen.

 

Ich gebe es zu. Ich bin ein langjähriger Harmony-Fan. Bereits das Urmodell im üblichen Gurkenformat hat vor zwei Jahren mein Herz erobert. Als Technik-Fan bin ich natürlich durchaus in der Lage, mit zwei Händen gleichzeitig die Fernbedienung von Beamer, AV-Receiver und Satelliten-Tuner zu handeln. Aber der schlampige Anteil an meiner Persönlichkeitsstruktur lässt Fernbedienung immer irgendwie in Sofafalten oder unter Chipstüten verschwinden. Dank der Logitech Harmony suche ich heute nur noch eine Fernbedienung statt deren drei.

 

Mit der neuen Harmony 1000 wird nun alles noch einfacher. Denn diese lässt sich einerseits über ein berührungsempfindliches Farbbildschirmchen bedienen und ist ferner fast so gross wie ein Taschenbuch. Dadurch kann sie sich kaum mehr hinter der Chipstüte verstecken. Ferner hat die Harmony 1000 eine Dockingstation, welche nicht nur den Akku lädt, sondern auch das Wiederfinden erleichtert.

Die grösste Stärke der Harmony-Fernbedienung ist ihre Philosophie. Während sich die meisten anderen Multi-Fernbedienungen auf ein Geräte-Konzept beschränken, hat Harmony eine Aufgabensicht. Mit der Harmony will man beispielsweise "DVD sehen". Dadurch wird automatisch der Beamer mit dem richtigen Eingang eingeschaltet, der AV-Receiver gestartet und ebenfalls auf den richtigen Eingangskanal geswitcht sowie der DVD-Player gestartet und gleich die Play-Funktion ausgelöst. Bei anderen Fernbedienungen müsste man dazu jedes einzelne Gerät mit unzähligen Tastendrücken kommandieren.

Wer lehrt Logitech Web 2.0?

Eine Warnung vorweg. Wer die Harmony 1000 kauft, erhält zwar ein extrem lernfähiges, aber auch strohdummes Gerät. Ohne Programmierung läuft nichts. Diese Programmierung setzt zwingend einen Windows-PC (ab XP) oder Mac (ab OS X 10.3) und einen einigermassen flinken Internetzugang voraus.

Als Erstes wird die Harmony per Mini-USB-Stecker mit dem PC verbunden und der Gerätetreiber installiert.

 

Programmiert wird die Harmony dann aber mit einem verkappten Webbrowser. Warum man stattdessen nicht einfach ein vernünftiges hübsches Windows-Programm verwendet hat, weiss nur Logitech. Vielleicht hat man einfach Angst, dass jemand die riesige Datenbank mit den Infrarot-Steuercodes klaut.

Wenn Logitech den Besitzer allerdings schon zu einer Browser-Oberfläche verknurrt, sollte diese wenigstens auf dem neusten technischen Stand sein. Wer durch die unzähligen Masken von Harmonys Programmierung klickt, mühsam Pulldown-Auswahlen durchrädelt und nach unzähligen "Weiter" und "Bestätigen" den "Klick-Koller" kriegt, wünscht den Harmony-Programmierern einen Gratis-Kurs in Web 2.0 oder Ajax.

Während die ganze Internetwelt grafisch animiert und interaktiv mit Drag & Drop werkelt, klickt man bei Harmony noch im Daddel-Modus durch Eingabemasken.

Obige Schimpftirade war nötig, weil sie nämlich auch erklärt, warum die Harmony entweder Freunde oder Hasser hat. Erstere erhielten die Fernbedienung vorprogrammiert durch einen cleveren Verkäufer des ganzen Unterhaltungsparks, letzte haben es einfach nicht geschafft, sich durch die Programmieroberfläche durchzukämpfen.

Vom Gerätepark zu Aufgaben

Die Methode für die Harmony-Programmierung ist aber an und für sich simpel. Man definiert erst mal seinen Gerätepark.

 

Hier gebührt Logitech das Lob, dass laut ihren Angaben 20'000 Geräte von 5000 Marken mit ihren Codes bereits vorhanden sind. Sollte ausnahmsweise das eigenen Gerät fehlen, kann man dessen Kommandos auch "anlehren".

 

Hat man alle Mitspieler definiert, erzeugt die Software in Abhängigkeit der Geräte erst mal automatisch ein Grundset von Tätigkeiten. Dazu gehören beispielsweise Fernsehen, Radiohören oder X-Box spielen.

 

In interaktiven Dialogen wird dann gefragt, welche Einstellungen die einzelnen Geräte für diese Tätigkeit benötigen.

 

 

 

Beispielsweise muss mein Beamer für die X-Box auf den Component-Ausgang umgeschaltet werden und der AV-Receiver am Aux-Eingang den Ton entgegennehmen. Das Schwierigste bei diesem Prozedere ist der Überblick über den persönlichen Kabelsalat. Während man im Alltag normalerweise einfach ein bisschen "rumklickt" muss man für die Harmony-Programmierung wirklich wissen, was Sache ist. Wer da also nicht permanent zwischen Heimbüro und Wohnzimmer hin- und herrennen will, programmiert die Harmony am besten mit Notebook im Wohnzimmer.

 

Individuelle Tätigkeiten

Man kann dann beliebig eigene Tätigkeiten hinzufügen. Ich wollte beispielsweise die blitzschnelle Eingabe von ShowView-Nummern für die Video-Programmierung auf einer Taste.

 

Alle Tätigkeiten lassen sich jederzeit feintunen oder mit zusätzlichen Befehlen ergänzen. In der Praxis ist die Lernphase der Harmony zwar zeitaufwendig, aber nicht sonderlich kompliziert. Notfalls hilft auch ein deutschsprachiger und hilfsbereiter Telefonsupport weiter. Diese Helfer können dank der Programmierung via Internet auch gleich Anpassungen selbst erledigen.

Der Lohn der langen Programmiererei ist dann ein ausgiebige Genuss-Session im Unterhaltungselektronikpark. Es sei zugegeben, es klappte nicht alles gleich zu Beginn. Gewisse Aktionen hatten eher unerwartete Folgen, was aber meist auf Eingabefehler während der Programmierung zurückzuführen war.

In der Praxis machten meist Geräte Ärger, die nicht über gesonderte Tasten für das Ein- und Ausschalten verfügen. Wer hier nicht aufpasst oder manuell am Gerät herumfummelt, bringt die Ein- und Ausschaltzyklen aus dem Takt. Wer beispielsweise sein Radio erst von Hand ausschaltet und dann per Harmony auf "Alles ausschalten" klickt, schaltet damit das Radio wieder ein. Dieses Problem kann man aber nicht Logitech anlasten, es liegt in der Tücke der Geräte an sich.

Ansonsten macht faulenzen mit der Harmony 1000 Freude. Der Gerätepark gehorcht der Fingerkuppe, die mühelos auf dem Display rumtippt. Clevererweise hat Logitech Lautstärkeregelung und Kanalwahl auf mechanische Wippen gelegt und mit einem Tastenkreuz und vier Zusatztasten das Touch-Display ergänzt. So sorgt ein Klick auf "Mute" jederzeit für Ruhe, egal was auf dem Display aktuell zu sehen ist.

Gestaltung nur bei Senderlogos

Bei der optischen Gestaltung bietet die Harmony wenig Freiheiten. Immerhin kann man die Lieblings-Fernsehsender mit ihren Logos auf dem Display anzeigen lassen.

 

Allerdings liefert Logitech keine Logos mit, die findet man aber meist bei Lyngsat . Weiterer optischer Spassfaktor ist eine individuelle Diashow auf dem aber eher grob auflösenden Display (320 x 240 Bildpunkte).

Im zweiten Teil testeten wir, wie die Harmony alle Infrarotbedienungen durch Funk ersetzt und versuchen, ob der kleine Alleskönner auch gleich die Wohnzimmernlichter steuern kann.

Folgt Teil 2: Die Befreiung von Infrarot und "Licher aus!"

Harmony 1000

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