22.11.13

Test Livescribe 3 Smartpen: Digitale Tinte für Papier

Livescribe 3 Smartpen

Der Livescribe 3 Smartpen soll zu Papier gebrachtes Handgeschriebenes schnell und einfach digitalisieren und auf ein per Bluetooth angebundenes Smartphone oder Tablet übertragen. Wie zuverlässig dies funktioniert und ob es im Berufsalltag von Nutzen ist, soll der Livescribe 3 Smartpen im neuerdings-Test unter Beweis stellen.

Digitale Kugelschreiber der Marke Livescribe waren hier auf neuerdings.com bereits häufiger ein Thema: Da wurde 2008 der Livescribe Pulse vorgestellt und 2010 getestet, der Livescribe Echo wurde ebenfalls 2010 vorgestellt und letztes Jahr folgte der Livescribe Sky. In guter Tradition folgt nun das neuste Modell der Livescribe-Serie: Der Livescribe 3 Smartpen zeigt im neuerdings-Test was er kann und offenbart sowohl Stärken als auch Schwächen.

Im Einsatz

Den ersten Aha-Effekt erlebt man gleich beim Auspacken: Der Livescribe 3 Smartpen ist wirklich groß. Er ist über 16 cm lang und rund 15 mm dick - für einen Kugelschreiber sind das durchaus respektable Maße. Mein Füller (ein Pilot Capeless) ist zwei Zentimeter kürzer und einige Milimeter dünner und liegt hierdurch bei ähnlichem Gewicht deutlich besser in der Hand. Vor allem die "Kopflastigkeit" des Livescribes sorgt in Verbindung mit dem sehr glatten Kunststoffgehäuse dafür, dass man beim Schreiben mit diesem Stift recht schnell verkrampft und die Hand somit ermüdet - ein Phänomen, welches ich vom Schreiben mit meinem Füller nicht kenne.

Sieht man hiervon ab, kann der Livescribe 3 durchaus überzeugen: Der kontinuierliche Scan-Vorgang des gerade Geschriebenen funktionierte im Test ausnahmslos zuverlässig. Alles, was man mit der Wolframcarbid-Kugelschreibermine auf dem Livescribe Punkte-Papier verewigte, wanderte in den Speicher des Stiftes und von da aus mit einigen Sekunden Verzögerung auf das verbundene iPad.

Die Texterkennung

Auch die Schrifterkennung und die Umwandlung der Handschrift in digitalen Text arbeitet leidlich gut. Wer einigermaßen leserlich schreibt, erreicht sehr hohe Erkennungsraten. Hierbei ist es von Vorteil, wenn man Druckschrift schreibt: Dies senkt die Rate der nicht korrekt erkannten Buchstaben erheblich.

Genau wie Handgeschriebenes wandern auch Scribbles und Zeichnungen zuverlässig in den Speicher des Livescribe - damit auch zum Tablet oder Smartphone - und wer in Beruf oder Studium viel zu Papier bringt, wird diese digitale Ablage seiner Notizen schnell zu schätzen wissen.

Vor allem in Verbindung mit Evernote und der strukturierten Ablage aller Notizen in der dortigen Cloud, ergeben sich viele Vorteile für den eigenen Workflow. Das Wiederauffinden und die Weiterverwendung von einmal Geschriebenem erleichtert dies ungemein.

Das Papier

Leider wurde meine Erwartung, dass man mit der neusten Version des Livescribe-Kullis endlich auch auf normalem Papier schreiben kann, enttäuscht. Da hatte die Produktwebseite mit dem Satz "Der Livescribe 3 Smartpen schreibt auf jedem Papier, aber funktioniert am besten mit Livescribe-Punktpapier ..." einfach die falschen Erwartungen geweckt. Normales Papier zu nutzen geht einfach nicht, der Stift schreibt zwar - wie es sich für einen normalen Kugelschreiber auch gehört - aber er erkennt keine Eingabe zur Weitergabe an das per Bluetooth verbundene Tablet. Man ist also darauf angewiesen, dass man das Livescribe Punkte-Papier benutzt.

 

Das originale Punkte-Papier überzeugt jedoch nicht, vor allem, wenn man bedenkt, dass der Livescribe 3 Smartpen im Grunde doch für eine bestimmte Zielgruppe bestimmt ist: Papierjunkies, die zwar ein iPad benutzen, aber - wie ich selbst - trotzdem immer noch gerne auf Papier schreiben. Genau diese Papierjunkies legen aber auch Wert darauf, dass das verwendete Papier hochwertig ist und das Schriftbild ansprechend ist. Und genau hier hapert es: Der mitgelieferte Block besitzt eine Spiralbindung. Das sieht unschön aus und stört beim Schreiben. Noch dazu ist das Papier sehr dünn und zu hart, als dass es mit der im Smartpen verwendeten Tinte zu einem harmonischen Schriftbild reichen würde. Zudem verändert sich das Papier auch durch das Beschreiben: Es wird pergamentartig knitterig und fasst sich einfach nicht mehr gut an.

Immerhin bietet Livescribe wenigstens PDF-Dateien zum Download an, mit deren Hilfe man das notwendige Punktemuster auf beliebigem Papier aufbringen kann - vorausgesetzt man ist im Besitz eines postscriptfähigen Farblaserdruckers, welcher mindestens 600 dpi aufzulösen vermag.

Feeds und Pencasts

Die mit dem Stift korrespondierende App namens "Livescribe+" ist im iTunes App Store kostenlos verfügbar und unterstützt außer Englisch und Deutsch auch Französisch, Spanisch und Italienisch. Sie zeigte sich im Test gelegentlich etwas störrisch und reagierte mitunter nicht auf Bedienungsversuche, dies mag wohl daran liegen, dass die integrierte Handschrifterkennung sehr rechenintensiv ist und so die gesamten Ressourcen des im Test verwendeten iPad 3 in Anspruch nimmt. Davon abgesehen bietet die App wenige grundlegende Funktionen: Notizbücher lassen sich betrachten, Handgeschriebenes lässt sich mit einem Wisch digitalisieren und aufgezeichnete Pencasts lassen sich abhören. Das alles kann man aus der App heraus auch weiterverwenden und wie das funktioniert zeigt das folgende Video:

Fazit

Wer sich mit den ausladenden Proportionen des Livescribe 3 Smartpens anfreunden kann, bekommt ein durchaus ernstzunehmendes Arbeitsmittel an die Hand. Handgeschriebenes und Scribbles wandern einfach und schnell in den Speicher des Tablets oder Smartphones und können von dort weitergereicht werden. So ist der Versand per E-Mail oder die Ablage in Evernote eine simple Angelegenheit.

Auch die Pencasts sind durchaus hilfreich und machen es einfach, ein Meeting oder eine Vorlesung, zusammen mit dem Geschriebenen, zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal nachzuvollziehen.

Wem dies rund 150 Euro wert ist, der kann den Livescribe 3 Smartpen bei Amazon versandkostenfrei ordern. Dort gibt es auch die Livescribe Notizbücher mit ihrem notwendigen Pünktchenmuster zu kaufen.

Ich hingegen warte weiterhin darauf, dass es vielleicht irgendwann einen digitalen Stift gibt, der ohne Punktepapier funktioniert und so lange landen meine ungepunkteten Notizbücher einfach regelmäßig im Scanner.

Plus Minus
Sehr zuverlässiger Scanvorgang Groß und unhandlich
Schnelle Übertragung zur App Im Griffbereich sehr glatt
Gute Schrifterkennung Papier sehr dünn
Aufnahme-Funktion Verwendete Tinte


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