11.03.08

Test: Hauppauge Nova S2 und WinTV-CI Pay-TV auf dem PC

Wie gut funktioniert es eigentlich, wenn man auf dem PC Bezahlfernsehen legal ansehen möchte? Also zumindest vom Abo her legal - von den AGB her erlaubt ist diese Konstellation bei vielen Pay-TV-Anbietern nicht, weil man so ja auch auf Festplatte aufzeichnen könnte. neuerdings.com testete die bereits früher vorgestellte Kombination einer Hauppauge TV-Karte mit dem Win-TV CI.


Am USB-Port des PCs angestöpselt, können nun auch Pay-TV-Programme auf dem PC geguckt werden. Der Vorteil des USB-Moduls gegenüber einem Common Interface auf der TV-Karte: Man muß nicht hinter den PC kriechen, um CI-Modul und Smartcard einzusetzen. (Bild: Hauppauge)

Fernsehen auf dem PC? Der Traum von ZDF-Intendant Markus Schächter, der in jedem Computer einen Fenseher sieht und dafür Internet-Rundfunkgebühren sehen will? Nein, um TV-Streaming geht es hier nicht, sondern um regulären und auch als solchen gebührenpflichtigen TV-Empfang - in diesem Fall via Satellit mit einer SAT-TV-Karte. Um ganz besonders gebührenpflichtigen TV-Empfang sogar: Pay-TV!

 

Wer sich das leistet, zahlt zweimal: Einmal die reguläre Rundfunkgebühr und einmal an den Pay-TV-Anbieter. Immerhin, es könnte schlimmer kommen: Wer sich Kabelanschluß, T-Home oder Arcor Digital-TV zulegt, zahlt sogar 3x: GEZ, Provider und Pay-TV!


Die Installation ist nicht ganz einfach...

Vom Schwarzsehen wollen wir hier einmal absehen, das ist wie bem Schwarzfahren zwar lange Zeit deutlich preisgünstiger, doch dann ist auf einen Schlag der Preis einer Jahreskarte fällig, wenn diese vorgezeigt werden soll und es kann auch hinter Gittern enden...


Sehr viele einzelne Komponenten sind zu installieren...

Ein großes Manko des Systems stellte sich beim Praxistest heraus: Die Kombination aus HDTV und Pay-TV, so wie ursprünglich angekündigt, funktioniert nicht! Die Hauppauge-Karten, die HDTV können, laufen nicht mit der Software (Win-TV), mit der das USB-CI zusammenspielen kann.


Der EPG kommt noch einmal von einer anderen Software

Somit ist bei Hauppauge nur entweder HDTV oder Pay-TV möglich, aber nicht mit derselben Sat-TV-Karte und schon gar nicht kombiniert. Ein Kanal wie "Premiere HD" kann also mit den momentan lieferbaren Komponenten nicht angesehen werden.


Na auf dem Wendelstein steht doch einer, oder?

Doch auch so erwies sich die Hauppauge Hard- und Software als Herausforderung auch für gestandene Tester. Es geht damit los, daß man auf gar keinen Fall den Weg gehen darf, den Microsoft einem so gerne nahe legt: Plug & Play, also TV-Karte einbauen und dann bei der Frage nach Treibern die CD einschieben. Dann muß man nämlich nicht nur gut ein Dutzend mal booten, es wird auch leicht ein Treiber bei der Installation vergessen.


Die Diseq-Einstellungen sind für Empfangsanlagen für mehrere Satelliten wichtig

Vielmehr ist der eigentlich mit Windows 3.11 abgelegte "alte Weg" zu gehen: Windows-Wunsch nach Treibern ignorieren und abbrechen, CD einlegen und SETUP.EXE starten. Allerdings unbedingt mit zuvor vollständig angeschlossener Hardware, inklusive des USB-CI, da sonst deren Treiber später fehlen. Auch so dauert das Installieren aller Treiber eine Weile. Und dann kommt noch der EPG dazu, der leider bei Sat-TV-Karten nicht kostenlos vom Sender kommt, sondern von Drittanbietern. Damit funktioniert er zwar auch zwei Wochen im Voraus, doch wird er nach 60 Tagen kostenpflichtig und schon vorher hat man sich online eine Seriennummer abzuholen und in der Software einzutragen.


Start der Kanalsuche

Das wäre ansich gar kein solches Problem, wenn diese Seriennummer im normalen Betrieb eingetragen werden könnte. Doch der Hersteller der EPG-Software erwartet die Eingabe der Seriennummer dumemrwese bereits im Bootvorgang des PCs, wenn man noch gar nicht auf normale Weise an seinen Webbrowser herankommt, der Desktop noch leer ist und die Taskleiste noch gar nicht existiert.


Mit Mauseohren: Der Disney-Channel, in Deutschland bei Premiere im Angebot

Wer dann entnervt "Abbrechen" drückt, um erstmal den PC starten zu können, wird erstaunt feststellen, daß er nun seine Chance verpaßt hat, den EPG zu installieren: An einem regulär gebooteten und samt Internetverbindung und Browser betriebsbereiten System hat die EPG-Software von sich aus kein Interesse mehr, das wäre ja zu einfach. Man muß sie dann nochmals manuell von CD starten.


Der Discovery Channel ist auch im deutschen Premiere-Paket

Der Empfang ist auf den EPG ja nicht angewiesen, nur das Programmieren von Aufnahmen ist ohne etwas komplizierter. Die Hardware konnte also installiert und in Betrieb genommen werden - mit Ausnahme der Infrarot-Fernbedienung. Diese scheiterte beim Test-PC leider daran, daß ihre Buchse so nah am Rand des PCI-Slots montiert ist, daß der zugehörige Stecker sich nicht richtig einstecken läßt.

 

Das WinTV-CI muß samt eines geeigneten CI-Moduls wie beispielsweise Alphacrypt und einer gültigen Smartcard des gewünschten Programmanbieters angeschlossen sein. Will man mit dem Fernsehen aufhören und den PC abschalten, muß man das WinTV-CI übrigens vom USB-Port abstecken - sonst läßt sich der PC nicht abschalten und startet immer wieder neu durch.


Manuelles Eintragen des Premiere-Transponders

Sind Hardware und Treiber installiert, so kann der Sendersuchlauf gestartet werden. Nach etwa 350 Stationen, von ARD & ZDF bis zu Weiber TV, Uschi TV, Uschis Schwestern und ähnlichem Schund, stürzt die Software leider ab, bevor sie die Pay-TV-Kanäle erreicht hat. Um dies zu beheben, ist ein auf der Hauppauge-Homepage hinterlegter Patch notwendig. Mit der nächsten Software-Version soll dieses Problem dann nicht mehr auftauchen.

Sind nun glücklich alle Kanäle gescannt, wird man feststellen, daß die sich zwar nach manueller Aktivierung (per Default werden nur freie Sender im Kanalwahlmenü angezeigt) beim Versuch, das Premiere-Paket zu empfangen, Discovery- und Disney-Channel blicken lassen, doch die regulären Premiere-Kanäle fehlen. Dies liegt daran, daß deren Transponder in der Software nicht hinterlegt ist - er muß auf lyngsat.com gesucht und im etwas schwer zu findenden Menü für manuelles Scannen vor dem Scan hinzugefügt werden (11798000 kHz (!), 27500 Msps, horizontale Polarisation).


Nun klappt es auch mit Premiere

Ist all dies durchgestanden, steht dem Pay-TV-Vergnügen eigentlich nichts mehr im Wege. Allerdings ist der Weg dahin doch so unerwartet hindernisreich, daß mancher sich vielleicht doch für Hackerlösungen zu interessieren beginnt - komplizierter können die auch nicht sein. In der nächsten Version der Installationssoftware sollen diese Probleme jedoch behoben sein.

Fazit

Will man am PC Pay-TV schauen und ist dabei nicht auf "einstecken und läuft" angewiesen, so ist die Hauppauge-Lösung momentan die beste Lösung bei einem guten Preis/Leistungsverhältnis. Zur CeBIT hat Hauppauge nämlich ein Bundle aus der DVB-S-Karte WinTV-NOVA-SE3 und dem WinTV-CI für 99 Euro bzw. 159 CHF zusammengestellt. Das WinTV-CI unterstützt derzeit die CA-Module AlphaCrypt, AlphaCrypt Light, Irdeto, Viaccess, Conax, Mediaguard und Cryptoworks, was alle wichtigen Pay-TV-Anbieter abdeckt

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