12.12.07

Test: Freecom MusicPal Internetradio und LAN-Musikant

Freecom MusicPal front

Freecom verkauft sein Internetradio MusicPal zum Kampfpreis von lediglich 129 Euro. Neben einigen Tausend Internetradiostationen kann es sogar die über 20.000 Sender von Shoutcast empfangen und tickert RSS-Infos auf dem Display. Als UPnP-Client spielt es ferner Musik von der PC-Festplatte und anderen Mediaservern ab. Im Test konnte der Preisbrecher überzeugen.

 

"Engineered in Germany, Made in China" steht stolz auf dem Kleber am Freecom MusicPal. Ganz besonders stolz waren wir, dass es nach monatelangem Warten und Vertröstungen durch die Pressestelle doch noch ein Testgerät in der Redaktion geschafft hat. Möglich gemacht hat es der MP3-Spezialversand K55. Sofort nach dem Einstecken dudelte das MusicPal los, ohne LAN und Internetverbindung. Ein Wunder?

 

Keineswegs. Freecom hat dem MusicPal einfach einen Startsound in die Firmware gebrannt. Der tönte bei unserem Gerät zwar verzerrt und knarzig, lässt sich aber glücklicherweise abschalten.

 

Die Bedienelemente des MusicPal sind schnell erklärt. Zwei recht grosse Drehräder mit Klick-Funktion und zwei Tasten sind alles, was das Internetradio dem Bediener zu bieten hat. Ein echter Einschaltknopf fehlt genauso wie eine Fernbedienung. Positiv überrascht waren wir vom Display: 128 x 64 Pixel löst das hellblaue 6,5 x 3,5 Zentimeter grosse Bildschirmchen auf. Das reicht immerhin für 6 Zeilen Text mit rund 25 Zeichen.

 

>p>LAN-Kabel anstöpseln und ein bisschen Kurbeln am Wahlrädchen genügte, um den ersten Sender aus dem integrierten Lautsprecher zu hören. Wie viel HiFi lässt sich aus 600 Gramm Plastik und einen 7-Zentimeter Lautsprecherlein pressen? Es tönt zwar, aber überzeugt nicht - da hilft auch deutsche Ingenieurskunst nicht weiter. Stumpfe Höhen und fehlende Bässe qualifizieren den internen Lautsprecher bestenfalls für Küchen- und Badezimmer-Anwendung.

 

Lautsprecherqualität: Es tönt.

Doch glücklicherweise bietet das MusicPal auch Kopfhörer und Cinch-Anschluss. Bereits am Kopfhörerausgang erhält man passable bis gute Soundqualität. Wer das MusicPal per Cinch an eine gute Stereoanlage klinkt, dürfte über die ohrenfreundliche Qualität, welche bereits Internetstationen mit 128 Kilobit/s Transferrate bieten, überrascht sein. Kleiner Tipp am Rande: Der Cinch-Ausgang muss via Menü aktiviert werden. Dies schaltet dann auch gleich den Lautsprecher aus.

 

An der Bedienoberfläche gibt es wenig zu mäkeln. Mit dem rechten Drehrad scrollt man flink durch die nach Ländern oder Genre sortierten Radiostationen, ein Klick auf das Rad startet meist innerhalb einer Sekunde die Wiedergabe. Das Linke Drehrad ist für die Lautstärkeneinstellung zuständig und pausiert auf Druck die Wiedergabe. Lieblingssender lassen sich einer Favoritenliste zufügen. Wird die Fav-Taste gedrückt, erscheint die entsprechende Liste, in der wieder per Drehrad ausgewählt wird.

4374 Radiostationen bietet das MusicPal zur Auswahl. Verwaltet wird die Senderliste von Vtuner. http://www.vtuner.com/

 

Dort sollten sich theoretisch auch eigene Stationen mittels Web-Adresse hinzufügen lassen. Bei unserem Test hat dies aber nicht funktioniert. Die Stationen liessen sich zwar auf der Internetseite definieren, aber später nie am MusicPal abrufen. Geklappt hat allerdings die Definition von Lieblingssender im Verzeichnis von Vtuner. Man kann beliebig viele Stationen zu mehreren Favoritensammlungen zusammenbüscheln. Diese erscheinen dann auf dem MusicPal in der Stationenauswahl unter "Web-Lesezeichen". Verwirrend ist, dass sie nur dort erscheinen und nicht im normalen Favoritenmenü des MusicPal.

Shoutcast mit 320 Kilobit

Das MusicPal unterstützt die Formate WMA und MP3, die recht seltenen Stationen mit OGG oder RealAudio lassen sich also nicht empfangen. Aussergewöhnlich ist aber, dass das MusicPal auch Internetstationen im Shoutcast-Format http://www.shoutcast.com unterstützt. Dadurch kann man weitere 21.000 Stationen hören.

 

Shoutcast glänzt insbesondere durch hochqualitative Musicstreams. So "sendet" beispielsweise MR3-BARTOK aus Budapest mit 320 Kilobit pro Sekunde (kbit/s). Zum Vergleich: Die Datenrate einer Audio-CD beträgt rund 1400 kbit/s. Shoutcast-Stationen befinden sich beim MusicPal zwar in einer eigenen Verzeichnisstruktur, können aber ebenfalls zu den gewohnten Favoriten hinzugefügt werden.

 

In einer letzten Disziplin musste sich das MusicPal noch als UPnP-Player beweisen. Sowohl von der PC-Festplatte (Media Player 11) als auch ab Netzwerk-Festplatte (Synology DS107+) holte sich das Freecom seine MP3-Dateien problemlos. Wie es sich als UPnP-Client gehört, präsentiert es die Musik sauber sortiert nach Album, Genre, Interpret oder Ordnerstruktur. Wer Abspiellisten definiert, kann seinen Lieblingssound für unterschiedlichste Gelegenheiten individuell zusammenstellen.

Nachrichten auf dem Radio

Nicht neu, aber für diese Preiskategorie ungewöhnlich, ist die Fähigkeit des MusicPal, auch als RSS-Nachrichtenanzeige zu arbeiten. Sobald man länger keine Funktionen abruft, wechselt das Display zur Zeitanzeige und hält auf der untersten Zeile als Laufschrift die News von CNN bereit. Unser Versuch, stattdessen den RSS-Feed von Neuerdings.com tickern zu lassen, scheiterte leider. Die News von Spielgel-Online kriegten wir aber auf das Display. Das Herumspielen mit RSS war auch eine gute Gelegenheit, die Konfigurationsoberfläche im Browser zu testen.

 

Wie die meisten Internetradios hat auch das MusicPal einen internen Webserver. Tippt man die IP-Adresse des Musikanten ein, kann man einfach im Browser sämtliche Systemeinstellungen vornehmen. So lässt sich beispielsweise die Favoritenliste speichern und überarbeiten oder sogar das MusicPal aus der Ferne auf eine andere Station umschalten. Hier fanden wir dann auch die nicht dokumentierte Möglichkeit, eigene Radiostationen aufzunehmen. Man ändert im Favoritenmenü einfach die zugehörige Internetadresse manuell.

 

Über das Web-Interface lassen sich auch am einfachsten Wecker und Einschlaftimer einstellen.

Ärger mit Wireless

"So weit so gut", dachten wir und zogen das Ethernetkabel ab, um das MusicPal via FunkLAN zu betreiben. Dieser Fehler sollte uns dann drei Stunden beschäftigen. Obwohl auf der Packung und im Handbuch deutlich steht, das MusicPal würde die WPA-Verschlüsselung unterstützen, schafften wir es auch mit fleissigem Pröbeln nicht, eine entsprechende Verbindung zustande zu bringen. Kaum hatten wir die Verschlüsselung ausgeschaltet, funktionierte das MusicPal wieder. Da wir aber nicht als Internetprovider für das ganze Quartier wirken wollen, schalteten wir die Verschlüsselung wieder ein, dieses Mal mit der knackbaren Version von WEP. Auch hier kriegten wir keine Verbindung.

Erst als wir merkten, dass das MusicPal unser extrem cleveres Passwort aus fünf Nullen blöderweise als hexadezimalen Wert interpretierte, fanden wir die Lösung. Mit "abcde" als Schlüssel liess sich das MusicPal unter WEP betreiben. Ärgerlich an der ganzen Geschichte war vor allem das totale Versagen des Supports von Freecom. Ein Telefonanruf brachte uns zwar schnell zu einem Berater, der uns aber bat, eine E-Mail zu senden. Diese wurde dann nicht beantwortet. Eine zweite Nachfrage ignorierte der Support ebenfalls.

Fazit: Viel Funktionen zum Mini-Preis

Trotzdem fällt das Fazit für das MusicPal erfreulich aus. Abgesehen von kleinen Unschönheiten wie der unübersichtlichen Favoritenbehandlung lässt sich das Gerät simpel und einfach bedienen. Die Fernbedienung haben wir kaum vermisst. Die Tonqualität ist an Kopfhörer und Cinch recht gut. Das Preis-Leistungsverhältnis ist hervorragend.

Gute Noten erhielt das MusicPal auch von unserem Energiemessgerät EMU. Die Leistungsaufnahme beträgt sowohl bei Betrieb als auch im Stand-by nur 2 Watt.

Preis: 129 Euro ( 179 Franken )

Technische Daten laut Hersteller :

  • 240 MHz Marvel Orion Prozessor, 32 MB DRAM-Speicher,
  • 20 Bit-D/A-Wandler, unterstützte Bit-Tiefe: 8 Bit, 16 Bit Stereo oder Mono
  • Netzwerkschnittstellen: 802.11b/g, RJ45 (Ethernet)
  • WLAN Netzwerksicherheit: WEP, WPA, WPA2
  • Audioschnittstellen: Composite, Line-out (stereo)
  • Stromversorgung: 5 V externer Stromadapter (im Lieferumfang enthalten)
  • Lautsprecher: 3 W Mono Full-Range-Lautsprecher mit linearem Magnetantrieb
  • Abmessungen: 26,5 x 11,5 x 8 cm
  • Gewicht: 600 Gramm
  • Unterstützte Audioformate: MP3 (CBR/VBR bis zu 320 kBit/s), WAV (LPCM)
  • Unterstützte Dienste und Protokolle: UPnP, DLNA 1.5, HTML (Web GUI), DHCP, fixed IP, WLAN, Live RSS/Blog, Feeds auf dem Display, Podcast (MP3/WAV), ID3 (V1.0 / V2.0), M3U, PLS
  • Internetradio Dienste: vTuner, Shoutcast
  • LCD-Display 128 x 64 Pixel
  • Firmware (basiert auf Linux Kernel 2.6), upgradefähig,
  • Systemanforderungen Internetradio Router WLAN 802.11b/g oder LAN 10/100 RJ45 Ethernet-Anschluss
  • Systemforderungen MP3-Streaming: PC: Windows XP oder Vista mit MediaPlayer 11, Mac: Mac OS X 10.3 oder höher, UPnP-Software
  • NAS-Gerät: UPnP-kompatible Hardware (UPnP-Server)

Schlagworte zu diesem Artikel

Jetzt gratis anmelden und wir unterstützen Sie mit Informationen und aktuellen Lernangeboten!