14.10.07

Test EMU 1.28K: Jagd nach Stromschweinchen

EMU1

Warum wird der heimische Elektronikpark leichter, schneller und besser, aber die Stromrechnung permanent höher? Das Verbrauchsmessgeräte EMU 1.28K weiss es. Ausgerüstet mit diesem Stromschweinchenjäger durchforsteten wird unseren Gerätepark und fanden so heraus, dass beispielsweise eine Stunde ballern mit HALO 3 eine halbe Kilowattstunde Strom frisst.

 

 

"Alle wollen zurück zur Natur - aber keiner zu Fuss" sprühten Graffiti-Künstler in den 80ern auf Betonwände. "Alle wollen Strom sparen, aber keiner weiss wo", lautet dagegen das Fazit im Standby-Horror der Atomzeit. So wird sich das Schweizer Parlament demnächst damit befassen, ob die hässlichen Boxen, welche das verschlüsselte Signal der Kabel- und IPTV-Anbieter in brauchbare Fernsehbilder umwandeln, auch weiterhin Megawattstunden Strom im Schlummermodus verheizen dürfen. Die Dinger sollen zwar hackersicher und in der Herstellung möglichst billig sein, verheizen heute aber bis zu 15 Watt Strom, obwohl niemand glotzt.

Die zwangsgekauften Fernsehboxen sind allein in Helvetien mit einem bald auf 3 Millionen Exemplare anwachsenden Bestand aber nur ein Teil des riesigen Stromschweine-Rudels. Von kleinen, aber dennoch sinnlos heizenden Akkuladern bis zu fetten Kaffeemaschinen reicht die Population der Energiefresser. Fies dabei ist, dass sich selbst die grössten Schweine clever vor umweltbewussten Konsumenten verstecken. Denn praktisch keine Gerätekategorie weist zwingend ihren Standby-Verbrauch aus, und selbst technische Datenblätter schweigen sich dazu beharrlich aus.

Nix für Billigmesser

Da Journalisten auch das offenbaren sollen, was nicht direkt aus den PR-Stuben der Hersteller kommt, war also die Anschaffung eines Energiemessgerätes fällig. Das erste Gerät, dessen Name hier freundlich verschweigen werden soll, zeichnete sich durch einen günstigen Preis von rund 30 Euro (50 Franken) aus. Es waren allerdings verschwendete 50 Franken. Das Teil zeigte zwar laut Prospekt auf eine Nachkommastelle genau die verbrauchte Leistung in Watt an, konnte sich aber in der Praxis nicht entscheiden, ob ein Ladegerät nun 2 oder 7 Watt verheizt. Hätte man vor dem Kauf im Internet recherchiert, hätte mir der Testbericht von Topten.ch gezeigt, dass Billigstlösungen bei geringem Verbrauch unbrauchbare Werte liefern.

Eckig aber profimässig

Die EMU Elektronik AG half dann aus der Patsche und stellte ein EMU 1.28k zur Verfügung. Dass es sich dabei um ein Profigerät handelt, zeigt sich auf den ersten Blick. Das Design ist dermassen "trocken", dass es einfach "was für Profis" sein muss. Zwei Tasten genügen, um elf Messwerte zu erfassen und abzulesen. Eindeutig für Hardcoreprofis bestimmt ist das Handbuch: Es umfasst genau eine A4-Seite. Wer arbeitet, hat schliesslich keine Zeit, um Handbücher zu lesen.

In der Praxis macht unser Emu nun aber genau das, was man erwartet. Auf die Schnelle werden einfach beliebige Geräte direkt am Emu angestöpselt, und man sieht die laufende Wirkleistung auf ein Watt genau. Praktisch ist, dass auch gleich der insgesamt verbrauchte Strom in Wattstunden aufgezeichnet wird. So weiss man auch bei variablen Verbrauchern, wie viel Strom diese letztlich pro Stunde verheizen.

Anti-Öko-Akku-Lader

Erster Schweinchenkandidat war unser "Akku-Schweinchen". Der vor einem Jahr gekaufte Akkulader von Voltakraft wurde nämlich mit einem verdächtig grossen und schweren Netzadapter geliefert. Man schont also damit zwar die Umwelt, weil man wiederaufladbare Akkus statt Wegwerfbatterien nutzt, tritt aber gleichzeitig Mutter Natur gegen das Schienbein, weil der Netzadapter sinnlos Strom verheizt. Das EMU schimpfte dann auch laut über zwei Watt Wirkleistung, selbst wenn sich kein Akku im Lader befand. Im Laufe von 24 Stunden summierte sich das dann auf 65 Wattstunden. Pro Jahr bringt es allein dieser Batterielader auf über 20 Kilowattstunden Stromverbrauch, ohne dabei einen einzigen Akku geladen zu haben. Da hilft also nur ausstecken und die Stromrechnung um zweieinhalb Euro (vier Franken) senken.

AKW's für Halo?

Ganz andere Relationen offenbarte dann aber eine Stunde ballern auf der Xbox 360 mit Halo 3 . Mitbeteiligt waren ein VPL6300 Beamer von HP und eine HomeCinema-Anlage AVR 1706 von Denon. Nach einer Stunde erbitterten Kämpfen gab es geschätzte 500 Leichen, einen Daumenkrampf und 440 Wattstunden verpuffte Energie. Man rechne: Microsoft will 5 Millionen Spielkopien verkaufen, jeder spielt fünf Stunden - das gibt bis zum Jahresende wie viele neue Atomkraftwerke?

Vom schlechten Gewissen geplagt schmissen wir deshalb die Playstation 3 an und spendeten unsere Rechenzeit dem Folding@home-Projekt, um damit statt Monster die Alzheimer-Krankheit zu bekämpfen. 204 Watt pro Stunde schlürfte unsere Wissenschaftshilfe aus dem Stromkabel. Aber dafür war die Ruhe war herrlich.

Das EMU 1.28K wird bei Neuerdings.com auch in den nächsten Monaten fleissig messen. Dabei werden wir sicher das eine oder andere Energieschweinchen entdecken, das auch im ausgeschalteten Zustand sinnlos Strom verbraucht.

Denn dank EMU haben wir Folgendes gelernt: Wenn wir den sinnlos heizenden Akkulader für eine Woche ausstecken, können wir danach immerhin eine Stunde mit gutem Gewissen durch Halo ballern. Selbstverständlich trennen wir danach brav die XBOX 360 vom Netz, die nuckelt nämlich ebenfalls zwei Watt Strom - im ausgeschalteten Zustand.

Fazit:
EMU 1.28K, Wirk-, Scheinenergie- und Leistungsmessgerät mit kWh Kosten Angaben

Preis: ca 230 Euro (380 Franken)

Stärke: sehr genaue Verbrauchsmessung, einfache Bedienung

Schwäche: hoher Preis, rudimentäre Bedienungsanleitung

Anmerkung: Auf dem Bild ist das äusserlich identische Modell 1.24K zu sehen. Dieses verfügt über weniger Funktionen als das Modell 1.28K

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