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12.06.08

Test Eee PC mit UMTS und Google Gears: On- und Offline Büro

Der EEE PC mut UMTS-Modem und Google-Software: Mobiles Büro

Ein EeePC mit dem UMTS-Stick von Orange, Google-Docs, Google-Gears und Hosted Exchange haben mich von der businesstauglich des Kleinst-PC überzeugt.


Der Asus Eee PC bewährte sich dank UMTS-Stick im Test als mobiles Büro. (Bild: Orange)

In anderen Redaktionen gibt es einen Apple-Fanclub. Ich gehöre aber zum Neuerdings-Fanclub für den Minirechner EeePC von Asus. Es gibt neben Preis und Gewicht noch andere Gründe, die für einen EeePC sprechen.

Beispielsweise, dass der Kleine für 49 Franken (30 Euro) monatlich schweizweit jederzeit mit dem Internet verbunden werden kann. Dokumente und Daten werden dann einfach im WWW gespeichert. Dank Google-Gears kann man sogar weiterarbeiten, wenn die Internet-Nabelschnur mal abreisst.

 

Ich bin manchmal ein Notebook-Muffel. In voll besetzten Zügen macht man sich mit den Teilen so beliebt wie ein Sumo-Ringer im Fahrstuhl. Ferner sind die Bahntischchen meist bereits mit Bierdosen und Wegwerfzeitungsstapeln der Mitreisenden überfüllt. Meine Vista-Kiste aus dem Tiefschlaf zu locken, dauert ewig; verwende ich den flinkeren Vista-Döse-Modus, ist der Akku bestimmt leer, wenn ich die Klappe aufreisse. Drei Kilo Budget-Schlapptopperei sind mir ferner meist zu mühsam, und diese hübschen Ultra-Mini-Superleichtdinger liegen jenseits meines Spesenhorizontes.

EeePC im Bundle


Der USB-Stick bietet schnelles Internet via HSDPA. (Bild: Orange)

Mit EeePC ist das ja nun alles besser. Der Schweizer Kommunikationsanbieter Orange hat nun auch mich mit dem Neidblickfänger ausgerüstet, inklusive UMTS-Stick für permanente Internetanbindung. Das Kistchen ist leicht und günstig und einfach die perfekte Surfplattform für unterwegs. Der Bildschirm des Modells 701, es sei gleich schon geklagt, ist mit 7 Zoll allerdings winzig und die Auflösung mit 800 x 480 eher mager. Auf das Modell 900 (8,9 Zoll, 1024 x 600) müssen die Schweizer und auch die Orange-Kunden noch ein bisschen warten.

Positive Überraschung hält der EeePC bereits beim Einschalten bereit. Binnen Sekunden ist der Kleine betriebsbereit. Der UMTS-Stick lässt sich nochmals einige zusätzliche Sekunden Zeit, um sich im Handy-Netz einzubuchen und den EeePC mit dem Internet zu verbinden. Technisch handelt es sich dabei um einen iCON 225, der mindestens auf dem Papier dank HSDPA bis zu 7,2 Mbit Tempo bringt. UMTS, EDGE, GPRS versteht der Stick ebenfalls, die Umschaltung auf alternative Technologien erfolgt automatisch.

UMTS-Treiber für Linux

Das Besondere am Orange-EeePC ist, dass die nötigen Treiber für die Linux-Oberfläche des Kleinrechners bereits vorinstalliert sind. Theoretisch kann man zwar auf den EeePC auch Windows basteln, das ist aber so sinnvoll wie ein "Rettet-die-Umwelt-Kleber" an einem Sportwagen. Linux ist der Freund des EeePC-Fan, und dank Firefox, Thunderbird und OpenOffice muss man dabei auch nicht viel missen.

Das HSDPA-Zugang wird auf dem EeePC vollkommen transparent als normale Netzwerkverbindung eingebunden. Die Applikationen sehen also keinen Unterschied zwischen UMTS und WLAN. Dadurch funktionieren auch Spezialprogramme wie Skype und Voip-Telefonie ohne irgendwelche Basteleien sofort problemlos.


Orange hat den Treiber für den HSDPA-Stick sauber integriert.


Der passende Treiber ist leider nicht öffentlich erhältlich, anscheinend hat Orange da eigene Entwicklungsarbeit betrieben. Man gelangt also nur zur beschriebenen Lösung, wenn man das entsprechende Orange-Bundle kauft. Die Hardware besteht aus einem EeePC 701 und dem iCon 222 von Option. Das Paket kostet 649 Franken, wobei man dann noch zusätzlich ein 12-Monate-Abo von Internet Everywhere (Fr. 10.-/Mt.) dazukaufen muss. Bei diesem Abo zahlt man pro Tag Internetnutzung Fr. 3.50. Business-User werden aber eher zu 24 Monaten Internet Everywhere Max greifen (Fr. 49.-/Monat) und kriegen dafür monatlich 2,5 Gigabyte Internettraffic und den EeePC inklusive USB-UMTS-Modem für 399 Franken.

Google textet offline

Natürlich kann man mit dem EeePC unter Linux mit dem vorinstallierten OpenOffice texten und kalkulieren. Edler ist es aber, seine Daten direkt im Internet zu lagern und dann mit Google Docs darauf zuzugreifen. Denn dadurch sind sie immer und überall verfügbar und man muss sich nie um eine Synchronisation zwischen Desktop-Rechner im Büro, Heimrechner zu Hause und Notebook kümmern. Docs bietet alles nötige, was Word und Excel können und die Dateien lassen sich auch später in dieses Format konvertieren und auf dem PC abspeichern.


Das "Internet-Word" von Google-Docs.

Bisher war Google Docs aber "tot", sobald keine Internetverbindung mehr bestand. Neuerdings lässt sich Google-Docs aber auch offline nutzen. Die Technik nennt sich Gears und ist verfügbar, sobald man sich bei Docs mit der englischsprachigen Benutzerführung einloggt.


Google-Gears ist nur in Englisch verfügbar.

In der Praxis habe ich also ein Dokument auf dem EeePC in Google-Docs geöffnet und die Internetverbindung gekillt. Trotzdem lässt sich weiter editieren, die Daten sind lokal auf dem PC gesichert. Beim nächsten Aufruf des "Speichern-Buttons" meldet sich die Webseite mit einer Warnmeldung. Diese macht darauf aufmerksam, dass erst bei der nächsten Internetverbindung die Daten auch im Internet nachgeführt werden. Sobald die Verbindung dann wieder besteht, kümmert sich Google um die Synchronisierung automatisch.


Dank Gears kann man auch offline im Browser texten.

Im Test hat das Ganze problemlos funktioniert. Man darf sogar offline Änderungen vornehmen und den Browser schliessen. Beim nächsten Browserstart sind die offline gemachten Änderungen noch immer vorhanden. Interessanterweise kann man sogar ein Dokument aus seinem Google-Docs Ordner öffnen, obwohl man offline ist. Gears scheint also einen bestimmten Anteil der Dokumente vorsorglich zu cachen.

 


Google-Docs weiss, welche Dokumente offline geändert wurden.

EeePC, mobiles Internet und Google Docs mit Gears machen also den Traum von mobilen Büro schon ziemlich real. Die Daten liegen im Web und stehen überall zur Verfügung. Trotzdem muss man keine Panik kriegen, wenn die Verbindung einmal abbricht.

Outlook unter Linux

"Quatsch!" schreit nun die versammelte Businessgemeinde. "Wir wollen nicht texten, sondern kontakten und termineln!". Auch das geht mit dem Mobil-Büro-ultralight. Linux versteht zwar kein Outlook, aber Outlook muss ja auch gar nicht auf dem Rechner sein. "Hosted Exchange" heisst die moderne Lösung für Büronomaden. Dabei wird Outlook inklusive E-Mails, Adressen, Termine und Aufgaben ins Internet "gespiegelt". Sowohl ein Exchange-Server im Betrieb als auch ein Privat-PC kann sich dann mit den Outlook-Daten im Internet synchronisieren. Unter Windows arbeitet man also mit seinem gewohnten Werkzeug weiter. Auf das Outlook im Internet lässt sich dann aber auch mittels Browser zugreifen, und genau das habe ich mit dem EeePC gemacht. Die Daten auf meinem Hosted-Outlook, das übrigens von Swisscom zur Verfügung gestellt wurde, lassen sich so unterwegs einfach abrufen. Ein Termin, der auf dem EeePC eingetragen wird, landet magischerweise später auch auf meinem Desktop PC. Hätte ich eine Sekretärin, könnte die mir ebenfalls einen Termin einpflanzen, den ich dann im Browser des EeePC sehe.


"Browser-Outlook" auf dem EeePC unter Linux.

Fazit: Es funktioniert

Nach einigen Tagen Nutzung des mobilen Büros war ich positiv überrascht. Vieles funktioniert - und es funktioniert recht zuverlässig. Natürlich bleibt der Bildschirm klein und die Tastatur spitzfingrig. Aber für einige hundert Franken kriegt man heute ein mobiles Büro, das vor wenigen Jahren noch Tausende gekostet hätte. Es bietet ferner einen Komfort, von dem die BlackBerry-Daumendrücker nur träumen können. Linux beweist auf dem EeePC mit seinem schlanken und ressourcenschonenden Konzept Stärke und Stabilität, und der Mobilitelefonieanbieter wandelt sich vom Plauderhelfer zum Lösungsanbieter.

Natürlich gibt es auch Haken. Die Akkuleistung des EeePC reicht nur für rund zwei Stunden Tippen und Surfen. Ob die Datenlagerung bei der Datenkrake Google der Vertraulichkeit dient, ist ebenfalls fragwürdig. Und überschreitet man mit dem UMTS-Modem die Landesgrenzen, fressen unverschämte Tarife der ausländischen Anbieter die Kostenersparnis binnen Stunden auf. Ferner habe ich es geschafft, mittels normalem Software-Update des EeePC den UMTS-Client auf dem Kleinstrechner zu killen. Der Orange-Kundendienst hat mir dann aber fix aus der Patsche geholfen.

Mini-PCs verschiedener Hersteller werden bald die Läden überschwemmen, und die Tarife purzeln. Da bleibt zu hoffen, dass mein nächster Mobilbürotest im Schwimmbad stattfindet.

Ergänzung 12.6.08: Inzwischen ist der HSDPA-Treiber auch im Internet aufgetaucht.

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