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22.05.13

Test DJI Phantom (2/3): Jeder ein RC-Pilot

DJI Phantom

Schon mal ein ferngesteuertes Flugzeug geflogen? Dann wird die Beherrschung des Phantom von DJI ein Kinderspiel. Oder fast: Der Quadcopter verlangt dem Piloten ein paar ungewöhnliche Skills ab.

Der Phantom von DJI. Hier bereits mit der GoPro im Originalgehäuse statt der mitgelieferten Aufhängung.

Das größte Problem, das ungeübte Fernsteuerungs-Piloten haben, ist der Orientierungssinn relativ zum Fluggerät. Wer den Steuerknüppel nach links bewegt, erwartet, dass das Flugzeug nach links schwenkt. Das tut es auch immer – aber nicht unbedingt aus der Sicht des Piloten am Boden: Fliegt man mit dem Segelflugzeug auf sich selbst zu, dann bricht es nämlich aus der Perspektive des Piloten nach rechts aus – meistens genau dahin wo der Baum steht, dem man ausweichen wollte.

Allerdings brauchen die wenigsten technisch begabten Menschen lange, um sich daran zu gewöhnen, beim Steuern immer in der Richtung des Flugzeugs zu denken.

Hier aber fangen die Probleme bei einem Quadcopter wie dem Phantom von DJI an. Die Drohne hat nämlich kein "vorn" und ein "hinten".

Wo ist bei einem Quadcopter "vorn" und wo "hinten"?

Und es ist nicht nur in der Luft, sondern schon am Boden kaum zu erkennen, schließlich ist das Fluggerät absolut symmetrisch. Und obendrein kann und wird der Quadcopter nicht selten fast regungslos in der Luft stehen bleiben, worauf sich der Pilot vor dem Wegfliegen vergegenwärtigen muss, wo denn jetzt gleich wieder vorne war, als er in den Schwebeflug übergegangen ist...

Damit sind wir aber schon bei den höheren Künsten des Phantom-Fliegens. Fangen wir am Anfang an.

Ich habe die eben per Post vom rc-heli-shop gelieferte Flugdrohne sofort zusammengebaut und die beiden Akkus am Ladegerät aufgeladen und bin dann unverzüglich auf den nächsten Sportplatz gedüst. Dort wurde der Kompass kalibriert (siehe Checkliste im letzten Artikel), und schon konnte es losgehen. Oder, vielmehr, es konnte losgehen mit der Deutung der Blinksignale am "Heck" des Phantom: Ich habe im ersten Testteil erwähnt, dass dem Gerät keine Bedienungsanleitung beiliegt. Und auch die Interpretation der Blinkzeichen, die alles verraten, vom Batteriezustand über die Kompasskalibrierung bis zur Zahl der vom GPS georteten Satelliten, muss zuerst im Internet gesucht, heruntergeladen und dann noch verstanden werden: Die Blinkcodes sind lediglich in Englisch und Chinesisch erklärt...

Zum Glück kann ich Englisch, und so habe ich auch verstanden, wie ich den Kompass kalibrieren muss. Dann folgte endlich der Jungfernflug.

Auf geht's zum Jungfernflug

Mein erster Fehler war, zu zaghaft mit dem Phantom umzugehen. Der Quadcopter hat in der Tat eine recht gehörige Leistung: 10 Meter pro Sekunde Vorwärtsflug, das sind 36 Stundenkilometer, und die können ganz schön schnell sein, wenn ein Haus im Weg steht. Außerdem sechs Meter senkrechte Steiggeschwindigkeit. Dieser technischen Daten gewahr, habe ich also die vier Motoren angeworfen und dann gaaaanz langsam den Steuerknüppel für den Hub nach vorne geschoben.

Der Phantom begann zu wackeln, schien sich aus dem Rasen zu lösen – und kippte dann sehr unelegant zur Seite, wirkte ganz kurz als Elektro-Rasenmäher und stellte zum Selbstschutz die Motoren ab. Beim zweiten Mal war ich etwas forscher mit dem Steuerknüppel, wenn auch immer noch zu sanft, und kriegte den Quad mal in die Luft.

Was dann passiert, ist zunächst einfach ein großes Erfolgserlebnis. Dank der GPS-Autosteuerung des Fluggeräts kann man es mit einfachen Bewegungen der Steuerknüppel in der Luft herumdirigieren. Sobald man die Knüppel in der Mittelposition stehen lässt, bleibt auch die Drohne stehen, wobei sie bei vollem Tempo im Vorwärtsflug ein paar Meter zum Abbremsen braucht. Der Phantom bleibt dann aber nicht nur in der Luft stehen – er hält genau die Position, selbst bei Wind: Dank GPS-Empfang weiß die Drohne, wo sie absolut im Raum stehen soll, und korrigiert ihre Position gegen jegliche Drift. Jedenfalls im "GPS-attitude-Modus". Sie kann auch anders, aber für den Anfänger ist dieser Flugmodus ideal. Knüppel loslassen, und das Gerät bleibt stehen.

Schon bei 100 Meter Entfernung kaum noch zu sehen

Auf die gehobeneren Steuermodi komme ich im dritten Teil des Tests zu sprechen, bleiben wir zunächst bei der simplen Fliegerei des Quadcopters. Die hört nämlich auch bei der sicheren GPS-Flugart auf, sobald man den Phantom etwas weiter von der eigenen Position wegfliegen lässt. 300 Meter, die angeblich höchste Reichweite des RC-Senders, ist dabei noch nicht einmal angedacht: Schon in hundert Metern Entfernung sieht man die Drohne kaum noch, geschweige denn, dass man vorne von hinten unterscheiden könnte. Und das, obwohl die Erbauer von DJI wohlweislich mit grellen roten und grünen LEDS an den Rotor-Armen ein visuelles Merkmal für "vorne" und "hinten" in den Quadcopter eingebaut haben.

Anders gesagt: Die Herausforderung bei der Steuerung des Phantom sind nicht die Manöver mit Vorwärts- und Seitwärtsflug, Drehung um die Hochachse und rauf und runter. Die Schwierigkeit besteht darin, zu wissen, in welche Richtung der Quad derzeit gerade fliegt oder noch schlimmer: wohin seine Nase zeigt, denn vielleicht habe ich ihn ja grade seitwärts geflogen, was ein Segel- oder Motorflugzeug in der Regel nicht tut. Die elegantesten Kurven fliegt er natürlich, wenn man Vorwärtsschub gibt und die Drehung um die Hochachse zufügt – aber theoretisch lassen sich alle Kurven auch durch Seitwärtsbewegungen fliegen. Mit dem Unterschied, dass man sehr schnell nicht mehr weiß, wo am Fluggerät hinten, vorne, rechts oder links ist – was im freien Raum kein Problem ist, in der Nähe eines Baums oder anderer Hindernisse aber sehr schnell zu einem wird.

Quadcopter-Flieger brauchen ein gutes Auge – und Übung

Das zweite Problem ist es, die Distanz des Quadcopters von einem selbst und dem nächsten Hindernis einzuschätzen. Ich habe nach den ersten Flügen in Google Maps nachgemessen, dass ich kaum je weiter als hundert Meter von meinem Standort weggeflogen bin und meistens nicht die Hälfte der Distanz zu den Objekten in der Ferne zurückgelegt hatte, an denen ich den Quad gleich zerschellen sah.

Das mag sich mit der Zeit verbessern, und auch die Kontrolle über die Flugrichtung wird wohl mit dem Training besser. Aber eigentlich wollen wir ja möglichst rasch mit der GoPro Hero unter dem Gerät in die Luft und nicht lange Flugmanöver trainieren. Wozu die einfachen Steuerungsmodi genau richtig sind: Notfalls alle Knüppel loslassen und sich Zeit lassen herauszufinden, wie das Gerät in der Luft steht – oder hingehen und nachsehen, und dann wegfliegen.

Aber ein weiteres Hindernis dabei ist die doch sehr kurze Flugzeit. Es ist anzunehmen, dass der Akku mit 11,1 v und 2.200 mAh die ideale Balance von Leistung und Gewicht für die kleine Drohne ist, aber acht Minuten Flugzeit sind doch arg beschränkt. Ich bin jedenfalls froh, den Zweitakku gleich mitbestellt zu haben, und werde mir weitere dazukaufen, um wenigstens mal eine halbe Stunde fliegen zu können.

Denn es macht enorm Spaß. Und nochmehr macht es, wenn die Kamera an der Drohne hängt. Dazu mehr im dritten und letzten Testbericht.

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