07.03.07

Test: Dell Ultrasharp 2407WFP 24-Zoll Monitor

dell (6 of 6)

Ein (leider nur in den USA) spottbilliges Spitzengerät

Gleich vorweg: Wenns um Elektronikgeräte geht, könnt Ihr Europäer einem schon leid tun. Dieser brandneue Nobel-Bildschirm kostet bei Dell in den USA 629 Dollar - und in Europa umgerechnet 1416 US-Dollar: 1082 Euro auf der offiziellen Dell-Webseite. Irgendwie scheint der Texaner seinen Werbe-Spruch "Go Big!" für die Riesenbildschirme in Europa ganz anders zu verstehen als hierzulande...

dell (6 of 6)

Zu europäischen Preisen hätte ich mir die zweieinhalb A4-Seiten Bildschirm wohl nicht geleistet, aber nachdem ich einem Freund hier einen neuen Monitor besorgen musste und im Fachhandel die 20- und 22-Zoll Breitformat-Geräte für weniger als 300 Dollar gesehen hatte, schrumpfte mein geliebter Sony 17-Zöller zu Hause unaufhaltsam vor sich hin.

Dies vor allem auch deshalb, weil ich keinen TV-Apparat besitze und mein Windows Media Center in der Arbeitsecke meiner winzigen San Franziskaner Wohnung zugleich Heimkino und Stereoanlage spielen muss. Vom Sofa aus werden da zumindest Widescreen-DVD auf dem Bildschirm zum "fern-seh" Vergnügen der buchstäblichen Art.

Eine kleine Recherche am Wochenende zeigte, dass der Sprung von 17 auf 22 Zoll und von 1200 auf 1600 Pixel Bildbreite wohl nicht ausreichen würde, und ich nahm die neue Generation der 24-Zoll-Schirme (Auflösung 1920 mal 1200 Bildpunkte) unter die Lupe.

 

 

Für den Dell sprach nicht nur der Preis (ursprünglicher Listenpreis rund 750 Dollar), sondern auch Details wie der eingebaute USB-Hub mit vier stromversorgten Ausgängen und zwei Kartenlese-Slots, vor allem aber die Verstellbarkeit in drei Dimensionen bis hin zum 90-Grad hochkant-Kippen.

Schliesslich lernte ich auch noch, dass die neuen HighDef-Formate nur mit Geräten angezeigt werden können, welche die entsprechende Verschlüsselung verstehen - und der Dell ist mit der entsprechenden sogenannten HDCP-Unterstützung auf ziemlich alles vorbereitet. Schliesslich bietet der kleinste der drei Riesen (der grösste Ultrasharp mit 30 Zoll Bilddiagonale ist für 1400 Euro erhältlich und damit interessanterweise in Deutschland billiger als das mittelgrosse Modell mit 27 Zoll für 1558 Euro...!?) Spielereien wie Bild-in Bild oder die gleichzeitige Darstellung der Signale aller vier Eingänge gleichzeitig (DVI, VGA, S-Video und Composite).

Installation

Nach tagelanger Schnäppchenjagd auf Ebay habe ich das Teil schliesslich bei einem der Grau-Händler für 600 Dollar inklusive Lieferung von der Ost- an die Westküste der USA gekauft. Und heute morgen ist die Kiste eingetroffen.

 

So sah der Arbeitsplatz aus, als der Pöstler zweimal klingelte...

...und so wenig später. (Der Weitwinkel reduziert hier den realen WOW-Effekt massiv)

Also sofort auspacken, den soliden und dennoch eleganten Ständer an den Monitor klicken und alles zusammen auf dem Pressholz-Arbeitstisch an Stelle des guten alten Sony plazieren. In der Packung liegt zu meinem Erstaunen neben einem VGA- auch ein DVI-Kabel - alles andere als selbstverständlich: Wie früher die meisten Drucker ohne das schweineteure Parallel-Kabel, bringen heute die meisten Monitore kein DVI-Kabel mit. Das versuchen einem die Verkäufer im Laden dann jeweils für unverschämte 40 Dollar oder so noch aufzuschwatzen (dabei gibts die Dinger auf Ebay für 5 Dollar).

Erster Eindruck: das Ding ist RIESIG. Der Vergleich mit dem 17 Zöller ohne die Ablenkung eines angezeigten Bildes macht die beinahe doppelte Anzeigefläche erfassbar.

 

Dann: Anschliessen, Treiber laden (meine Grafikkarte liess keine Erhöhung der Auflösung über die 1280*1040 des 17-Zöllers zu) und dann die Pixelzahl auf sagenhafte 1920 mal 1200 hochschrauben.

Erste Enttäuschung: Das Bild scheint verzerrt, die Darstellung ist unscharf und läuft eindeutig nicht auf der native-Auflösung des Bildschirms. Stelle ich im Bildschirm Menu von "Ausfüllen" auf "1:1", dann wird das Bild zwar gestochen scharf Pixel für Pixel dargestellt, aber ich habe links und rechts je fünf Zentimeter schwarzen Rand, das Verschieben der Maus an die Aussenränder bewirkt ein Scrollen - was ist los?

Der Aufruf der "Bildinformation" im Menu des Bildschirms bringt die Wahrheit an den Tag: Er meldet eine Auflösung von 1600 * 1200 Punkten. Meine alte GeForce 5200-Grafikkarte gibts sich zwar redlich Mühe, bringt aber keine bessere Auflösung hin. Dass die Systemsteuerung von Windows mich darüber anlügt, nervt ziemlich.

Eine Stunde später bin ich 170 Dollar ärmer und um eine ASUS-GeForce7600GS-Grafikkarte reicher. Ich wollte zwar unbedingt etwas ohne Kühlpropeller, aber die Kollegen im chinesischen Quartier-PC-Laden rieten dringend ab: Für einen solchen Monitor tue es keine passiv gekühlte Karte mehr. Lärmschutz ist mir aber wichtig, denn mein System ist flüssiggekühlt - ich kann Brummen und Summen während der Arbeit nicht ausstehen. Die Jungs versichern, der Lüfter auf der Karte sei absolut unhörbar.

Das lässt sich von ihrer Alarmvorrichtung nicht behaupten: Nachdem ich die Karte in den Rechner gesteckt und die zweihunderttausend Kabel hinter meinem Pult alle wieder angeschlossen habe, löst das Einschalten des Rechners ein ohrenbetäubend schrilles Pfeifen aus.

Also alles ausstecken, Kiste hervorziehen, aufmachen und untersuchen. Nun zeigt sich, dass die Grafikkarte für den blöden Lüfter eine eigene Stromversorgung des internen Netzteils braucht, die ich nicht eingesteckt habe. Kann ich auch nicht, das einzige freie Steckerteil ist zu weit entfernt, das Kabel zu kurz, in der Verpackung der Grafikkarte findet sich kein Y-Kabel... also nochmals zu meinen PC-Chinesen fahren und ein Kabel holen, alles montieren, Kiste zu, zweihunderttausend Kabel einstöpseln.

Wow. Nachdem alles tut, was es soll, bleibt mir die Luft weg.

Und weils so schön ist, hänge ich den alten Sony zusätzlich ans System und erweitere meinen Desktop damit auf eine Breite von fast 3000 Pixeln. Die neue GeForce kriegt das mehr oder weniger ruckelfrei hin.

 

Eins meiner 10-Megapixel-Fotos beinahe in Echt-Auflösung - jedenfalls in der Breite über zwei Bildschirme...

Ab hier ist die Verwendung des Bildschirms ein einziger Genuss. Tote Pixel kann ich keine ausmachen; die anfänglich etwas störrischen Windows-Fenster, die sich nur auf einem Teil des Desktop plazieren liessen, können nach einem Neustart überall hin verschoben werden.

Eine Blickwinkelabhängigkeit der Darstellung kann ich selbst bei extremsten Kopfverrenkungen nicht ausmachen, die Hintergrundbeleuchtung ist von einer erstaunlichen Gleichmässigkeit. Ich hatte den Schnäppchenpreis (in den USA..) des Monitors verdächtigt, die Folge von derlei Mängeln zu sein.

Der USB-Hub funktioniert auf Anhieb und hat den grossen Vorteil, dass er auch Strom an die Geräte wie meinen Treo weitergibt, wenn der Bildschirm sich in den Standby-Modus ausschaltet. Der Kartenleser wird sofort erkannt und liest die Compact-Flash und SD-Karten so schnell wie das Gerät in meinem Rechner (wobei ich allerdings eigentlich nicht zwei brauche).

Die Bedienelemente des Monitors sind einigermassen logisch gekennzeichnet, allerdings verwirrt die Tatsache, dass der Knopf zum öffnen des Menus zugleich als OK-Taste dient.

Eine kleine Leuchtanzeige am schmalen Rand des Bildschirms zeigt mit Ziffern, an welchen der vier Eingänge ein Signal anliegt; eine spezielle Taste startet auf Knopfdruck die Zuschaltung einer weiteren Quelle als Bild-in Bild oder die Darstellung aller vier Eingänge in reduzierter Auflösung auf die ganze Fläche verteilt.

Der filigran wirkende Ständer erweist sich als ausserordentlich stabil und überträgt keine Tipp-Vibrationen an den Monitor, wie ich das bei andern Geräten gesehen habe, die an einem zentralen Standbein aufgehängt sind. Die Höhenverstellung bietet einen leichten Widerstand; drückt man den Monitor ganz nach unten, dann sitzt der Bildschirmrand beinahe direkt auf der Tischfläche, und die Höhenverstellung rastet mit spürbarem Klicken in einer Fixeinstellung ein. Eine Taste auf der Ständerrückseite gibt ihn wieder frei. Heikel daran: Ein zweiter, runder Druckknopf am Monitor hinter dem Ständer dient dazu, das LCD aus der Ständer-Halterung zu lösen. Eine Verwechslung ist zwar unwahrscheinlich, könnte aber sehr teure Folgen haben.

 

Auch neigen und kippen lässt sich der Bildschirm mit einem angenehmen, leichten Widerstand; um ihn in die Vertikale zu drehen, muss der Ständer allerdings zuerst auf volle Höhe ausgefahren werden, und auch dann sind die Ecken nur an der Tischplatte vorbei zu drehen, wenn der ganze Schirm vorübergehendd nach hinten geneigt wird.

Im Hochkantmodus wirkt das ganze Ding noch viel grösser als im gewohnten Querformat; leider muss für die Umstellung des Bildschirminhalts die Treiber-Software der Grafikkarte bemüht werden. Aber ich kann mir eh kaum vorstellen, wozu jemand mit einem Schirm, der locker drei Textseiten nebeneinander darstellen kann, hochkant arbeiten möchte.

Das Drehen des Monitors um die Hochachse schliesslich bereitet rechtwinklig beschränkten Menschen wie mir Kopfzerbrechen. Zwar erlaubt die kleine Drehplatte im Ständer eine Drehung um neunzig Grad, aber eben nur in zwei 45-Grad Hälften nach links und nach rechts. Da ich in meinem Sofa rund sechzig Grad rechts vom Bildschirm sitze, muss ich mich entweder mit einem asymmetrisch zur Tischkante angeordneten Ständerfuss abfinden (kann ich nicht) oder jeweils vor dem TV-Abend den Bildschirm kurz anheben und mitsamt Ständer drehen.

Aber das nehme ich angesichts des ganz neuen TV- und vor allem Widescreen-DVD-Vergnügens gern auf mich.

A propos TV: Das XP Mediacenter stellt sich zwar erfreulich selbständig auf die neue Auflösung ein und zeigt das TV-Bild in voller Höhe mit zwei schmalen schwarzen Balken rechts und links. Aber aus irgendwelchen unlogischen Gründen hatte ich gehofft, die Software erkenne auch Breitbild-Sendungen (die auf normal-TVs oben und unten einen Balken aufweisen) und würde das Bild dann automatisch in der Breite statt inder Höhe ausdehnen. Das war wohl ein bisschen viel verlangt - für die TV-Software sind natürlich auch schwarze Balken oben und unten Bestandteile des TV-Bilds.

Aber vielleicht habe ich hier noch etwas nicht ganz kapiert. Für Hinweise bin ich dankbar.

Bis jetzt jedenfalls bereue ich keinen Cent der 600-Dollar-Investition (ok, plus die Grafikkarte von 170 - aber damit war das ganze Set noch immer kaum halb so teuer wie der Bildschirm allein in Europa...).

Von mir kriegt Dell für diesen Monitor sechs Sterne.

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