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03.12.07

Bose Wave Music System im Test: High-Tech-Radiowecker - oder Oma-HiFi-Anlage?

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Man kennt sie aus der intensiven Bewerbung: Die Bose Wave Radios. Hat man Pech, so kennt man sie auch von einem Verwandten, der sich ein solches Gerät gekauft hat und nun Hilfe braucht - finanziell oder technisch. Sind sie denn ihr Geld wert?

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Bose Wave Music System mit 3-fach-CD-Wechsler (Bild: W.D.Roth)

Das System der Bose-Consumer-Geräte ist eigentlich immer dasselbe: Tiefe Bässe aus scheinbar zierlichen Geräten. Einerseits die Surround-Systeme, bei denen geradezu winzige Böxchen von einem versteckten Subwoofer hinterm Sofa unterstützt werden. Andererseits die "weltkleinsten HiFi-Anlagen", die im Uhrenradiodesign Baßlautsprecher enthalten.

Das funktioniert über ein patentiertes Falt-System, mit dem sich im einfachen Wave-Radio II und dem Wave-Musik-System 68 cm Lautsprecherbox gefaltet verstecken, im Acoustic Wave Music System II sogar zwei Meter. Infolgedessen kommen beeindruckend tiefe Bässe aus dem Gerät.

Doch leider sind Bose-Geräte oft Effekthascher, obwohl in ihrer Preislage auch echte Leistung möglich wäre. Doch das wäre nicht, was bei der Zielklientel gekauft wird. Die Bässe der Livestyle-Systeme sind zwar beeindruckend, digitale Signalverarbeitung versucht dabei, Resonanzen gering zu halten. Wirklich harmonisch ist der Klang allerdings trotzdem nicht. Den Surround-Systemen fehlt zu früh die Tiefe, der Subwoofer muß bereits bei noch ortbaren Tönen einsteigen, die dann nur in mono erscheinen.

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Blick in das Innere: So sieht ein patentierter gefalteter Bose-Plastiklautsprecher aus (Bild: Bose)

Ähnlich beim Wave Radio: Es hat zwar einen discotauglichen Baß, doch klingt es immer noch nach "Ghetto-Blaster" mit Subwoofer-Röhre oder einem tiefergelegten Manta und nicht nach HiFi. Ähnlich den inzwischen vergessenen Designer-Anlagen der Jahrtausendwende von Grundig. Und natürlich geht der Stereo-Effekt verloren, wenn man nicht direkt davor sitzt, ebenso wie die Höhen-Wiedergabe im Gegensatz zu großen Lautsprecherboxen sehr von der Position vor dem Gerät abhängt.

So interessant das Wave Radio beim ersten Einschalten klingt, so nervig wird sein stark stampfender Baß beim längeren Hören. Alle anderen Töne sind vorhanden, doch klingt die Mischung insgesamt muffig, indirekt, anstrengend und leicht verzerrend. Eine richtige Anlage klingt trotz großer Lautsprecher entspannender und weniger dröhnend.

Eine Klangregelmöglichkeit existiert nicht, abgesehen von der Funktion "Talk Radio": Trifft ein mit sonorer Baßstimme abgemischter Moderator auf das gerade diese Tieftonfrequenzen betonende Bose-Gerät, ist das Ergebnis so unangenehm, daß eine spezielle Tastenkombination auf Wunsch den Dröhn-Baß reduziert. Man erkennt hier auch die Ausrichtung des Geräts auf den US-Markt, bei dem Talk-Radio eine große Rolle insbesondere auf Mittelwelle spielt.

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Wird die Bestellung geliefert (ja, es ist wirklich das Originalpaket und nicht etwas bei Ebay ersteigertes!), fürchtet man angesichts des riesigen, schweren Pakets, nicht das Richtige erhalten zu haben. Ein Ipod 5. Generation zum Größenvergleich. (Bild: W.D.Roth)

Eigentlich wäre anzunehmen, daß das Gerät mit der mitgelieferten Demo-CD besonders gut klingt, weil deren Aufnahmen natürlich speziell auf das Bose Wave Music System abgestimmt sind. In den ersten Sekunden ist das auch der Fall: Das Pferd, das auf dem Bauernhof wiehert, scheint geradezu wildgeworden aus dem Radio springen zu wollen, während es auf einer richtigen Anlage weit weniger bedrohlich klingt.

Wer die Demo-CD dabei wirklich wie angegeben mit einer Lautstärke von 80 bis 85 (von 100) abspielt und noch nicht schwerhörig, doch fortgeschrittenen Alters ist, könnte an dieser Stelle bereits einem Herzschlag erliegen. Schlecht für den Zubehörverkauf.

Auch das Design des Wave-Radios ist im Gegensatz zu den Surround-Anlagen ("Alu-Pralinen-Schachtel") nicht besonders prickelnd: Es sieht aus wie ein Uhren-Radio, ist jedoch deutlich größer und schwerer.

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Auch ausgepackt noch größer als erwartet: Bose Wave Music System mit CD-Wechlser (Bild: W.D.Roth)

Dies stellt man erstaunt bei der Lieferung fest: Das riesige Paket enthielt beim Neuerdings.com-Test zwar auch noch eine Weihnachtspyramide aus dem Erzgebirge als Spezialangebot, doch das Wave-Radio ist schon etwas größer als ein normales Uhrenradio. Und am beeindruckenden Gewicht war die Holzpyramide ohnehin praktisch unbeteiligt.

Es ist übrigens keineswegs despektierlich, das teure Stück als Uhrenradio zu bezeichnen: Eine Uhr (normal digital elektrisch, keine Funkuhr) und eine Weckfunktion sind enthalten. Eine Antenne ragt dagegen nicht aus dem Gerät: Wie bei Uhrenradios üblich, darf das Netzkabel hierfür herhalten. Allerdings schaltet sich diese auch jede Menge Störungen empfangende Behelfsantenne ab, wenn eine externe UKW-Antenne angeschlossen wird - das findet sich bei üblichen Uhrenradios nicht.

Es ist ja auch durchaus naheliegend, dieses Gerät im Schlafzimmer aufzustellen: Es empfängt UKW und Mittelwelle, spielt aber - außer beim ganz einfachen Modell für 500 Euro - auch CDs und MP3-CD-ROMs ab. Und macht auch garantiert wach. Vor allem, wenn man über Nacht die Fernbedienung verlegt hat, wenn der Baß loslegt. Ohne die geht nämlich gar nichts: Am Gerät selbst ist noch nicht mal ein Ausschalter, man kann höchstens den Netzstecker ziehen. Ein unverlegbares Bedienfeld am Gerät gibt es nur gegen Aufpreis.

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Kopfhörer, zusätzlicher Eingang, Antenne, Strom: Mehr "Schnittstellen" hat das Gerät nicht, insbesondere keinen Ausgang. Aber immerhin ist das mehr, als typische Ghettoblaster oder Uhrenradios bieten. (Bild: W.D.Roth)

Und an dieser Stelle verspielt das teure Radio etwas bei seiner typischen Käuferschicht, nämlich älteren Musikhörern. Wenn diese eine gute Musikanlage wollen, sind ihnen richtige Stereoanlagen und vor allem die Verkabelung von Komponenten und Lautsprechern oft zu kompliziert, das Bose-Gerät ist da einfacher. Doch eben ohne Fernbedienung unbedienbar, auch wenn man direkt davorsitzt. Allerdings gibt es als Zubehör neben dem Bedienfeld auch größere und beleuchtete Fernbedienungen.

CD-Wechsler gibt es ebenfalls als Zubehör. Wobei diese die CDs nicht wechseln, sondern schlichtweg weitere Leseeinheiten enthalten. Angesichts der Störanfälligkeit von Wechselmechaniken und den gesunkenen Preisen für CD-Spieler durchaus sinnvoll und platzsparend. Allerdings eigentlich entbehrlich, angesichts der Tatsache, daß das Bose Musiksystem auch mit MP3-CD-ROMs bestens umgehen kann. Die CD-Wechsler bringen zwar weitere externe Eingänge, erhöhen den Preis aber auch von knapp 700 auf stolze 1000 Euro - dafür bekommt man dann schon ganz gute richtige Anlagen...

Um den Wechsler überhaupt zu erkennen, darf das Musiksystem übrigens erstmal per CD-ROM upgedatet werden - auch dies dürfte die Zielgruppe "ältere Musikhörer" etwas überfordern. Jüngere Musikhörer würden dagegen statt des CD-Wechslers eher zum - zudem preiswerteten - Ipod-Anschlußkit greifen, mit dem der Ipod als Soundlieferant dient, geladen wird und von der Fernbedienung mitgesteuert werden kann.

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Lautsprecher mit CD-Schlitz: Das Bose Acoustic Wave Music System II hat jede optische Ähnlichkeit mit Radios oder HiFi-Anlagen hinter sich gelassen... (Bild: Bose)

Allerdings ist fraglich, ob diese sich ein so teures, um nicht zu sagen, überteuertes Gerät denn antun.

Überteuert und nicht wirklich HiFi

Denn daran besteht kein Zweifel: Trotz Direktvertrieb ist das Bose Wave Music System gegenüber vergleichbaren Lösungen ziemlich teuer und nicht wirklich HiFi. Auch wenn manches an dem Gerät nett gelöst ist - so verdunkelt sich die Zeitanzeige bei abgeschaltetem Gerät nach einigen Sekunden im dunklen Schlafzimmer, weshalb sie auch empfindliche Gemüter nicht vom Schlaf abhalten sollte. Und der Mittelwellenempfang ist ausgesprochen gut - in den USA sicher ein Grund für die Beliebtheit des Geräts, in Deutschland dagegen ziemlich irrelevant.

Obwohl das Gerät nun wirklich kein Kofferradio ist - außer man denkt an die ersten Kofferradios von 1930, die noch in Koffergröße gebaut waren - gibt es für je 150 Euro auch Tragetasche und Akku, um es auch an den Strand mitnehmen zu können. Und es gibt eben noch ein größeres Modell, das Acoustic Wave Music System II, das dann eher an einen modernen Hochhausblock als an irgendeine Sorte von Radio erinnert.

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Kaum gekauft und schon ist ein Software-Update notwendig, um den CD-Wechsler benutzen zu können... (Bild: W.D.Roth)

Neuerdings.com wird das Gerät innert der 14 Tagen Rückgabefrist zurückgeben und bei einem normalen HiFi-System bleiben. Diese Möglichkeit hat auch jeder normale Käufer, wobei mitunter sogar 30 Tage Test angeboten werden.

Allerdings ist die Rückgabe "natürlich" wesentlich komplizierter, als Bose es in seiner Werbung behauptet: Das Paket wird nicht wieder abgeholt, sondern man muß es zur Rückgabe schon selbst auf die Post fahren und das Geld wird auch nicht wieder zurück auf die Kreditkarte gebucht, von der es geholt wurde, sondern man erhält einen Verrechnungsscheck, den man dann erstmal zur Bank schaffen darf. Und auch den erhält man erst, wenn das Paket heil bei Bose angekommen, ausgepackt und geprüft ist. Die Hoffnung, das Geld nach einem Test vor dem Monatsersten zurück zu bekommen, geht also nicht auf.

Die Kalkulation von Bose ist, daß irgendwer in der Familie schon so Gefallen findet an dem Gerät, daß es wegen zu heftigen Protestes nicht mehr zurückgeschickt werden kann. Dabei sind gerade Weihnachtsgeschenke doch stark rückgabegefährdet. Ob man allerdings auch ein von jemand anders geschenktes Bose-System zurückgeben kann, hat neuerdings.com nicht ausprobiert...

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