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17.10.08

Test Asus Eee PC 1000H: Netbook plus XP gleich Arbeitstier

160 Gigabyte Festplatteplatz und grösseres Display sind die Highlights des eeePC 1000H

Er ist ein Arbeitsmaschinchen. Den Asus Eee PC 1000H schnöde als Netbook zu bezeichnen ist eine Beleidigung. Dank Uralt-Windows, sonnentauglichem Display und einer Maus von Microsoft bewies sich der "Immer-Dabei-Rechner" als Traktor im Digitalzeitalter.

Der Eee PC 1000H von Asus ist natürlich veraltet, bevor er lieferbar ist. Das liegt aber weniger am Gerät, als an der merkwürdigen Ankündigungspolitik des Herstellers. In Schweizer Webshops wird akribisch aufgelistet, dass über 500 Käufer auf ein 1000H warten. Und zwar nicht auf irgendeinen US-Import, sondern ein Modell, das mit deutschem Windows und schweizerdeutscher Tastatur ausgestattet ist. Derweil schwirren durch das Internet schon Spezifikationen der Modelle Eee PC S101 (Designerstück), N10 (Günstig-Notebook mit HDMI) und Eee PC 701SDX (Billigstvariante). Soll man nun also bestellen und warten, oder lieber erst warten später bestellen und deshalb noch länger warten?

XP als geliebter Traktor

Das auch Neuerdings-Tester keine Vorzugsbehandlung kriegen, zeigt die Tatsache, dass nach längerer Warterei nur ein Eee PC 1000H mit US-Tatstatur und englischen Windows XP bei mir gelandet ist. Als Blindtipper habe ich einfach den deutschen Tastaturtreiber installiert, das englische Windows lässt sich allerdings legal nicht durch ein deutsches ersetzen. Es nervt insbesondere dadurch, dass viele Programme und Internetseiten automatisch englische Versionen für die Installation oder den Download empfehlen.

Ansonsten ist das Wiedersehen mit Windows XP aber schlicht ein Genuss. Selbst nach bald zwei Jahren Vista-Erfahrung macht das alte Windows einfach Spaß, weil man es im Schlaf bedienen kann und es wie ein alter Dieseltraktor zuverlässig mit sämtlichen geliebten Programmen und Treibern ohne weiteres zurecht kommt. Während die Luxusbolide Vista sinnlos Memory, Grafikleistung und Akku säuft, nuckelt XP ganz sparsam am 6600-mAh-Akku und bringt es so im Alltag auf 5 bis 6 Stunden steckdosenfreie Arbeitszeit.

Die Schattenseite der langen Laufzeit ist ein fetter Akku. Dieser ragt unten beim Eee PC hervor, was der Tastatur automatisch eine ergonomische Schräglage verleiht. Ferner steigt das Gewicht auf gut 1,5 Kilo, was für mich persönlich die obere Schleppgrenze ist.

Gegenüber dem ersten Eee PC verfügt der 1000H nun auch über eine Festplatte mit 160 Gigabyte, was ebenfalls die Gewichtszunahme rechtfertigt.

Alltags- und arbeitstauglich

Aufgerüstet hat Asus den Eee PC auch beim Bildschirm. Dieser misst nun 10-Zoll und löst 1024 x 600 Pixel auf. Besonders erfreulich ist, dass er nicht spiegelt und hell genug ist, um auch im Freien genutzt zu werden.

Während der UR-Eee PC in meinem ersten Test hauptsächlich als Internet-Knecht und als Arbeitsnotlösung zu brauchen war, ist der 1000H ein vollwertiges Arbeitsinstrument. In meinem Arbeitsalltag synchronisiert sich der Eee PC automatisch und regelmäßig mittels der Software SecondCopy mit meinem Desktop-Rechner. Hetze ich dann auf den Zug, schnappe ich mir den Kleinen und arbeite unterwegs an meinen gewohnten Dokumenten und Daten weiter. Nach der Heimkehr gleicht eine erneute Synchronisation dann wieder den Eee PC mit dem Desktoprechner ab.

Der Test des Eee PC war auch eine gute Gelegenheit, den Sprung zur neusten Version 3.0 von OpenOffice zu wagen. Microsofts Office ist damit, abgesehen vom leider meist unverzichtbaren Outlook, für viele "Normalarbeiter" Geschichte.

Dass die Grafikleistung des 1000H für die "wirklich wichtigen Programme" ausreicht, zeigte ein Test mit Zattoo. Das Internetfernsehen lässt sich auf dem kleinen Begleiter bei einer CPU-Auslastung von 40 bis 70 Prozent ruckelfrei genießen. Erst wenn man die kostenpflichtige "High-Quality"-Auflösung wählt, kapituliert der Atom-Prozessor.

Ärgerliches Touchpad

Zu bemängeln gibt es am 1000H vor allem zwei Dinge. Erstens sind die 600 Pixel horizontale vertikale Auflösung für die meisten Internetseiten zu wenig, man muss diese also permanent scrollen. Diese Einschränkung ist aber technologiebedingt. Mehr Auflösung auf dem kleinen Display würde schlicht die Schrift auf lupenpflichtige Größe minimieren.

Ein echtes Ärgernis ist aber das Touchpad, welches Asus als Mausersatz in den Eee PC eingebaut hat. Erstens "klickt" man beim Tippen durch Berührung mit dem Daumenballen unbeabsichtigt auf das Pad. Dadurch wird in der Textverarbeitung beispielsweise Text markiert und ersetzt. Zwar kann man das in der Konfiguration "Tapping when keying" deaktivieren, was aber nur eine Teillösung ist. Ferner sind die beiden Tasten am Touchpad auch in der Version des 1000H noch immer irgendwie billig und unergonomisch. Letztlich fehlt ein Mausradersatz. Stattdessen soll man mit zwei Fingern auf dem Pad rumrutschen, was in der Praxis einfach mühsam ist.

Rettung von Microsoft

Vom Asus Touchpad hat mich glücklicherweise Microsoft erlöst. Ihre Microsoft Mobile Memory Mouse 8000 ist zwar bejahrt. Aber gerade deshalb ist sie ein bewährter Alleskönner. Sie lässt sich per Kabel, mitgeliefertem Funkadapter oder Bluetooth mit einem Rechner verbinden. Im Falle des Asus Eee PC koppelt sie sich einfach über das im 1000H integrierte Bluetooth an den Minirechner. Und siehe da, plötzlich hat man eine vernünftige Maussteuerung und scrollt mit dem Drehrad flink durch Internetseiten. Der Akku in der Maus reicht für eine mittlere Ewigkeit, lässt sich durch eine herkömmliche AAA-Batterie ersetzen und über den beigepackte USB-Stöpsel aufladen. Dass der Stöpsel auch gleich noch ein Memory-Stick ist, macht ihn zur Datentransfer-Lösung für Notfälle. Das TouchPad ist bei mir nun deaktiviert. Es lässt sich übrigens auch ohne Maus und via Tastaturnavigation durch die Systemsteuerung wieder aktivieren.

Doppelt gereift

Der Praxistest mit dem Eee PC 1000H war erhellend - nicht nur wegen des hellen Displays. Es zeigt einerseits, dass Asus wirklich die meisten Mängel der ersten Eee PC für einen verschmerzbaren Mehrpreis ausgebügelt hat. Ferner erweist sich das "gute alte Windows-XP" auf diesem Kleinrechner als zuverlässiges und ebenfalls inzwischen ausgereifte Arbeitsoberfläche. Integriertes WLAN und Bluetooth machen die ganze Lösung kommunikativ, auch UMTS-Dongels lassen sich problemlos anschliessen. Noch nie hat man so viel Produktivität für so wenig Geld und Schlepperei erhalten.

Technische Daten Asus Eee PC 1000H (Schweizer-Version):

  • Prozessor: Intel Atom Diamondville N270 (1.6GHz), FSB 533, 512KB L2 Cache

  • Display: 10.2" TFT, matt

  • Auflösung: WSVGA (1024 x 600)

  • Arbeitsspeicher: 1 Gigabyte DDR II (bis zu 2GB erweiterbar)

  • Harddisk: 160GB S-ATA, 5400rpm

  • Grafik-Adapter: Intel GMA 950

  • Netzwerk: Wireless LAN 802.11b/g/n, 10/100 Mbit/s Ethernet LAN, Bluetooth

  • Sound: on board

  • Anschlüsse: 3x USB2.0, 1x VGA Out, 1x Line In (Mikrofon in), 1x Line Out (Kopfhörer), RJ-45

  • Kartenleser: MMC, SD, SDHC

  • Besonderheiten: Web-/Videokamera (1.3 Megapixel)

  • Betriebssystem: Windows XP Home

  • Akku: 6 Zellen Li-Ion Akku, 6600mAh, bis zu 7 Stunden Laufzeit

  • Masse: 26.6 x 19.1 x 2.9 - 3.8cm

  • Gewicht: 1,440 Kilo

Strassenpreis: 420 Euro (660 Franken)

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