23.02.08

Test Archos TV+ Teil II/II: Internetvideos und Videorekorder

ARCHOS TV + top

Der Archos TV+ ist eine clevere Festplattenbox mit Internetanschluss, die sich am Fernseher als Unterhaltungskünstler zeigt. Im ersten Teil des Tests beklagten wir vor allem die fehlende Unterstützung für echte HD-Auflösung. Im zweiten Teil befassen wir uns mit den Internetfunktionen, der Videorekorderfunktion und fällen ein kritisches Fazit.


Der TV+ von Archos ist ein Mediaplayer für den Fernseher. (Bild: Archos)

Mit dem Archos TV+ kann man seine Fernsehunterhaltung gratis aus dem Internet beziehen. Ferner soll man in naher Zukunft sogar Videos per Internet ausleihen können.

 

Im Archos Content Portal herrscht noch viel Leere. So ist der Video-Mietdienst trotzt aller Ankündigungen für die Schweiz noch immer ohne Inhalte. Aber auch Apple tut sich ja schwer damit, seine Mietvideos nach Europa zu bringen.

Als Trost bietet das Portal Zugriff auf den YouTube-Konkurrenten Dailymotion und den Nachrichtendienst "EuroNews". Das Angebot ist aber eher dürftig.


Im Internetportal von Archos kann man in der Schweiz noch keine Videos mieten.

Browser kostet 30 Euro

Wer zahlt, kann mit TV+ aber auch YouTube nutzen. Vorher muss man aber Archos knapp 30 Euro für das Browser-Plugin hinblättern. Erst dadurch wird der integrierte Opera-Browser freigeschaltet. Wer hier die Geldbörse zückt, kann gleich auch noch je 20 Euro für das Kino-Plugin (AC3, DVD) und Video Podcast Plugin (H.264, AAC) lockermachen.

Dass der TV+ erst nach Bezahlung von zusätzlichen 70 Euros seine wahren Fähigkeiten zeigt, ist ärgerlich. Einerseits fühlt sich der Käufer über den Tisch gezogen und muss sich ferner auch noch mit Kreditkarteninternetgeschäfterei rumschlagen. Leider verfolgt Archos diese Salamitaktik bei praktisch allen Modellen.


Der Browser bietet nur eine mässige Schriftauflösung.

Die Surftouren mit dem TV+ machen beschränkt Spass. Übliche Flash-Videos (bis Version 7) werden meist automatisch im Fullscreen-Modus dargestellt. Wer allerdings HD-Inhalte direkt aus dem Internet abspielen will, bringt den Archos oft ins Stolpern. So weigerte er sich die hochaufgelösten Quicktime- oder Windows-Movies der NASA abzuspielen und auch ein Besuch bei der BBC bescherte statt toller Videos nur Fehlermeldungen. Dies liegt daran, dass die Inhalte meist das Vorhandensein eines QuickTime-Players oder eines Media Player 11 voraussetzen. Mit beidem kann der Linux-Filmabspieler von Archos nicht dienen.

Auch als Informationsplatttform vermag der TV+ nur beschränkt zu gefallen. Die Bildschirmdarstellung ist schlecht, das Tempo mässig und die Bedienung eher mühsam. Um aber ein bisschen durch YouTube zu zappen, reicht es aus.

Gute Formatunterstützung

Als nächstes füllten wir auch den Archos TV+ mit über 100 Videos, Tonschnipsel und Bilder und folterten ihn mit einem Kompatibilitätstest, den schon Zyxels DMA-1000 über sich ergehen lassen musste. Der Archos schlug sich dabei sehr gut. 62 Dateien spielte er problemlos ab, also fast doppelt so viele, wie der Konkurrent.

Der TV+ scheitert, sobald die Auflösung 720p erreicht. Das heisst, er kann solche Videos nicht herunterskalieren und verweigert sie einfach. Dies ist bedauerlich, weil es so unmöglich ist, sein Videoarchiv in maximaler Auflösung zu erstellen und sich einfach mit der schlechteren Darstellung abzufinden.

Keine Freude hat TV+ an OGG-Musik, Matroska-Videos und Divx mit QPEL-Support. Brilliert hat der TV+ aber bei der Wiedergabe von echten DVD-Containern. Hier kommt er problemlos mit sämtlichen Audiospuren zurecht und kann auch die DVD-Menüs vernünftig darstellen. Wer allerdings 1:1-Kopien seiner DVD auf einem zentralen Medienserver ablegen will, hat einige Hürden bezüglich Kopierschutz und Urheberrecht zu überwinden.

Automatischer Videorekorder

Eine Stärke des Archos TV+ gegenüber der Apple-Konkurrenz ist seine Videorekorder-Funktion. Der TV+ hat allerdings keinen eigenen Tuner eingebaut. Für den Empfang ist eine externe Box nötig, beispielsweise die Settop-Box eines Kabelanbieters oder ein Sat-Receiver. Via SCART-Anschluss wird dann der TV+ mit Bild und Ton versorgt.


Der Archos TV+ bietet ausführliche Programminfos.

Besonders clever dabei ist, dass der TV+ aus dem Internet eine komplette digitale Fernseh-Programmzeitschrift von TVTV bezieht. Diese ist im ersten Jahr kostenlos. Sämtliche Sendungen von über 100 Stationen sind darin detailliert aufgelistet und können mit einem Klick für die Aufnahme vorgesehen werden.


Sendungen lassen sich einfach für die Aufnahme programmieren.

Damit die automatische Aufnahme klappt, muss der Archos die Empfängerbox mittels Infrarotsignale fernsteuern. So wird der Receiver zum richtigen Zeit eingeschaltet und auf den passenden Kanal geswitcht. Damit diese Fernsteuerung funktioniert, muss allerdings das Gerät in der Codebibliothek des Archos vorhanden ist. Schweizer suchen leider die Boxen von Cablecom oder Bluewin vergeblich. In Test mit zwei Sat-Receivern von Humax und Kathrein hat die Infrarotsteuerung aber problemlos geklappt.

Selbstverständlich kann man mittels der Aufnahmefunktion auch seine alten VHS-Tapes oder Film-DVD (analog) auf die Box überspielen. Auf der 80-GB-Festplatte finden rund 150 Stunden Film Platz, die 250-GB-Version reicht also auch für grosse Sammlungen.


Der TV+ arbeitet mit vielen Receivern zusammen.

Die Installation der Rekorderfunktion ist allerdings mühselig, weil sämtliche Sender entsprechenden Nummern zugeordnet werden müssen und insgesamt sieben einzustöpselnde Kabel sind dem Aussehen des TV+ auch nicht eben zuträglich. Aber einem "geschenkten Videorekorder" schaut man nicht kritisch auf die Gehäuserückseite.

In einer letzten Disziplin massen wir den Stromverbrauch mit unserem EMU. 15 Watt bei der Videowiedergabe und rund 5 Watt im Stand-by sind akzeptable Werte. Unschön ist allerdings, dass der TV+ eine Netztrennung übel nimmt und danach mit einem Setup-Menü nervt.

Fazit

Während die tragbaren Archos zu begeistern vermögen, zeigt der TV+ noch starke Kinderkrankheiten. Mangelnde HD-Fähigkeiten, merkwürdige Plugin-Preispolitik und die schlecht adaptierte Benutzeroberfläche sind klare Defizite. Diese kann der TV+ auch mit seiner Offenheit und der Vielfalt der unterstützten Formate nicht einfach wettmachen.

Preise

80 Gigabyte-Version mit drei nötigen Plugins 320 Euro (rund 510 Franken). 250 GB-Version 420 Euro (ca. 670 Franken). Mindestausstattung ohne Plugins mit 80-GB-Platte 249.99 Euro (rund 400 Franken).

Technische Daten der TV+ bei Archos.

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