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11.10.11

Test ArchiCrypt Anti-Bundestrojaner: Wird abgehört?

Der Bundestrojaner hat's auf allerlei Daten abgesehen {iStockphoto;http://www.istockphoto.com/stock-photo-15587107-thief.php?st=bbb650a}

Der Chaos Computer Club hat entdeckt, dass ein sogenannter Bundestrojaner auf Rechnern «verdächtiger Personen» installiert worden ist. Wir haben eine in Rekordzeit fertig gestellte Antibundestrojaner-Software getestet.

Wie der Chaos-Computer-Club (CCC) ermittelt hat, wurde in etlichen Bundesländern Deutschlands seitens des Staates ein illegales Abhörprogramm auf Windows-Computern verdächtiger Personen installiert: der sogenannte Bundestrojaner.

Diese Schadsoftware kann nicht nur Skype-Telefonate mitschneiden und den Behörden übermitteln - wozu sie vorgesehen war. Sie kann auch regelmässig Screenshots anfertigen, womit auch temporäre Notizen oder Zeichnungen auf dem überwachten Computer erfasst werden. Schliesslich können mit der Malware sogar beliebige Programme und Dateien auf den infizierten Rechner geladen werden: Ein Schelm, wer denkt Nachrichtendienste könnten solche Funktionen nutzen, um Rechner unliebsamer Personen mit belastendem Material zu kompromittieren?

Besonders Besorgnis erregend: Der Bundestrojaner macht den befallenen Rechner offen für jegliche Fremdsteuerung. Es kann durchaus sein, dass Kriminelle den Bundestrojaner für ihre Zwecke nutzen können. Es empfiehlt sich also dringend, diese Malware vom Rechner zu entfernen.

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In Rekordzeit hat das Unternehmen ArchiCrypt die CCC-Analyse des bundesdeutschen Schadprogrammes fortgesetzt und ein kostenloses Utility zur Verfügung gestellt, mit welchem der Bundestrojaner erkannt und entfernt werden kann – Dem Programmierer und Inhaber von ArchiCrypt, Patric Remus, kommt wohl zugute, dass der Bundestrojaner dilettantisch programmiert worden ist.

Das Tool muss nach dem Herunterladen nicht extra installiert werden, läuft somit auch auf Windows-Accounts mit eingeschränkten Benutzerrechten. Allerdings moniert Windows 7, dass das Programm Änderungen am System vornehmen möchte.

Ein erster Test auf einer 64-Bit-Windows-7-Installation schlug fehl: Wie der Bundestrojaner sich auf 64-Bit-Windows-Installationen verhält, ist noch nicht ausreichend geklärt. Da eine fehlerhafte Analyse nicht viel bringt, verweigert das Tool seinen Dienst gleich ganz. Wer sich 64 Bit geleistet hat, muss also damit rechnen, dass der Bundestrojaner auf seinem Rechner vorderhand weiter lauscht. Später gibt es möglicherweise ein Update.

Auf einem 32-Bit Windows XP lief der Anti-Bundestrojaner dagegen wie versprochen und verkündete nach wenigen Sekunden, dass das System «sauber» sei.

Ob ein erkannter Bundestrojaner auch tatsächlich rückstandsfrei entfernt wird, konnte neuerdings.com nicht feststellen: Am lokalen Polizeirevier waren die Bundestrojaner leider gerade aus - man konnte uns keinen zum Test zur Verfügung stellen...

Ob der Anti-Bundestrojaner selbst sauber ist, konnte im Kurztest ebenfalls nicht überprüft werden - zumindest der Sophos Virenscanner sprach nicht an. Das tut beim Bundestrojaner bislang allerdings auch kein Virenscanner.

Fazit: Ein nettes Utility, das für den Programmierer wirbt, aber mit dem Nachrüsten der Virensignatur des deutschen Bundestrojaners in den üblichen Virenscannern vermutlich bald entbehrlich wird – und nicht davor schützt, von anderen, (nicht)staatlichen Trojanern abgehört zu werden.

Update: Inzwischen soll es auch eine 64-Bit-Version des Antibundestrojaners geben. Da aber bislang gar kein 64-Bit-Bundestrojaner bekannt ist, arbeitet diese Version nicht anhand einer festen Virensignatur, sondern heuristisch. Der Nachteil: Ein Scan dauert lt. Anbieter 20 Minuten. Der Vorteil: Es werden alle möglichen Varianten eines Bundestrojaners erkannt, der sich ähnlich verhält wie das vom CCC analysierte Exemplar.

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