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25.02.08

Technologiesucht: "Dieses Gerät kann Ihr Sozialleben gefährden"

Technologiesucht: Sind alle Geeks süchtig nach Technik? Fragebogen der Uni Nothhampton

Zwei englische Wissenschafterinnen warnen vor "Technologiesucht" und fordern Warnhinweise auf allen Gadgets.

Technologiesucht: Sind alle Geeks süchtig nach Technik? Fragebogen der Uni Nothhampton

Nach der Online- haben Wissenschafter jetzt die Techno-Sucht erfunden: weil wir so viel Technologie um uns herum haben, laufen wir Gefahr, süchtig zu werden.

Jetzt wollen sie ihre These mit einer breit angelegten Umfrage mit etwas mehr als 70 Fragen überprüfen - ironischerwiese online (aber da findet man die Süchtigen wohl am ehesten).

 

Unter den über siebzig Fragen finden sich Dinge wie: "Denken Sie, dass Ihr Mobiltelefon gesundheitsschädliche Wirkung haben könnte?" oder "Hatten Sie schon mal eine virtuelle Affäre?".

Mir kommen diese Umfragen immer vor wie eine Recherche im Thesenjournalismus: Die Fragen sind so ausgelegt, dass die Antworten auf jeden Fall die Grundbehauptung, "Technologie-Sucht" sei ein neues, verbreitetes Phänomen, unterstützen, sie aber mit Details wie "80 Prozent aller Männer, die wöchentlich mehr als 20 Stunden online verbringen, hatten bereits eine virtuelle Affäre" oder "Die Mehrheit der potentiell Süchtigen hat mehr online-Freunde in socialnetworks als Freunde im realen Leben".

Das macht sich alles gut in Zeitungsschlagzeilen, aber hier wird Quantität dermassen undifferenziert mit Qualität vermischt, dass sich alles aus den Aussagen ablesen lässt. Wer viel online ist, tendiert dazu, sein soziales Umfeld online aufzubauen und sich aus der realen Welt zu verabschieden. Ich bin mehr online als all meine realexistierenden Freunde - und ich habe weniger "online"-Bekanntschaften als die meisten von ihnen. Nehmt das, Wissenschafterinnen!

Nada Kakabadse und Susan Bailey haben die Umfrage für ihre Arbeit an der Northampton University lanciert. Und Kakabadse sagte dem NewScientist, die explosionsartige Vermehrung der Technologie in den letzten zwanzig Jahren sei weitgehend ohne Berücksichtigung der Auswirkungen auf die Menschen angenommen worden.

Und jetzt fordern sie Warnhinweise auf allen Geräten, die auf die Suchtgefahr aufmerksam machen, oder wohlbedachte Firmenstrategien wie Email-freie Tage.

Au ja. Wie es sich auswirkt, wenn Menschenverstand durch Warnhinweise ersetzt wird, sehe ich hier in den USA täglich, wo jedes Feuerzeug mit einer zweiseitigen Hinweisliste verkauft werden muss, auf der zu lesen ist, dass man das Gerät nicht verschlucken soll und dass es Feuer entfachen kann.

Aber offenbar gibt es ausreichend Leute, die sowas brauchen.

Die Umfrage der Uni Northhampton

[Via reg Hardware]

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