28.01.14

Tango: Der (angebliche) Gaming-PC für die Hosentasche

Tango - Hosentaschen-PCTango - Hosentaschen-PC

Ein Startup aus San Diego in Kalifornien will einen Gaming-PC im Miniaturformat herausbringen: Kaum größer als ein Smartphone und angeblich dennoch für zahlreiche moderne Spiele stark genug. Doch die Bezeichnung ist eine Mogelpackung.

 

Wenn zwei bereits ein Trend sind, dann scheint es in diesem Winter einen Bedarf für Mini-PCs zu geben. Kürzlich haben wir euch an dieser Stelle den ICE xPC vorgestellt, einen Desktop-PC für die Westentasche.

Und etwa zeitgleich gestartet, wenn von uns auch erst jetzt entdeckt: der Tango - ein Desktop-Computer, der ebenfalls kaum größer ist als ein Smartphone, mehr Leistung bringen soll als der ICE xPC und sich vor allem an Gamer richtet. Die Kampagne wirkt durchdacht, der PC ist bereits lauffähig, doch es gibt einige Zweifel.

Läuft mit Windows 7 oder Steam OS

Der Tango PC misst 12,5 x 8,0 x 1,35 cm und wird in eine etwas größere, quadratische Docking-Station geschoben (13 x 13 cm). Das Gehäuse sieht chic aus. Wichtiger sind aber natürlich die inneren Werte: Prozessor ist ein AMD A6-5200, ein Quadcore-Chip mit 2,0 GHz (mehr dazu unten). Die Grafikeinheit ist eine HD8400. DDR3-RAM ist drin (2 bis 8 GB) und 32 bis 512 GB Speicher auf einer SSD. Das Gerät soll beliebige Windows- und Linux-Versionen unterstützen, auch Steam OS oder Chrome OS. Schnittstellen sind 3x USB 2.0, 1x USB 3.0, ein HDMI-Ausgang, RJ45 (Ethernet) und WLAN. Im Video wird der PC vorgestellt:

Auf Indiegogo kann man derzeit die erste Konfiguration des Tango PCs fördern, der mit 32 GB SSD und 4 GB RAM verkauft wird. Betriebssystem ist Windows 7 - was ja bei einigen Herstellern und Kunden durchaus wieder in Mode kommt. Im Early-Bird-Special soll der Tango PC umgerechnet 277 Euro inklusive internationalem Versand kosten. Hier erhält man aber nur eine Trial-Version von Windows 7. Wer eine Vollversion von Win 7 Premium auf der Maschine will, muss 350 Euro zahlen.

Für Gamer eher enttäuschend

Für einen guten, flexiblen Gaming-PC wäre das nicht zu viel Geld. Er soll schließlich als Heim- sowie als Office-PC dienen und dabei auch noch eine Spielkonsole ersetzen. Kritik ist dennoch angebracht: Beim AMD A6-5200 handelt es sich eigentlich um einen Energiespar-Prozessor für Einsteiger-Laptops. Für Highend-Games wird das kaum reichen. Tango wirbt damit, dass der Mini-PC eine Playstation 3 oder Xbox 360 ersetzen kann. Das aber sollte im Jahr 2014 für keinen neuen Computer mehr eine Herausforderung sein. Der Slogan "Gaming-PC zum Mitnehmen" ist in meinen Augen also eher ein Marketing-Gag. Sicher können PC-Spiele von 2009 sehr flüssig darauf laufen, aber das könnten sie anderswo auch.

Wer ist der Typ in dem Video?

Und dann wäre da noch die Beurteilung dieses seltsamen Kampagnen-Videos oben. Man hat hier einen sehr charismatischen jungen Mann vor die Kamera gestellt und dabei den Stil aus Apple-Produktvideos eins zu eins kopiert. Und das stößt dem Betrachter eher sauer auf. Was soll das? Klar orientieren sich heute viele Techunternehmen bei Produktvideos an Apples berühmten Kampagnen. Aber eine derartige Nähe wie in diesem Fall wirkt fast schon wieder unglaubwürdig. Will Tango lieber Apple sein? Hat man keinen eigenen Stil?

Offen bleibt darüber hinaus die Frage, wer der Mensch in dem Video überhaupt ist. Tango Techs CEO Bhavesh Shah ist es jedenfalls nicht.

Und auch wenn Shah hier davon spricht, wie gut der PC bei den vorgestellten Games rendert: Es ruckelt doch recht deutlich. Vielleicht ist der Tango PC dann doch eher etwas fürs Büro und dort für Pendler gedacht und weniger etwas zum Zocken der neuesten Titel.

Die Kampagne der Kalifornier läuft noch bis zum 4. Februar. Die gewünschte Finanzierungssumme in Höhe von 100.000 US-Dollar ist längst erreicht. Die ersten Tango PCs sollen bereits im April ausgeliefert werden.

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