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27.11.13

Lieblose Neuauflage: Das Tamagotchi kehrt zurück

Tamagotchi-Neuauflage: Sieht aus wie 1997. Alle Fotos: Bandai

Bandai ruft ein weiteres Mal die Rückkehr des elektronischen Eies aus, des Tamagotchis. Aber selbst wer die Dinger in den vergangenen 16 Jahren geliebt hat, wird sich über die nahezu nicht vorhandene Weiterentwicklung wundern. Eine sehr ähnliche App für Smartphones präsentiert sich hier viel moderner.

Tamagotchi-Neuauflage: Sieht aus wie 1997. Alle Fotos: Bandai

Die Überschrift dieser Meldung suggeriert es vielleicht schon: Die Rückkehr des umstrittenen Spielzeugs der 1990er Jahre hat ähnliche Züge wie die Rückkehr von Godzilla: Haben wir nicht unbedingt gebraucht, zumindest nicht so!

Weil es nun 16 Jahre her ist, dass die Tamagotchis erstmals in Deutschland auf den Markt kamen und Hersteller Bandai deswegen Geburtstag feiert, dachten sich die Japaner wohl, dass es Zeit sei, die Dinger ein weiteres Mal (und nicht zum ersten Mal!) wiederzubeleben. Mit der gleichen Kernfunktion wie anno 1997: Kinder, Jugendliche oder wer auch immer sonst noch daran Spaß hat, sollen die eiförmigen Gadgets hegen und pflegen, als wären sie Lebewesen. Tun sie es nicht, stirbt das digitale Ei. Ansonsten hat sich bei der Neuauflage namens Tamagotchi Digital Friends erschreckend wenig getan.

Ähnlich wie im 1997er Modell sollen die neuen Tamagotchis über ein 4-Ebenen-1-Zoll-Display ohne Farbe verfügen, das an Handys aus der gleichen Zeit erinnert. Mit drei Knöpfen steuert man das Ding. Neu ist lediglich das eingebaute NFC-Modul, mit dem sich zwei Tamagotchis aneinanderpappen lassen. Sie können dann Freunde werden oder Text-Nachrichten austauschen - ein echtes Keyboard allerdings fehlt. Dazu will Bandai allerhand virtuelles Zubehör anbieten, mit dem zumindest ein bisschen Spielspaß aufkommen soll.

Tamagotchi-Fans mögen mir meinen Unmut verzeihen, aber ganz ehrlich: Ist das alles? Wir schreiben bald das Jahr 2014 und das Ding hat nicht einmal einen Touchscreen, ein Farbdisplay oder WLAN. Es gibt keinen Facebook-Anschluss und keine soziale Community, mit der man sich vernetzen könnte.

Warum nicht gleich eine Smartphone-App?

Die Neuauflage wirkt umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass das Tamagotchi seit den 1990er Jahren keinesfalls tot war. Neuauflagen erschienen unter anderem 2004 und 2006. Das Tamagotchi ID, das im Jahr 2009 nur in Japan verkauft wurde, hatte bereits eine Infrarot-Schnittstelle, um es mit Handys zu verbinden, sowie ein Farbdisplay. Dass man nun selbst im Vergleich zu einem vier Jahre alten Modell nun abgesehen von NFC noch einmal einen Schritt zurückgeht, hat wirklich den Anmut einer Restposten-Aktion: "Ach guckt mal, wir haben da im Keller noch ein paar Dummys aus den 90ern gefunden. Lasst uns bunte Gehäuse drumpacken und ein Schiff nach Deutschland damit beladen. Da kaufen die Kinder das schon."

Wenn heute ohnehin immer mehr Kinder ein Smartphone besitzen, warum dann nicht eine Tamagotchi-App dafür herausbringen? Die hätte Farbe, eine höhere Auflösung, wäre sozial. Wie das hätte aussehen können, zeigt in diesen Tagen etwa die iPhone-App Hatch. Hier hegt und pflegt man ein niedliches, plüschiges Tierchen auf einem bunten Smartphone-Display:

www.youtube.com/watch

Der Sinn einer solchen App dürfte ebenso umstritten sein wie beim Ursprungs-Tamagotchi. Aber beim Hatch wirkt es wenigstens liebevoll gemacht und mit modernen Elementen umgesetzt. Die App kostet im iTunes-Store 1,79 Euro. Wer dennoch lieber zu einem der neuen Tamagotchis greift, kann die Dinger ab der zweiten Januarhälfte online kaufen. Sie kosten dann um 30 Euro.

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