07.06.08

T-Mobile: Starbucks soll bluten

Das iPhone, neuerdings.com und ein Cappucino. In den USA jetzt mit AT&T statt T-Mobile. (Bild P. Sennhauser)

T-Mobile verklagt in den USA den Kaffeeriesen Starbucks: Die Übernahme der Hotspots durch At&T sei ein Vertragsbruch. Kostenlos sind die Hotspots für Kunden aber noch immer nicht.


Das iPhone, neuerdings.com und ein Cappucino. In den USA jetzt mit AT&T statt T-Mobile. (Bild P. Sennhauser)

Das Gerücht, in amerikanischen Starbucks gäbe es kostenlos Wifi, hält sich in Europa hartnäckig. Es ist aber auch nach der Übernahme der T-Mobile Hotspots durch AT&T in den Starbucks der USA noch nicht wahr: Der Zugriff auf iTunes und via iPhone ist kostenlos, ansonsten spendieren At&T und Starbucks jenen Kunden zwei Stunden kostenloses Surfen, die eine Starbucks-Kaffeekarte besitzen und diese in den vergangenen 30 Tagen mindestens einmal benutzt haben. Das ist immer noch billiger, als die Surferei bisher mit T-Mobile in den Starbucks war: Auf deren Homepage waren Stunden- oder Tagesabos von 6 Dollar an aufwärts zu lösen. dass dieses "Geschäft" futsch ist, dürfte T-Mobile nicht so sehr stören:

Vor allem in Geek-Gegenden wie an der US-Westküste oder in New York gibts so viele kostenlose Wifi-Hotspots, dass eh niemand auf die Idee gekommen sein dürfte, nach den 4.70 Dollar für einen Cappucino nochmals 6 Dollar für eine Stunde T-Mobile rauszuschaufeln. (Ganz abgesehen davon, dass ein Tippfehler im Anmeldeformular mit Kreditkartennummer zu einer Fehlermeldung und einer jungfräulich leeren Eingabemaske führte - 25 Minuten formularausfüllen für eine Stunde surfen...)

Allerdings hat T-Mobile ein recht attraktives Abo in den USA: Datenverkehr vie GPRS ohne Limite und alle T-Mobile Wifi-Hotspots für irgendwas bei 60 Dollar im Monat. Das fanden Kunden wie ich zum Beispiel interessant genug, um das Mobilfunkabo von AT&T (mit der besseren GSM-Netzabdeckung) zu T-Mobile zu zügeln. Und obwohl ich kaum je in einem Starbucks sitze (in San Francisco gibts regelmässig Quartieraufstände, wenn eins von den verhassten ketten-Restaurants eröffnet werden soll): Das gute Gefühl, in den ganzen USA in jedem Starbucks auf meinem Voip-Handy via meine Festnetznummer erreichbar zu sein und zum Pauschalpreis in die ganze Welt zu telefonieren, war mir bisher die paar Dollar wert.

Nur schrumpft das T-Mobile-Hotspot-Netz mit dem Rauswurf von T-Mobile längerfristig um 7000 locations in den USA auf nahezu null oder mindestens nahezu unsichtbar, denn bisher war Starbucks = T-Mobile = Mails lesen, neuerdings.com checken und zwei Voip-Telefonate erledigen.

Zwar sollen T-Mobile-Kunden auch auf At&t-Hotspots Abomässig surfen können, weil zwischen den beiden Mobilfunkanbietern ein Roamingabkommen besteht. Aber ehrlich gesagt, warum soll ich dem Deal vertrauen und zugleich die lausige Abdeckung von T-Mobile entlang der kalifornischen Küste in Kauf nehmen, wenn ich ab sofort das gleiche bei At&T kriege?

Solche Überlegungen ihrer Kunden passen der T-Mobile natürlich gar nicht, und so versucht sie jetzt ein bisschen was Flüssiges aus der Kafferösterei zu pressen.

Wie in den USA üblich dürfte die Klage mittelfristig aussergerichtlich beigelegt und T-Mobile an den dannzumal 7.60 Dollars für meinen Cappucino beteiligt werden. Am Ende haben dann alle gewonnen - ausser den Kunden, selbstredend.

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