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10.02.09

T-Mobile G1 im Test: Per Android durch das Universum I

neuerdings.com auf dem Google-Handy (Bild: W.D.Roth)

Über eine Woche haben wir das erste "Google-Handy", das unter dem Betriebssystem Android laufende T-Mobile G1 getestet. Im Gegensatz zu anderen PDAs der Vergangenheit ist es eine angenehme Erfahrung.

Als Douglas Adams den Anhalter durch die Galaxis schrieb, ermahnte er, nie das Handtuch als universelles Tool zuhause zu vergessen.

Heute würde er vielleicht eher an ein Gerät wie das T-Mobile G1 denken, das durchaus von Nutzen ist, wenn man irgendwo dumm herumsteht und wieder nach Hause oder wenigstens in die nächste angesagte Kneipe will. Und auch im Universum kann es die umliegenden Sternbilder anzeigen - allerdings nur, solange man sich noch mit beiden Beinen auf der Erde befindet...

Viel war vorab schon darüber zu hören, daß das T-Mobile G1, das erste real existente Google-Android-Handy aus der PDA-Schmiede HTC, schwierig einzurichten sei und ein Vielfraß, was Akkustrom und Datenaufkommen betrifft. "Paß nur auf Deine Telefonrechnung auf und habe immer eine Steckdose in der Nähe", so die gutgemeinten Warnungen.

Was das Einrichten betraf, so hatte die T-Mobile-Pressestelle, die uns das Testgerät dankenswerterweise leihweise zur Verfügung stellte, bereits ganze Arbeit geleistet: Unser Testgerät war bereits fertig an einen Google-Mailaccount gekoppelt und mit einer Unmenge Kontakten (wobei, ist "Arnoldina" wirklich ein existenter Frauenname?? Und wo ist denn nur Robert T-Online, mit dem wollte ich doch immer schon mal eine Pizza essen gehen??) und Terminen gefüttert.

Im Normalfall ist dieses Ankoppeln an Google als Ersteinrichtung notwendig, damit das Gerät benutzbar wird. Es holt sich nämlich alles - ob Software, Updates oder Programme, Termine und Kontaktdaten - aus dem Netz. Vor der Kopplung an Google kann man mit dem G1 abgesehen vom Notruf noch nicht einmal telefonieren!

Nur Bild- und Sounddateien lassen sich über USB beziehungsweise eine Mini-SD-Karte direkt einspielen, sind dann aber nur über die jeweilige Appilkation ansprechbar - ein Dateisystem wie auf dem PC ist nicht anzeigbar.

Die USB-Verbindung wird außerdem nicht automatisch aktiv, wenn man das G1 an einen PC stöpselt, sondern erst nach Aufruf eines entsprechenden Menüpunkts. Das ist zunächst einmal lästig, doch unumgänglich, da im USB-Koppelzustand das G1 selbst nicht mehr auf die Dateien zugreifen kann und somit Kamera und MP3-Player nicht mehr voll funktionsfähig sind.

Wer über das USB-Kabel das G1 lediglich aufladen will - was allerdings mit dem Netzteil schneller geht - kann so das Gerät uneingeschränkt benutzen, wenn er die USB-Verbindung eben nicht freigibt.

Das Ankoppeln an Google zur Ersteinrichtung muß auf jeden Fall über das Mobilfunknetz geschehen - WLAN ist in diesem Moment nicht zulässig. Der Google-Mail-Account kann natürlich zuvor bereits an einem normalen Rechner angelegt worden sein.

Das G1 wird auch später selbstständig online gehen, um Mails zu checken und Updates zu fahren. Eine Datenflatrate ist deshalb unabdingbar, aber bei den von T-Mobile für das G1 angebotenen Tarifen auch selbstverständlich - mit Ausnahme des kleinsten Tarifs XS zu knapp 25 € im Monat, der nur 200 MB Datenvolumen anbietet, bevor es teuer werden kann mit 0,49 € pro weiteres MB, bis 100 € erreicht sind.

Dann wird auch hier die Verbindung ausgebremst, so wie bei den anderen Tarifen zu knapp 45(S), 60 (M) und 120 € (L) im Monat, die ab 300 MB bzw. 1 GB das Tempo auf 64 kB/s Downlink und 16 kB/s Uplink beschränken. Damit liegt man dann beim Uplink unter Modem-Niveau.

Je nach Tarif sind Telefonate in Festnetz, T-Mobile-Mobilfunknetz oder Festnetz und alle vier deutschen Mobilfunknetze in einer Flatrate enthalten oder mit 0,29 € pro Minute relativ teuer.

Das Gerät selbst ist dagegen beim Erwerb mit einem D1-Mobilfunkvertrag nicht teuer: Es kostet knapp 60 € im kleinsten Tarif XS, darüber nur noch einen Euro.

Teuer kann es allerdings im Ausland sein, wenn man es wagt, Roaming freizuschalten: Da gilt keine Flatrate mehr. Ähnlich böse Überraschungen wie bei den ersten iPhone-Nutzern, die infolge von Tariforderfehlern plötzlich ihre Telefonrechnung mit dem LKW zugestellt bekamen, sind zu befürchten.

Das Google-Handy ist für E-Mail allerdings nicht fest an den Google-Mailaccount gekoppelt: Man kann auch ganz normale POP3/SMTP- oder IMAP-E-Mail-Accounts abfragen und auf seinem Google-Account nur Termine und Kontakte verwalten. Nur der Chat ist auf Google Talk ausgelegt, kann aber auch Nutzer anderer Instant-Messenger erreichen.

Die POP3-SMTP-E-Mail-Applikation war beim Test noch buggy: Sie kann zwar alle fünf Minuten die eingegangenen E-Mails prüfen, womit man nahe an Push-E-Mail a la Blackberry oder 1&1 Pocketweb heran kommt. Wenn die Internetverbindung aber beispielsweise infolge von Netzschwächen abreißt, hängt die E-Mail-Applikation beim Mailabruf und läßt sich nur durch komplettes Herunterfahren und Neustarten des Telefons wiederbeleben. Das soll mit dem kommenden Update " Cupcake " behoben werden.

Auth-SMTP eines 1&1-Accounts konnte das T-Mobile G1 einwandfrei bedienen, allerdings waren beim Absenden von E-Mails teils Laufzeiten von einigen Stunden zu beobachten. Bei eingehenden E-Mails können diese zwar synchron zu einem stationären PC benutzt werden, wenn man "auf Server belassen" wählt. Allerdings verschwinden gelöschte E-Mails nur lokal vom G1 - wer also unterwegs Spam löscht, bekommt ihn zuhause ein zweites Mal vorgesetzt.

Der Vorteil der Google-Applikationen ist natürlich, daß sich das leidige Synchronisationsproblem zwischen Daten im Büro und Handy erledigt, sofern man diese Daten im Netz bei Google hinterlegt. Mit einem Outlook-Exchange-Server kann das T-Mobile G1 dagegen wenig anfangen.

Links und Attachments in Mails werden angezeigt, darstellen kann das G1 allerdings nur Bilddateien - weder Office-Formate (.xls, .doc) noch PDFs. Das kann sogar das 1&1 Pocketweb, wenn auch nicht fehlerfrei. Und dies, wo Google doch eigene Online-Applikationen für Office-Formate hat.

HTML-Mails werden angezeigt, im Gegensatz zu Textmails allerdings erst nach einigen Gedenksekunden. Eingebettete Bilder werden dankenswerterweise nur auf ausdrücklichen Wunsch geladen.

Die herausschwingbare Tastatur ist trotz ihrer Winzigkeit gut verwendbar; deutsche Umlaute finden sich übe den jeweiligen Normalbuchstaben. Verwirrrend ist jedoch, daß an der Stelle der SHIFT-Tasten ENTER und MENU zu finden sind, während SHIFT eine Ebene tiefer liegt, wo an normalen Tastaturen CTRL/STRG zu finden ist. An den Mac-ähnlichen Nippel-Trackball kann man sich ebenfalls schnell gewöhnen.

Der Bildschirm, der bei herausmanövrierter Tastatur automatisch auf Breitformat umschaltet, ist enorm hell - um nicht Augenbeschwerden zu bekommen, ist er in geschlossenen Räumen und abends fast aufs Minimum herunterzudrehen - und trotz Berührempfindlichkeit sehr scharf, nicht verwaschen, wie oft bei Touchscreens zu finden. Mit dem Finger kann man dabei Flächen "anklicken" und verschieben.

Das Vergrößern und Verkleinern ist dagegen nicht mit zwei Fingern wie beim iPhone möglich, sondern nur über gegebenenfalls - beispielsweise im Browser - auf der Anzeige eingeblendete Symbole.

Was die Gefräßigkeit des T-Mobile G1 betrifft, so läßt sich diese in gewissen Grenzen steuern: GPS, Bluetooth und WLAN müssen nur aktiviert werden, wenn man sie auch tatsächlich nutzen will.

Das allerdings dürfte fast immer der Fall sein: Ohne GPS sind einige G1-Applikationen blind und ohne Bluetooth werden längere Telefonate lästig, weil man das Telefon entweder am Ohr haben muß oder - wenn die mitgelieferte Stereo-Ohrstöpsel-Mikrofon-Lösung angesteckt ist - es nicht laden kann.

WLAN braucht man dagegen nicht unbedingt, da mit UMTS ordentliche Datenraten erreichbar sind und zunächst dank Flatrate auch keine Kosten entstehen. Will man allerdings beim intensiven Surfen nicht die Grenze der Flatrate erreichen, ab der T-Mobile die Datenrate drosselt, kann es sinnvoll werden, im stationären Betrieb WLAN einzuschalten.

Dann sollte man allerdings auch das Ladegerät angeschlossen haben, denn beim Surfen wird das G1 schnell warm und hat nach etwa einer Stunde auch einen neuen Akku mit voller Kapazität geleert.

Allerdings hält das G1 in Bereitschaft durchaus einen Tag durch, sofern man nicht gerade mit dem BMW oder ICE eine Funkzelle nach der anderen durchfährt.

Eine Stunde Surfen auf dem G1 ist dabei schnell passiert, denn der Browser ist angenehm: Da er ebenso wie das iPhone Flash nicht beherrscht und auch Animated GIFs ignoriert, bleibt das G1 von Geflacker und lästigen Geräuschen verschont.

Dennoch kann der G1-Browser Portale wie Spiegel online anzeigen, ohne eine spezielle Mobil-Version zu benötigen und stellt die Vergrößerung meist genau passend so ein, daß die Textspalte bildschirmfüllend angezeigt wird, während Menü und Werbung links und rechts verschwinden. Wer allerdings mit dem G1 auf eine der einschlägigen Bilderklickstrecken hereingefallen ist, muß mit dann doch deutlichen Ladezeiten und einem sehr schnellen Verenden des Akkus rechnen.

Der Browser läßt sich wahlweise über das T-Mobile-Portal "web'n'walk" starten - das dankenswerterweise auch funktioniert, wenn man dabei still sitzt, statt herumzulaufen - oder direkt. Javascript und Cookies kennt der Google-Android-Browser, Popups kann er blockieren - alles andere wäre auf dem Gerät auch eine Katastrophe - und Formulardaten sowie Paßwörter speichern. Schlecht natürlich, wenn einem dann das Gerät geklaut wird und kein Zugriffsschutz einprogrammiert wurde, der über spezielle Bildschirmgesten funktioniert.

Im Flugzeug lassen sich mit einem Handgriff WLAN, Bluetooth und Mobilfunk abstellen. Dann allerdings kann das G1 nur noch lokal gespeicherte E-Mails anzeigen, Fotos aufnehmen und MP3s abspielen - für alles andere benötigt es ja die Online-Verbindung.

Soweit zur Hardware und PDA-Grundausstattung. So richtig interessant wird das G1 mit der dafür entwickelten Software, die mitgeliefert oder im Android Market angeboten wird. Sie wird in einem weiteren Test besprochen.

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