11.03.13

SXSW: Die Einheit aus Gadgets und Apps ist das nächste große Ding

Googles sprechender Schuh, ein Konzept, vorgestellt auf der SXSW.

Google hat auf der Startup-Konferenz SXSW in Austin einen Schuh vorgestellt, der mit dem Träger kommuniziert. Die Idee ist irgendwo zwischen Fitness-Gadget und Nonsense angesiedelt - und zeigt damit, dass die interessantesten Startup-Ideen inzwischen von Hardware-Schmieden kommen. Apps alleine reizen nicht mehr, es geht zunehmend um clevere Gadgets - und die attraktive Kombination aus beidem.

 

Keine Woche vergeht, in der nicht irgendein kleines Team ein neues Gadget auf Kickstarter vorstellt, um einen lange gehegten Traum zu verwirklichen. Am Wochenende war es dann bei mir selbst so weit: Ich habe zum ersten Mal etwas in ein Kickstarter-Projekt investiert, das am Freitag hier vorgestellte Thermodo, ein Thermometer für das Smartphone. Auf der Startup-Konferenz SXSW in Austin scheint dieser Trend mittlerweile vorzuherrschen: Gadgets sind die interessanteren neuen Startups.

So zeigen sich aktuell in Austin etwa die Erfinder der Gestensteuerung The Leap. Der Hersteller von 3D-Druckern, MakerBot, führt seine neueste Weiterentwicklung vor: den 3D-Scanner Digitizer. Boosted Boards zeigen ihre Antwort auf den zu dichten Straßenverkehr in Großstädten: mit Elektromotoren betriebene Skateboards. Und dann wäre da auch noch Google: in einem Nebenprojekt entwickelten die Kalifornier einen Sportschuh, der mit dem Träger spricht. Etwa, wenn er sich zu wenig bewegt.

 

 

Der sprechende Schuh ist ein Projekt von Googles "Art Copy Code"-Projekt, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Hacker und Künstler Zach Lieberman, seiner Firma YesYesNo und der Kommunikationsdesignerin Despina Papadopoulos von Studio 5050. Ziel von Googles "Art Copy Code"-Projekt ist es eigentlich, kreative neue Werbeformen zu definieren: der sprechende Schuh startet als ein Experiment, um die Perspektive eines alltäglichen Objekts zu zeigen. So kann das Modell seinem Träger etwa mitteilen, wenn er sich langweilt. Er kann ihn gleichwohl aber auch loben, wenn er sich tüchtig bewegt. Den Schuh soll man so einstellen können, dass er Sätze wie "Laufe gerade sehr schnell" auf Google+ hochladen kann. Freunde können dann die sportliche Aktivität kommentieren:

Einmal dahingestellt, ob man so etwas wirklich braucht: dem Projekt wohnt der Charme einer Künstlerwerkstatt inne: egal, was dabei herauskommt: Man macht einfach mal und hat auch noch ein bisschen Spaß dabei. Das Prinzip junger Startups also. Nur dass die Idee diesmal nicht eine App oder ein Social Network ist, sondern eine Mischung aus Gadget und Software. In einer Zeit, in der Smartphones und Tablets einen hohen Reifegrad erreicht haben und sich ähneln wie ein Ei dem anderen, erhalten neue Träger intelligenter Software plötzlich einen besonderen Reiz: Wearables, Embedded Systems, Fitness-Gadgets, Notifier.

Zeit der sympathischen Spielereien ist wieder da

Ein sprechender Schuh klingt zunächst einmal nach Blödsinn, allerdings gibt es mit Fitness-Gadgets wie Withings und Fitbit längst Gadgets, die auf Bewegung reagieren, Schritte zählen und Fitness-Protokolle erstellen. Apps wie Runtastic melden über eine Schnittstelle den Zwischenstand einer sportlichen Aktivität an Facebook, damit Freunde live kommentieren und den Sportler anfeuern können. Fraglich, ob es den sprechenden Schuh je wird zu kaufen geben. Aber die Idee eines Laufschuhs etwa, der einen Schrittzähler integriert hat, Bewegungen protokolliert, an ein Smartphone sendet oder etwa auch - gemessen an der Bewegung - passende Musik vorschlägt, klingt schon weniger absurd.

Berichtet Erin Griffith von PandoDaily über die Startup-Highlights der SXSW, liest man viel über Partys, aber wenig über spannende neue Social Networks. Felix Zeltner von ZDF Hyperland fand bei einem Rundgang kreative Projekte wie Instagramming North Korea, indigene Tweets oder die Rückkehr animierter GIFs. Viel Retro und Nostalgie, aber wenige interessante Startups oder Social Networks.

Auf der Hardware-Seite hingegen tut sich einiges auf der SXSW. Zu sehen gibt es etwa die 3D-Modelling-Kamera Lynx, Board Forge, eine Maschine, die Chip-Designs "ausdruckt", die hier bereits vorgestellte Lifelogging-Kamera Memoto oder auch Revel, ein Prinzip, das dreidimensionale Objekte auf einem Touchscreen fühlbar machen soll.

Erfolg nur mit der Einheit aus cleverer Hardware und chicer Software

Kleine Hardware-Startups meiden die Riesen-Technikshow CES, die jährlich Anfang Januar in Las Vegas stattfindet. Um ihre kreativen Ideen vorzustellen, eignet sich eine Startup-Konferenz wie SXSW viel besser, sagt etwa Boosted-Boards-Mitgründer Matt Tran. Die SXSW hat einst die sehr erfolgreiche Zwitscher-App Twitter hervorgebracht, dann noch das semi-erfolgreiche Location-Startup Foursquare und seitdem eigentlich wenige Apps, deren ein Welterfolg beschwert war. Während die einen noch nach der Startup-Idee des Jahres suchen, glaubt Jenna Wortham von der "New York Times", sie in Hardware längst gefunden zu haben.

Vielleicht richtungsweisend, dass man auf Techcrunch in diesen Tagen der App Ambify des deutschen Entwicklers Kai Aras etwas abgewinnen kann, eine App, die Musik in dazu passendes Licht verwandeln kann. Ambify allerdings funktioniert nur mit Philips' Lichtsystem Hue, das sich über Smartphones und Tablets steuern lässt. Ähnlich, wie Thermodo nur halb so spannend wäre, wenn es nicht chic designte Apps wie Thermo und Haze dazu gäbe. Nicht Apps werden das nächste große Ding sein, auch nicht Kickstarter-Gadgets. Die große Zukunft gehört dem geschickt verzahnten Ökosystem aus beidem: Apps und Gadgets.

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