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18.03.13

Swiss Space Systems: Von der Schweiz in den Weltraum

Shuttle des S3-Systems

Die "Demokratisierung des Alls" hat sich das schweizerische Unternehmen Swiss Space Systems (S3) vorgenommen. Gemeint sind damit Satellitentransporte, die bis zu vier Mal billiger sein sollen als heute üblich. Möglich wird das durch eine geschickte Kombination bekannter Technologien.

Shuttle des S3-Systems

Payerne ist Hauptort des Distrikts Broye-Vully im Kanton Waadt in der Schweiz und hatte zum Stichtag 31. Dezember 2011 exakt 8.996 Einwohner. Das und einiges mehr kann man in der Wikipedia erfahren. Was Wikipedia noch nicht weiß: Payerne wird sozusagen zum Cape Canaveral der Schweiz. Von diesem Ort aus will das Unternehmen Swiss Space Systems Satelliten in die Erdumlaufbahn transportieren. Um sich das vorstellen zu können, muss man sich erst einmal vom klassischen Bild eines "Spaceports" verabschieden, der irgendwo im Nirgendwo aufgebaut wird, bestens abgesichert ist und große Vorrichtungen braucht, um Satelliten per Raketen ins All zu schießen. Die Schweizer werden einen viel alltäglicheren Weg für ihre Trips ins Weltall nutzen: den Flughafen.

Denn Swiss Space Systems setzt auf ein Modell, das beispielsweise auch Virgin Galactic im Auge hat. Statt auf Raketen setzen sie auf ein wiederverwendbares System, das in diesem Fall grundlegend auf einen Airbus A300 setzt. Dieser ist sowieso bereits für Schwerelosigkeitsflüge zertifiziert. Auf seinem Rücken befindet sich dann huckepack eine Art Mini-Ausgabe des inzwischen in den Ruhestand geschickten Space Shuttles der NASA. In ihm wiederum befindet sich die eigentliche Ladung.

Konkreter gesprochen, startet der Airbus und steigt in eine Höhe von bis zu 10.000 Metern auf. Dort angekommen, startet das Shuttle und katapultiert sich aus eigener Kraft auf 80.000 Meter Höhe. Dort wiederum entlässt es den Satelliten, der dann mit der letzte Stufe in die gewünscht Umlaufbahn gebracht wird. Sowohl der Airbus als auch das Shuttle landen wieder auf einem Flughafen. Neben der weitgehenden Wiederverwendbarkeit hat das System einen weiteren Vorteil: Der Startvorgang kann an vielen Stellen noch abgebrochen werden. Bei Raketenstarts ist hingegen nach Zündung der Triebwerke in der Regel kein wesentliches Eingreifen mehr möglich.

Die Grafik zeigt, wie ein Satellitenstart ablaufen soll.

Satelliten bis hin zu einem Gewicht von 250 kg sollen mit diesem System transportiert werden können. Ein solcher Start soll 10 Millionen Franken (etwa 8,1 Millionen Euro) kosten und damit bis zu vier Mal billiger als mit aktuell verfügbaren Systemen sein.

Auch die Entwicklungskosten des Systems kann das schweizerische Unternehmen drücken, weil sie nicht alles neu entwickeln müssen. Stattdessen arbeiten sie mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA, Dassault Aviation, dem Von Karman Institute und Sonaca zusammen. "Das Budget beläuft sich auf 250 Millionen Franken. Hätte man bei Null beginnen müssen, wären mehrere Milliarden nötig gewesen", erklärt das Unternehmen in einem Pressetext.

Dadurch soll der schweizerische Traum vom Weltraum auch schon vergleichsweise schnell verwirklicht werden: Die ersten Testflüge des Systems sind für 2017 vorgesehen.

Sollte das alles erfolgreich verlaufen, steht einer internationalen Expansion kaum etwas im Wege. Schließlich brauchen die Schweizer keine aufwändigen Installationen am Boden, sondern im Prinzip nur einen Flughafen, auf dem ein A300 starten und landen kann. Aktuell gibt es laut Pressemitteilung bereits Gespräche mit interessierten Partnern in Marokko und Malaysia. In der Zukunft möchte Swiss Space Systems an zahlreichen Standorten auf der Welt präsent sein.

Gefunden bei Gizmag.

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