03.10.08

Sony Ericsson Laborbesuch: Stecker für Klimaretter

Im Stecker verbirgt sich der Stromsparschalter. (Bild: Sony Ericsson)

Ich habe mich kürzlich ein bisschen in den Forschungsstätten von Sony Ericsson in Lund rumgetrieben. Und jede Menge cooler Sachen entdeckt.

Wir sind faul. Und das killt die Welt. Beispielsweise stöpseln wir alle unsere Ladegeräte irgendwann in eine Dose und lassen sie dort drin. Handy, Kamera und sonstige Helfer des Alltags wollen schließlich alle paar Stunden oder Tage aufgeladen werden. Und weil diese Dinger aus teils fernöstlicher Billigfertigung einen schlechten Wirkungsgrad haben, saufen sie auch Strom beim Nichtstun. Und das nicht zu knapp. Mit einem ebenso einfachen wie genialen Trick will man bei Sony Ericsson diese Sache ändern:

 

Ausschaltstecker

Der klassisch hässliche Stecker der bei den Sony Ericsson Handys an das Telefon gekoppelt wird, ist in Zukunft auch gleich der Netzschalter für das Ladegerät. Dazu befindet sich im Stecker selbst ein kleiner Schieber. Stöpselt man das Handy an, schiebt sich der nach vorne und löst so das Signal zum Einschalten des Ladegerätes aus. Zieht man den Stecker ab, schiebt man dabei gleichzeitig den Schieber nach hinten und schaltet das Ladegerät aus. Der Lader darf also, in Anerkennung von Faulpelzen wie mir, in der Dose bleiben. Trotzdem sauft er nicht mehr 1 bis 3 Watt beim Nichtstun sondern nur noch 0,0-Irgendwas Watt. Bei einigen Millionen Handys läppert sich da ganz schön was zusammen. Der Aufpreis für den Öko-Lader beträgt in der Produktion einige Cents. Plus natürlich eine Kiste Bier für den Ingenieur bei Sony Ericsson, der die Idee hatte.

Ein grünes Herz

Mit weiteren Demonstration versuchte der Handy-Hersteller zusätzlich klar zu machen, dass man nun "im Herzen grün sei". Das geht einerseits über sauberes Recycling und bessere Verpackungen. Die Designabteilung hat beispielsweise statt einer üblichen Schachtel diese Handy-Verpackungshülle aus "geschäumtem Papier" - das habe ich jedenfalls verstanden - entwickelt. Sieht hübsch aus, lässt sich garantiert nicht stapeln und wird letztlich garantiert im peppigen SE-grün angepinselt.

Lobenswerter ist da schon die Idee, inskünftig Handys ohne Ladegerät zu verkaufen. Wer also jedes Jahr ein Handy entsorgt, kann wenigstens dessen Lader weiterverwenden, sofern er markentreu bleibt. Um dem Ladegeräteterror zu entgehen wollen sich übrigens alle Hersteller auf einen gemeinsamen Ladestecker mit USB-Norm einigen. China will eine entsprechende Vorschrift durchsetzen. Bei Sony-Ericsson war vom USB-Anschluss leider noch nichts zu sehen.

Flash auf dem Handy

Daneben zeigten die Schweden auch noch einige witzige Softwareentwicklungen. Dauerbrenner "Near-Field-Communication" soll inskünftig dazu genutzt werden, dass sich die Daten einer mir RFID-Chip aufgemotzten Visitenkarte ins Handy übertragen, wenn man dieses auf die Karte legt. Ferner bastelt man mit Transferjet auch an einer ultraschnellen Nahkommunikation, die eine ganze Musik-CD durch "Handyauflegen" transferiert. Bisherige Lösungen scheiterten aber an der nötigen Verbreitung von Geräten oder Inhalten.

Eher Realität wird wohl Flash auf dem Handy. Bei Sony Ericsson heisst die Lösung Capuchin . Dabei haben die Softwareentwickler einen Flash-Player auf Java gestülpt. Java beherrschen die meisten SE-Handys. Man scrollt dann nicht mehr durch das Adressbuch, sondern die Namen schweben über das Display. Eine ähnliche Lösung für das iPhone hat riesigen Medienrummel ausgelöst, die Schweden haben ihr Handy-Flash-Interface bisher kaum propagiert. Es wird wohl erstmals auf dem C905 Cybershot zu sehen sein. Wie ein Flash-Handy aussehen kann, zeigt ein Demo-Video .

Eine witzige Anwendung aus den SE-Labors ist auch Hanashi. Dabei kommunizieren zwei Handys direkt via IP. Die IP-Adresse des anderen Handys erfährt der Kommunikationsauslöser durch Verschicken einer codierten SMS. Hanashi ist sozusagen ein Messenger im Rohformat. Damit lassen sich dann auch extrem Trafficvolumen sparend Fotos transferieren. Wann und ob Hanashi vom Betatest in einen produktiven Dienst übergeht, ist offen. Das System funktioniert mit allen Java-fähigen Handys.

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