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18.09.13

Smartwatches und Fitnessarmbänder: Ein New Yorker Startup zeigt Samsung, wie man es richtig macht

Die Omate TrueSmart macht sich als wasserfestes Zweithandy in Uhrform nützlich.

Viele Unternehmen wollen den inzwischen oftmals verwaisten Platz an unseren Handgelenken erobern. Ein prominentes Beispiel ist Samsung mit der Galaxy Gear. Allerdings zeigt sich, dass es drei vielversprechende Produktkategorien gibt und Samsungs Wurf landet im Niemandsland. Das New Yorker Startup Omate könnte da den besseren Riecher haben.

Die Omate TrueSmart macht sich als wasserfestes Zweithandy in Uhrform nützlich.

Nachdem Samsung seine Galaxy Gear Smartwatch vorgestellt hatte, waren Jürgen Vielmeier und ich uns nicht wirklich einig. Er findet Samsungs Start in die Smartwatch-Szene ziemlich gut. Mir persönlich sagt sie überhaupt nicht zu. Die Uhr ist am Arm klobig, man muss sie mindestens einmal am Tag mit einem umständlich anzubringenden Adapter aufladen, sie funktioniert nur mit einigen ausgewählten Samsung-Smartphones, sie kann letztlich wenig und soll dafür dann noch stolze 300 Euro kosten. Eventuell stehe ich in einem Jahr als Depp da, aber so sieht für mich ein grandioser Flop aus.

Die Ausgangslage ist hingegen durchaus vielversprechend: Bei vielen Leuten in meiner Umgebung sind die Handgelenke derzeit verwaist. Aber es ist noch nicht wirklich klar, ob sich das in naher Zukunft wieder ändern wird. Grob gesprochen gibt es drei Produktgruppen, die um diesen Platz buhlen:

     

  1. Fitnessarmbänder wie Jawbone Up oder Fitbit Flex. Sie haben nur minimale Anzeigen oder sogar überhaupt keine. Sie erfüllen spezielle Aufgaben und sind an sich vor allem stylish verpackte Sensoren, mit denen man Dinge wie seine Bewegungen messen, festhalten und auswerten lassen kann. Sie sind in der Regel so gestaltet, dass man sie einmal anlegt und dann nicht weiter darüber nachdenkt. Die Preise liegen um die 100 Euro. Meiner Einschätzung nach sind Preise von 50 bis 150 Euro in einem Bereich, der Erfolg versprechend ist, um Kunden zu gewinnen.
  2. Smartwatches als zweites Display und Fernbedienung eines Smartphones. Dazu gehören neben der Pebble die meisten Konkurrenten. Sie zeigen die Uhrzeit an (man höre und staune) und informieren über neue Nachrichten und eingehende Anrufe. Der Interaktionsgrad ist eher beschränkt und darum geht es auch gar nicht. Solche Smartwatches müssen aus meiner persönlichen Sicht möglichst kompakt und elegant sein, sich leicht bedienen und ablesen lassen und brauchen vor allem eine schier endlose Akkulaufzeit. Einen Preisbereich von 100 bis 200 Euro halte ich hier für realistisch. Was hier vor allem noch fehlt: eine Smartwatch, die zugleich ein Fashion Icon ist. Wenn das ein Hersteller hinbekommt, steckt da eine Menge Potenzial drin.
  3. Smartwatches, die als Standalone-Gerät funktionieren. Hierzu gehört neben anderen Beispielen die aktuelle Omate TrueSmart. Sie ist ein Smartphone in Uhrform. Der große Vorteil: Wenn nötig, funktioniert es als simples Zweithandy, das teure und heutzutage oftmals große Smartphone kann zu Hause bleiben. Das kann beim Sport sehr sinnvoll sein, aber auch bei anderen Anlässen, bei denen man nur erreichbar sein will. Je nach Leistungsumfang könnte der Preis hier sicherlich von 200 bis 300 Euro reichen. Der Akku muss einen Tag Dauernutzung locker aushalten.

Samsung hat seine Galaxy Gear irgendwo dazwischen im Niemandsland positioniert. Das New Yorker Startup Omate hingegen in der letzten Kategorie und sinnvollerweise ist ihre TrueSmart wasserfest und alles in allem sehr robust ausgelegt. Im Folgenden sieht man die Benutzeroberfläche in ihrem aktuellen (und noch nicht finalen) Zustand:

Android 4.2.2 läuft für den Start auf der Uhr, später soll es Android 4.3 werden. Das Ziel von mindestens 100.000 US-Dollar hat das Projekt auf Kickstarter inzwischen um fast das Neunfache überschritten. Hier soll man umgerechnet rund 150 Euro vorschießen, um sich "die erste wahre Smartwatch 2.0" zu sichern, wie die Macher etwas protzig herumtönen.

Schon lange wird spekuliert, ob auch Apple in diesen Markt einsteigt. Manchen reicht da schon die Tatsache, dass sich das Unternehmen die Marke "iWatch" gesichert hat. Aber wer Apple kennt, der weiß, dass das nicht wirklich viel zu bedeuten hat. Sicherlich wird es Prototypen en masse in Apples Labors geben. Einen Designentwurf für ein "wearable device" gab Steve Jobs schon 1985 in Auftrag. Und auch das iPad hat eine lange Geschichte hinter sich: Schon 1983 gab es dafür einen Entwurf und im Zuge des Apple-Samsung-Prozesses kamen zahlreiche Prototypen für Apple-Tablets ans Licht. Über ein Jahrzehnt hat das Unternehmen immer wieder Geräte entworfen und verworfen, bis es 2010 soweit war.

Der lange, schwierige Weg hin zu einem wirklich guten Produkt

Samsung möchte seine Galaxy Gear auch am liebsten als modisches Accessoire sehen.

Und das zeigt eben etwas, was manche gern unterschätzen: den langen, schwierigen Weg hin zu einem wirklich guten Produkt, das genügend Menschen haben wollen und sich gewinnbringend verkaufen lässt. Es gibt so viele Faktoren, bei denen die Ingenieure den jeweils besten Kompromiss finden müssen: Wie groß? Welches Design? Welche technischen Eckdaten? Welcher Preis? Und vor allem muss das Gerät Dinge können, die für die Käufer nützlich sind.

Auch hier sind Tablets ein gutes Beispiel. Viele Jahre gab es etliche Versuche, aber keiner davon hat den Durchbruch gebracht. Erst jetzt, wo das iPad und seine Nachahmer erfolgreich sind, scheint es plötzlich ganz klar: So muss ein Tablet aussehen, das muss es können, so teuer darf es sein.

Ähnliches ist bei Smartwatches zu erwarten. Ob Apple hier erneut die treibende Kraft sein wird, steht in den Sternen. Das neue iPhone 5S hat einen eigenen Chip namens M7, der sich nur um die Auswertung der zahlreichen Sensoren kümmert. Er würde sich ebenfalls gut in einem Fitnessarmband oder einer Smartwatch machen. Apple weiß, wie man Geräte miniaturisiert, sie extrem stromsparend auslegt und mit welchen Funktionen und welchem Design man genügend Menschen dazu bekommt, das Gerät zum passenden Preis zu erwerben. Aber wer weiß schon, ob dieses Projekt nicht erst in vielen Jahren in einem Produkt mündet oder gar schlichtweg eingestellt wird. "I'm actually as proud of the things we haven't done as the things I have done. Innovation is saying no to 1,000 things", hatte Steve Jobs 1997 auf der hauseigenen Messe WWDC gesagt. Und eines ist klar: Apple bringt die iWatch nur, wenn sie damit ihre übliche Gewinnspanne erzielen können.

Fazit

Fitnessarmbänder wie as Fitbit Flex versprechen ein besseres Leben und verhalten sich dabei unauffällig.

Klar ist, dass vor allem der Markt rund ums Quantified Self spannend und lukrativ ist: Damit meine ich eben Fitnessarmbänder wie Jawbone Up und Fitbit Flex. Die sehe ich durchaus auch einmal in meinem Umfeld, denn mit ihnen kann man seine Gesundheit und damit letztlich sein Leben verbessern – so jedenfalls die Hoffnung. Und das ist ein Punkt, für den Menschen durchaus Geld bezahlen. Haben-wollen-Faktor: Das Leben verbessern.

Eine andere Chance sehe ich für einen Pebble-Klon, der zugleich zu einem modischen Accessoire wird. Im Prinzip das Comeback der Armbanduhr: Begrenzte, aber wichtige Funktionen vereint in einem Gerät, das zugleich ein Schmuckstück ist und nicht selten ein Statussymbol. Haben-wollen-Faktor: Fashion kombiniert mit Nützlichkeit.

Oder aber das Zweithandy am Handgelenk wie bei der Omate TrueSmart. Immer dann, wenn das Smartphone zu groß, zu schwer oder schlichtweg zu empfindlich ist, bleibt es eben zu Hause. Haben-wollen-Faktor: praktischer Helfer.

Das wären jedenfalls die drei Produktgruppen, die für mich interessant wären – immer vorausgesetzt, die Produkte sind gut umgesetzt und haben einen angemessenen Preis.

Stellt sich am Ende vor allem noch eine wichtige Frage: Werden Smartwatches nicht obsolet, sobald sich Geräte wie Google Glass durchsetzen? Die Nutzungsszenarien sind ähnlich. Eine Smartwatch hat den Vorteil, wesentlich dezenter zu sein. Ein Gerät wie Google Glass aber ist noch nützlicher. Noch ist allerdings offen, ob es zu einem Statussymbol wird oder zu einem Nerdspielzeug.

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