20.02.14

Mehr für den Nutzer: Wo Smartphones wirklich noch Nachholbedarf haben

Vorzeige-Smartphone weil klein und dabei leistungsfähig: Sony Xperia Z1 Compact

Auf dem Mobile World Congress kommende Woche in Barcelona werden die ersten Smartphones mit QHD- oder 2K-Display erwartet. Die Diskussion tobt, ob das sinnvoll ist oder nicht. Aber wo haben Smartphones wirklich noch Nachholbedarf und wo nicht? Wir haben zehn Punkte zusammengetragen.

 

Smartphone-Hersteller haben es nicht leicht. Zahlreiche Eigenschaften der Geräte nähern sich der Perfektion, trotzdem verlangen die Kunden immer mehr. Das Samsung Galaxy S4 etwa enttäuschte die Fachwelt, nicht weil es ein schlechtes Telefon gewesen wäre, sondern nur, weil der Abstand zum Galaxy S3 geringer war als zwischen S3 und dem Vorgänger S2.

Also bekommen die Kunden mehr: heutzutage meist in Form noch größerer Geräte, noch mehr Megapixel und noch höherer Display-Auflösungen. Oft zielen die Schüsse an den Bedürfnissen vorbei. Wir haben eine Liste zusammengestellt, was in Smartphones wirklich noch wünschenswert wäre.

1. Mehr Akkulaufzeit

Oberster Wunsch jedes Smartphone-Besitzers: Die Akkus sollten wieder so lange durchhalten, wie sie es zu Zeiten klassischer Handys noch taten. Mehrere Tage wären wünschenswert, ohne dass man dabei auf etwas verzichten müsste. Heutige Geräte verfügen meist über herstellerspezifische Energiespar-Optionen, die unterwegs das WLAN ausschalten oder Benachrichtigungen deaktivieren. Das ist mit einem Komfortverlust verbunden. Ein technischer Durchbruch ist hier noch nicht erzielt und wenn man unterwegs ist, schränkt man sich meist unnötig ein. Huawei stellte auf der CES im Januar das Ascend Mate 2 vor, ein Smartlet mit stärkerem Akku, an dem sich selbst ein Smartphone aufladen lassen soll. Ein Schelmenstück und ein Schritt in die richtige Richtung: Ein Smartphone, das bei voller Last zwei bis drei Tage durchhielte, das wär's.

2. Schnellere Reaktionszeit, bessere User Experience

Was denn, noch mehr? Die heutigen Spitzenmodelle verfügen über einen Snapdragon 800 mit einem Quadcore, 2,3 GHz und dem schnellsten Grafikbeschleuniger. Doch alle Geräte, die ich zuletzt im Test hatte, ruckeln unter Volllast dann doch immer noch ein wenig. Es nähert sich der Perfektion, aber hier ist doch etwas mehr möglich, gerade in der Mittelklasse. Wo ich auch immer wieder verblüfft bin - obwohl Android-Experten darauf bestehen, dass das so sein müsse: Höre ich etwa Musik auf dem Smartphone und schieße gleichzeitig ein Foto, dann unterbricht das Auslösegeräusch die Musik. Ist dieses Manko wirklich unmöglich zu beheben?

3. Mehr Tiefenschärfe

Wer vor zwei Jahren meinte, bei Smartphone-Kameras sei nun alles erfunden, der irrte. Es ging noch mächtig bergauf: optische Bildstabilisatoren kamen, Autofokus, Ultrapixel, höhere Lichtstärke, Burst Modus. Und wem das nicht reichte, der kann die Bilder jetzt immer per Knopfdruck aufhübschen. Was mir aber immer noch fehlt: die Möglichkeit mit Schärfe zu arbeiten. Die meisten Kameras stellen immer noch nahezu alles scharf und der Autofokus reagiert oft langsam oder falsch. Auch hier ginge noch mehr.

 

4. Kleinere Spitzengeräte

Sonys Xperia Z1 Compact wird derzeit gefeiert wie kaum ein anderes Gerät. Weil es eben die Leistung eines "großen" Smartphones besitzt, dabei aber nur 4,3 Zoll groß ist - gemessen an der heutigen Luxusklasse geradezu ein Winzling. Jahrelang war höhere Leistung praktisch untrennbar mit größeren Geräten verbunden, und wenn die Kunden den Herstellern noch so lange zuwinkten und auf ihre kleinen Hände hinwiesen. 4,3 Zoll ist schon edel, aber selbst für noch kleinere Geräte wäre Platz - solange hier auch die Leistung stimmt. Wer ein kleines Gerät will, bekommt heute meist auch immer eins mit abgespeckter Leistung, wie in HTCs oder Samsungs Mini-Varianten. Das sollte sich ändern.

5. Besserer Sound

HTC erhielt im vergangenen Jahr viel Lob für die Stereo-Lautsprecher im HTC One , die auf der Vorderseite des Geräts untergebracht sind. Doch auch wenn die Hersteller eigentlich sonst alles voneinander abschauen, blieb es in diesem Falle sonderbarerweise bei einem Einzelgang. Dabei ließe sich beim Thema Sound noch einiges mehr herausholen, nicht nur was die Ausgabe betrifft, sondern auch die Aufnahme- und Sprachqualität. Nokia etwa hat das neue Lumia Icon mit einem Richtmikrofon ausgestattet. Hier zeigt sich, dass da noch weit mehr möglich ist.

6. Höhere Display-Auflösung

Ja. Doch. Auf Engadget entspann sich dieser Tage eine interessante Diskussion, ob eine Full-HD-Auflösung auf einem 5-Zoll-Smartphone und Pixeldichten jenseits der 450 ppi nicht langsam mal reichen. Hier waren sich die Kommentatoren nicht einig, ob das menschliche Auge wirklich nicht mehr sehen kann als einst von Apple im Rahmen der Vorstellung des Retina-Displays behauptet oder ob nicht auch 500 bis 600 ppi noch ein Fortschritt wären. Es zeigt sich: Auch da geht noch etwas, wenn man Perfektion erreichen will. Ein noch schärferes Display ist nicht das drängendste Problem, das Smartphones heute haben. Doch auch hier ist noch ein wenig Luft nach oben.

 

7. 4K-Kameras und 4K-Streaming

Ein ähnlich wenig drängendes Problem ist die Unterstützung von 4K, also der vierfachen Full-HD-Auflösung, was derzeit ein großer Trend bei TV-Geräten ist. Auch wenn man eine derart hohe Auflösung auf einem Smartphone-Display vielleicht nicht braucht: Auf einem Fernseher mit 1 Meter und mehr Diagonale ist ein schärferes Bild durchaus noch eine Verbesserung. Höher auflösende TVs dürften sich durchsetzen und da wäre es doch schön, wenn man mit einem Smartphone 4K-Content zumindest streamen und mit einer Kamera aufzeichnen könnte. Auch das muss nicht zwingend schon die diesjährige Generation mitbringen, aber wenn die Hersteller unbedingt mehr anbieten wollen, warum dann nicht das?

8. Mehr User-, weniger Google Experience

Ein Spezialwunsch für Android: Weniger Google-Apps auf dem Smartphone. Mit jedem Update, das ich auf meinem Nexus 4 wenigstens bekomme, werden es mehr Google-eigene Apps, die ich nicht einfach runterschmeißen kann: News & Wetter, Play Books, Play Games, Play Kiosk, Play Movies, Play Music, Chrome, Drive, Google+, Currents, Hangouts, ... Gefühlt jede zweite App im Menü ist von der Datenkrake. Google, du nervst wie Sau! Etwas weniger von deiner Zwangspräsenz wäre hier mehr für die Nutzer.

 

9. Mehr Telefon

Jedes Mal, wenn ich mit einem Smartphone telefoniere, geht irgend etwas schief. Ich höre mein Gegenüber am anderen Ende der Leitung schlecht oder gar nicht, oder anders herum. Verbindungen reißen ab und auch die Telefonie-App, die Google seit den jüngsten Updates für Android anbietet, ist von der Menüführung her ein Graus. Bei anderen Smartphones, die ich früher oder in jüngster Zeit getestet habe, war das kaum besser. Ich telefoniere weder oft noch gerne. Aber wenn, dann hätte ich gerne eine gute Sprachqualität und eine stabile Leitung. Ist das denn zu viel verlangt?

10. Mehr Privatsphäre

In wiefern jeder einzelne Hersteller hier etwas machen kann, ist fraglich. Aber in Zeiten des bekannt gewordenen Überwachungsskandals wäre ein sicheres Phone langsam ein Verkaufsargument. Das Blackphone , das auf dem MWC genauer vorgestellt soll, wäre so eins. Und es wäre erst der Anfang. Für sicherheitsbewusste Kunden wäre verschlüsselte Kommunikation und ein System, das nicht alle Daten des Nutzers ausspioniert, langsam ein Kaufargument. Der große Hersteller, der das erkennt, hätte hier einen großen Vorteil.

Das wäre meine Wunschliste. Was steht auf eurer? Sagt es uns in den Kommentaren!

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