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25.03.13

Kommentar: Zeit für das Ende der unsäglichen Smartphone-Kriege

HTC One

Die Anbieter von Smartphones und Tablets preisen ihre vermeintlichen Vorzüge gegenüber der Konkurrenz an, aber die Kunden stehen kopfschüttelnd daneben. Das Thema Mobiltelefone hat an Reiz verloren. Es wird Zeit für neue Gadgets und ein Ende der peinlichen Shows, Präsentationen und Streitereien untereinander.

HTC One HTC One

Ende letzter Woche hat Nokia-Chef Stephen Elop einem finnischen Talkshow-Moderator das iPhone weggenommen. Er hat es auf den Boden geworfen und versprochen, es durch ein Nokia-Gerät zu ersetzen. Man könnte jetzt vermuten, er habe das getan, weil der ständig nachbohrende Moderator ihm auf den Geist gegangen war. Tatsächlich ging es Elop darum, die Vorzüge seiner Telefone vor laufender Kamera zu loben. Elop selbst hatte das Lumia 620 dabei, eins von Nokias Einstiegsgeräten.

Mir mutete diese Szene sonderbar an. Das Lumia mag in Teilen besser sein als das iPhone 5, spätestens beim Thema App-Auswahl und Stabilität des Betriebssystems aber liegt Apple wieder vorne. Für den Reporter hingegen gibt es nichts Wichtigeres als zu erfahren, ob er die Abwandlung eines begehrten Telefons auch noch bekommen kann. Die Abwandlung eines Telefons. Ich finde die Präsentation neuer Geräte und die Grabenkriege der Hersteller untereinander nur noch selten amüsant und in letzter Zeit eher peinlich. Und es erinnert mich daran, dass jeder Trend vergänglich ist. Bei den Smartphones ist es mittlerweile so weit.

Es ist gerade einmal zehn Jahre her, da war IT-Sicherheit ein sehr großes Thema in der IT-Berichterstattung. Anti-Viren-Programme für Windows XP warben mit Comics, IT-Zeitschriften waren voll mit den besten Sicherheits-Tool. Es gab kaum ein wichtigeres Thema als Microsofts neuesten Patch für Sicherheitslöcher. Eigene Online-Magazine und Newsletter befassten sich ausschließlich mit dem Thema Sicherheit. Heute ist das Thema IT-Security ungefähr noch so sexy wie Silvio Berlusconi beim Badeurlaub. Es bleibt ein wichtiges Thema, aber der Sicherheitskram wird als etwas wahrgenommen, das im Hintergrund laufen und den Nutzer in Ruhe lassen soll.

Trends vergehen. Welches IT-Magazin kann es heute noch als Aufmacher bringen, wenn HP, Lenovo oder Dell einen neuen Desktop-PC vorstellen? Auch Laptops und Tablets, wenn nicht gerade außergewöhnlich, reizen immer weniger. Smartphones? Meh.

Kein Anbieter mit nennenswertem Vorsprung

Drehen wir das Rad der Zeit einmal um drei Jahre zurück, gab es das iPhone 3GS. Die ersten soliden Androiden kamen da erst langsam heraus. Palm lag mit dem Pre und dem Pixi schon in den letzten Zügen, Blackberry verhob sich auch mit dem Storm 2, Nokia versuchte verzweifelt, "was mit Touchscreens" und Symbian zu machen. Samsungs erstes ernstzunehmendes Touchscreen-Phone, das Galaxy S, erschien erst im Juni 2010. Das beste Smartphone im März 2010 wahr wenig zweifelhaft das iPhone 3GS.

Welches Smartphone aktuell das beste ist, ist heute nicht mehr so einfach zu sagen. Klar, das Samsung Galaxy S4 trumpft bei den technischen Details auf, begeistert aber trotzdem nicht mehr als Sonys Xperia Z, Nokias Lumia 920, LGs Optimus G, HTCs One und Apples iPhone 5, die alle einen genauso guten Gesamteindruck hinterlassen. Nokia hat seinen Rückstand aufgeholt, selbst Blackberry ist mit dem Z10 wieder im Rennen. Die Unterschiede sind nur noch marginal. Die Billigkonkurrenz aus China hat aufgeschlossen. Das Thema Hardware ist durch. Es kommt allenfalls noch auf Betriebssysteme, Services und Apps an.

Die Streitereien untereinander können die Anbieter damit genauso gut bleiben lassen. Dass es jetzt noch große Veränderungen der Marktanteile gibt, erwarte ich nicht mehr. Wir können dann also zum nächsten Thema übergehen: PCs, Laptops, Tablets und Smartphones haben wir. Was kommt jetzt?

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