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16.06.14

Smart Shoe oder SolePower: Beim Gehen lädt sich das Smartphone auf

Smart Shoe lädt Akku auf. Alle Bilder: Angelo Casimiro

Bei den kurzen Ladezeiten von Smartphones ist es immer gut, einen Reserveakku dabei zu haben. Geht es nach dem 15-jährigen Tüftler Angelo Casimiro sitzt dieser Akku direkt am Schuh und wird durch Bewegungsenergie gespeist. Ein wahres Akku-Wunder darf man dabei nicht erwarten, doch seine Erfindung klingt trotzdem beachtlich.

Auf das Konto des 15-jährigen Filipinos Angelo Casimiro geht gleich eine ganze Reihe von Erfindungen. Angeblich tüftelt er mit seinem Großvater bereits an technischen Erfindungen, seit er vier Jahre alt ist.

Seine neueste Kreation könnte für Smartphone-Besitzer interessant sein, die viel unterwegs sind: ein Reserveakku, der am Schuh untergebracht wird und über Bewegungen des Fußes via Piezoelektronik geladen wird.

Das reicht allerdings nur für geringe Lademengen und bedarf einiges an Bewegung. Nur für Extremsportler und Lagerarbeiter? Die Idee ist natürlich edel: Gerade in ärmeren Regionen der Welt haben die Menschen nicht immer Zugang zu Stromnetzen oder diese fallen häufig aus. Um trotzdem ein Mobiltelefon nutzen zu können, müssen alternative Energiequellen her. Solarenergie ist hier eine wichtige Komponente. Aber dafür stehen kaum Energiespeicher zur Verfügung. Casimiros Lösung bringt so etwas mit.

Sein Projekt " Electricity-Generating Footwear " hat er bei der diesjährigen Google Science Fair eingereicht. In einem Video stellt er es vor:

Casimiro verwendet doppelte Piezo-Scheiben, um auf gleichem Raum die doppelte Menge an Energie umzuwandeln. Die Scheiben werden direkt am Schuh angebracht, um möglichst viel Bewegungs- in elektrische Energie umzuwandeln. In Tests habe das schon funktioniert, erklärt der junge Tüftler. Um die volle Lademenge von 400 mAh des Akkus zu erreichen, seien acht Stunden Jogging notwendig. Der Smart Shoe soll aber noch mehr können: Wie Casimiro in einer Randnotiz bemerkt, haben die Piezo-Scheiben im Test genug Energie erzeugt, um einen Arduino-Mikroprozessor zu betreiben.

Dem kritischen Leser wird trotzdem nicht entgangen sein: Acht Stunden Joggen! Nur um dann ein Fünftel der durchschnittlichen Lademenge eines Smartphones zu gewinnen. Wer das an einem Tag schaffen will, muss schon Extremsportler oder Lagerarbeiter sein. Normalsterbliche dürften also bei täglich durchschnittlich zurückgelegten 7.000 Schritten ein bis zwei Wochen brauchen, um den Akku aufzuladen. Das wäre in diesem Entwicklungsschritt zu wenig, um auch nur ein Smartphone vernünftig zu laden, auch in ärmeren Gebieten.

Kein hoher Wirkungsgrad mit Piezo Energiegewinnung

Möglich, dass verbesserte Versionen da in Zukunft noch etwas mehr herausholen. Aber Piezo-Elektronik ist allgemein nicht für einen besonders hohen Wirkungsgrad bekannt. Von daher wäre Casimiros Erfindung zwar in der Praxis kaum brauchbar, aber trotz allem durchaus beachtlich. Ein wichtiger Entwicklungsschritt hin zu einer der saubersten Methoden der Energiegewinnung, und das macht Hoffnung auf mehr.

Eine ganz ähnliche Idee stellte euch Kollegin Ricarda im vergangenen Jahr hier vor. Das Kickstarter-Projekt SolePower wollte mit Hilfe einer piezoelektrischen Einlegesohle so viel Energie umwandeln, dass 4.000 Schritte pro Tag ausreichen würden, um ein Smartphone komplett zu laden.

SolePower Einlegesohle (4)

Das Projekt wurde erfolgreich finanziert, danach allerdings wurde es darum sehr ruhig. Den Liefertermin im vergangenen Dezember verpasste SolePower. Die letzte Nachricht eines Teammitglieds stammt aus dem Mai und vetröstet die Förderer auf einen nicht genauer genannten Zeitpunkt in der Zukunft.

Piezo bleibt ein schwieriges Feld. Aber man darf die Hoffnung nicht aufgeben, dass der Technik noch eine rosige Zukunft bevorsteht.

Wo ist der Haken?

Der derzeitige Prototyp ist noch recht dick. Wenn man ihn in einem Schuh trägt und keine Ausgleichssohle im anderen hat, wird man ein unbequemes Laufgefühl haben. Das soll dann in der Produktion geändert werden und man will die Sohle dünner machen, sodass es keinerlei Probleme gibt, wenn man im anderen Schuh keine Sohle trägt.

Auch wenn das Kickstarter-Projekt erfolgreich sein sollte, ist dies noch keine Garantie für eine Umsetzung der Idee, denn auf der Projektseite erwähnen die Macher, dass die 50.000 Dollar nicht ausreichen, um die Produktion zu stemmen und man derzeit versuche weitere Investoren und Sponsoren zu finden. Das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man dieses Projekt unterstützen möchte. Und das dürfte auch der Grund dafür sein, warum die Aktion bisher ein wenig schleppend läuft.

Ab einer Unterstützersumme von 100 Dollar bekommt man im Fall der erfolgreichen Finanzierung ein Modell der SolePower Einlegesohle. Wer viel Geld übrig hat und an das Projekt glaubt, bekommt für eine Höchstsumme von 5000 Dollar nicht nur die Einlegesohle selbst, sondern kann mit den Investoren auf einen Campingausflug gehen, bei dem die Sohle dann getestet wird.

Der Anfang einer ganzen Industrie

SolePower ist eine weitere Möglichkeit, das Problem eines zu kleinen Akkus bei Smartphones zu lösen oder auch Krisengebiete mit Strom zu versorgen, sollte dieser einmal ausfallen. Solange Smartphones keine größeren Akkus spendiert bekommen, werden wir sicherlich noch vielfältige Lösungen zu sehen bekommen.

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