10.07.13

Smart Camera: Neue Geräteklasse mit verheißungsvoller Zukunft

Samsung Galaxy S4 Zoom: Smart Camera bzw. Smartphone mit Android

Noch ist nicht abzusehen, wie gut sich Samsungs Kamera-Smartphone-Hybrid Galaxy S4 Zoom verkaufen wird. Doch eine neue Tür haben die Koreaner damit schon aufgestoßen: Man muss sich nicht mehr zwingend ein Smartphone kaufen, wenn man ein Smartphone haben will. Es kann auch eine Kamera sein. Die Konkurrenz sucht bereits nach Antworten darauf.

Samsung Galaxy S4 Zoom: Smart Camera bzw. Smartphone mit Android

Die Kompaktkamera wird aussterben, und das kann Nikon nicht gefallen. Makoto Kimura, Präsident des japanischen Kamera-Herstellers, will deswegen andere Wege gehen. Was genau, hat er in einem Interview mit Bloomberg zwar nicht verraten. Eine eigene Division soll sich aber um die Produkte von morgen kümmern. Das könnte auch ein Nicht-Kamera-Produkt für Endkunden sein.

Nun, was auch sonst? In Zeiten, in denen ausgerechnet Samsung sich anschickt, die Kamera-Industrie von Grund auf zu verändern, müssen auch Nikon, Canon und Olympus sich bewegen. Nicht nur in Richtung noch schnellerer Autofokus-Systeme und besserer Prozessoren, sondern auch in Sachen Benutzerfreundlichkeit und Vernetzung. Das erste Android-System in einer Kompaktkamera? Kommt von Samsung. Das erste Android-System in einer Systemkamera: von Samsung. Der erste Hersteller, der im großen Stil auf WLAN und Mobilfunkanbindungen in Kameras setzte und setzt: Samsung. Der erste Smartphone-Kompaktkamera-Hybrid: von Samsung.

Fast könnte man meinen, die Koreaner hätten langsam genug von Smartphone-Innovationen - den Markt beherrschen sie ja schon - und würden sich jetzt eine neue Baustelle suchen, die Kamera-Industrie. Eine, in der die Technik in den vergangenen Jahren nahezu perfektioniert wurde, wo man aber versäumt hat, sich umzuschauen, was um sie herum passiert: Smartphones, mit denen im Jahr Milliarden Bilder geschossen werden. Systeme, die sich mit neuen Anwendungen ausstatten lassen und die regelmäßige Updates erhalten. Social Networks, bei denen es um Schnelligkeit und Mobilität geht. Und Foto Communitys, die Bilder automatisch verschönern und sortieren.

Während es sich bei einigen der Kamera-Giganten inzwischen herumgesprochen hat, dass man WLAN ohne große Probleme auch in Kameras beliebiger Größe einbauen kann, überschlagen sich die Smartphone-Hersteller, bei denen WLAN Alltag ist, längst mit immer besseren Kameras. Nokia will in dieser Woche das Lumia 1020 vorstellen, das mit besonders lichstarken und gestochen scharfen Bildern aufwartet. Ein optischer Bildstabilisator wäre darin integriert und außerdem ein Digitalzoom ohne maßgeblichen Qualitätsverlust. HTCs Devise heißt Ultrapixel. Damit sind Sensoren gemeint, die mehr Licht einfangen sollen. Sony setzt in seinem derzeit besten Smartphone Xperia Z auf den gleichen Exmor R-Sensor, der auch in den Cybershot-Kompaktkameras eingesetzt wird. Sind das eigentlich noch Smartphones oder schon Smart Cameras?

Nikon auf dem richtigen Weg

Das Lumia 1020 wird wohl etwas dicker werden, um das Kamera-System dort unterzubringen. Auch hier ist der Weg zum Galaxy S4 Zoom von Samsung nicht mehr weit. Samsungs Smart Camera ist mit 15,4 Millimetern in der Tiefe nur gut einen halben Zentimeter dicker als gewöhnliche Smartphones - bietet dafür aber die gleiche Funktionalität und dazu einen optischen Zoom. Wer also viel Wert auf eine Kamera legt, gleichzeitig ein Smartphone will, wem es dabei aber nicht so sehr auf jedes einzelne Millimeter ankommt, der wäre mit einer Smart Camera gut bedient. Erste Gerüchte gibt es bereits, wonach der chinesische Hersteller Oppo ebenfalls eine Smart Camera bauen will.

Coolpix S800c: Nikons erster Versuch einer Smart Camera.

Dass Nikon in die richtige Richtung unterwegs ist, zeigt das Experiment mit der Coolpix S800c. Die Kompaktkamera ist im Grunde auch eine Smart Camera, wenn auch eine halbherzig ausgestattete. Betriebssystem ist die ziemlich betagte Android-Version 2.3. Viele neue Foto-Apps sollen deswegen laut einigen Amazon-Rezensenten dazu auf dem Gerät gar nicht erst laufen. WLAN ist zwar integriert, dafür fehlt ein 3G- oder 4G-Mobilfunkmodul. Ein Schwachpunkt soll außerdem der Akku sein. Immerhin: Den ersten Schritt hat Nikon gemacht. Gegenüber der Konkurrenz kann man immer noch mit hoher Zuverlässigkeit, sehr guten Kameras und Objektiven punkten. Jetzt darf man sich nur nicht von Samsung und anderen rechts überholen lassen. Einige Kunden könnten es mehr auf eine voll vernetzte Funktionalität ankommen als auf die letzten 10 oder 20 Prozent bei Mechanik und Bildqualität.

Kimura gibt seiner Division fünf Jahre Zeit, um die noch nicht näher bestimmten Produkte auf den Markt zu bringen. Ganz so lange sollte Nikon dafür aber nicht brauchen.

Jetzt gratis anmelden und wir unterstützen Sie mit Informationen und aktuellen Lernangeboten!