07.08.06

Sind High-Definition-Camcorder reif für den Massenmarkt? Sony HDR-HC3 im Test

HDTV, das hochauflösende Fernsehen, ist im Moment das Lieblingsthema der Unterhaltungselektronik-Branche. Kein Wunder, verspricht der neue Fernsehstandard doch kräftige Absätze bei Fernsehern und Zubehörgeräten. Zwar hat auch die Fussball-WM in Europa noch nicht ganz den erhofften Durchbruch für HDTV gebracht, aber der Trend dürfte wohl unaufhaltsam sein, schliesslich sind praktisch alle neuen Flachbildfernseher HD-fähig. Und auch die gerade auf den Markt kommenden DVD-Nachfolger Blu-Ray und HD-DVD dürften ihren Anteil daran haben, den pixelreicheren Fernsehkonsum populär zu machen.

Auch für Hobbyfilmer tun sich da neue Möglichkeiten auf. Die letzten knapp zehn Jahre wurden vom Standardformat DV (Digital Video) dominiert, dem heute mit Abstand weitverbreitetsten Kassettenformat für Camcorder. DV filmt allerdings in der Standardauflösung (SD, Standard Definition) von 720x576 Bildpunkten. Damit kommt man im HDTV-Zeitalter nicht weit, denn schon der niedrigste HD-Standard bietet 1280x720 Pixel. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis auch HD-fähige Camcorder auf den Markt kommen würden.

Nach den ersten mehr oder minder misslungenen Pionierversuchen hat es die Industrie jetzt geschafft, brauchbare HD-Camcorder auf den Markt zu bringen, die auch für Nicht-Experten benutzbar sind. Ziemlich klar führend in Bezug auf die Breite der Modellpalette ist derzeit Sony. Wir testen darum hier in einem mehrteiligen Test Sonys Consumer-HD-Camcorder HDR-HC3, der mit seinem Preis knapp über 1000 Euro auch für Gelegenheitsfilmer erschwinglich ist. Mit seiner kompakten Bauweise ist der Sony ausserdem ein idealer Reisebegleiter.

Es soll hier aber nicht nur um dieses spezifische Gerät gehen, sondern auch generell die Frage, wie massentauglich HD heute schon ist. Denn nur mit der Verfügbarkeit von Camcordern ist es schliesslich nicht getan: Man will seine filmischen Werke schliesslich auch bearbeiten und verbreiten können, und dort tun sich im Moment noch so diverse Schwierigkeiten auf.

Zunächst ein paar Grundlagen zum HD-Format. Anders als der gute alte PAL-Standard, den wir seit der Einführung des Farbfernsehens in Europa alle geniessen, ist bei HD die Bildauflösung nicht eindeutig standardisiert. Vielmehr gibt es eine ganze Reihe möglicher Auflösungen, die von HD-Equipment verarbeitet werden. Das gibt einerseits mehr Flexibilität, kann aber andererseits auch zur Verwirrung beitragen.

Die beiden wichtigsten Normen sind 1080i und 720p. Die Zahl bezieht sich auf die Anzahl vertikaler Pixel, die Buchstaben auf i wie "interlaced" oder p wie "Progressive". "Interlaced" ist der englische Ausdruck für das Zeilensprung-Verfahren, das auch der alte PAL-Standard benutzt: Bei jedem Bildaufbau wird nur jede zweite Bildzeile dargestellt, womit man im Resultat den Eindruck flüssigerer Bewegungen bekommt. Nachteil ist ein leichtes Flimmern bei vertikalen Kanten, weshalb der Ausdruck "Flimmerkiste" für Fernseher auch heute noch gerechtfertigt ist. "Progressive" bedeutet hingegen, dass ein ganzes Vollbild in einem Durchgang verarbeitet wird, was das Kantenflimmern reduziert, aber in der Praxis auch dazu führt, dass sich die Bildwiederholfrequenz halbiert. Resultat ist eine kino-ähnliche Ästhetik: Ein schön ruhiges Bild, das aber bei schnellen Bewegungen oder Schwenks ziemlich ruckeln kann.

Um die Verwirrung perfekt zu machen, kann jeder dieser beiden Grundstandards auch noch verschiedene horizontale Auflösungen nutzen: Bei 720p sind es 1280 oder 960 Pixel, bei 1080i 1920 oder 1440 Pixel. Der hier getestete Sony macht seine Bilder im 1080i-Standard, allerdings nur mit 1440 horizontalen Pixeln. Das sollte einen aber nicht weiter stören, da heute sowieso die allerwenigsten Bildschirme und Projektoren die maximale Auflösung von 1920x1080 Pixeln darstellen können. Ein typischer HD-LCD-Fernseher kommt heute typischerweise auf eine Auflösung von etwa 1370x768 Pixeln, deutlich weniger also, als dieser Camcorder zu produzieren in der Lage ist.

So oder so bietet der HDR-HC3 also 3.75 mal mehr Bildpunkte an als jeder "klassische" DV-Camcorder. Und das sieht man im Ergebnis mehr als deutlich. Wer schon einmal im Fachgeschäft oder an einer Messe HDTV-Geräte bewundert hat, kennt die typischen HD-Testmotive: Blumen, Bergpanoramen, Tiere, Wasserfälle und so weiter, die in atemberaubender Detailtreue wiedergegeben werden. Zwar bildet ein Consumer-Camcorder wie der HDR-HC3 seine Motive nicht ganz so präzise ab, wie man es von diesen mit superteurer Profi-Technologie produzierten Testfilmen her kennt, aber der Unterschied zum alten Videostandard ist immer noch ziemlich dramatisch: Man kann sich die Differenz etwa annährernd so gross vorstellen wie den Unterschied zwischen einer typischen Handy-Kamera und einer "richtigen" Digitalkamera.

 

Ein Screenshot aus einer Aufnahme mit dem Sony-Camcorder (Klicken zum Vergrössen): Jeder einzelne Ziegelstein ist klar und deutlich erkennbar.

In den beiden nächsten Teil unseres Tests nehmen wir den HDR-HC3 und seine Bedienung genauer unter die Lupe. In den folgenden Teilen gehen wir dann darauf ein, wie man HD-Aufnahmen verarbeiten und verbreiten kann.

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