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09.01.13

Forschung: Audi und Toyota zeigen ihre selbstfahrenden Autos

Noch sieht die Technik am selbstfahrenden Lexus sehr klobig aus.

Bislang scheint ausgerechnet Google als branchenfremdes Unternehmen einen Vorsprung zu haben, wenn es um selbstfahrende Autos geht, aber Audi und Toyota machen dieser Tage klar, dass sie sich nicht abhängen lassen. In beiden Fällen ist das Ziel dabei nicht, dass das Fahrzeug vollkommen autonom agiert. Vielmehr soll es vor Unfällen schützen, in kniffligen Situationen helfen und das Fahren angenehmer machen.

Der umgerüstete Toyota Prius von Google war das erste Auto, das eine Lizenz fürs selbstständige Fahren auf öffentlichen Straßen im US-Bundesstaat Nevada bekommen hat. Seit 2010 forscht das Internetunternehmen in diesem Bereich. Warum Google neben Suchmaschinen und einem Handy-Betriebssystem auch in diesem Gebiet tätig werden will? Die Frage kann man sich wohl stellen, immerhin dürften die Ausgaben für die Grundlagenforschung immens sein. Also muss sich das Unternehmen einiges davon in Zukunft versprechen.

Audi und Toyota haben da als Autohersteller viel einleuchtendere Motive. Und wie es scheint, wollen sie nicht irgendwann davon abhängig sein, eine solche Technologie extern einkaufen zu müssen und forschen selbst – wie viele ihrer Mitbewerber. Audi und Toyota nutzen die aktuell laufende Technikmesse CES in Las Vegas, um auf ihre Projekte aufmerksam zu machen. Audi hat dazu einen TTS-Roadster aufgerüstet und Toyota zeigte das Modell LS der hauseigenen Premium-Marke Lexus. Noch ist die Technik allerdings ein gutes Stück vom Ziel der Marktreife entfernt.

Audi verfolgt einen anderen Ansatz

Was mit Blick auf die Fotos auffällt: Während Googles Prius und der Lexus LS sperrige Aufbauten benötigen, um sich zu orientieren, sieht der Audi TTS auffällig unauffällig aus. Das hat einen Grund: Audi setzt darauf, einen Teil der Technik in die Umgebung auszulagern. So wurde im Rahmen der gerade laufenden Technikmesse CES in Las Vegas zwar gezeigt, dass der Audi TTS selbstständig in einer Tiefgarage einparken kann und dort auch wieder herausfindet. Aber das funktioniert nur, weil die Garage selbst mit Laserscannern ausgerüstet ist, die den Audi unterstützen.

So hat der Audi TTS zwar nun ebenfalls die Erlaubnis bekommen, Testfahrten auf den öffentlichen Straßen von Nevada zu unternehmen. Aber dem Hersteller geht es bei seiner Forschung nach eigener Darstellung nicht um ein vollkommen autonom fahrendes Auto, sondern um Hilfen für den Fahrer. Man wolle den Menschen nicht ersetzen. Ein Beispiel ist hier das selbsttätige Einparken oder das automatische Mitschwimmen im Berufsverkehr. Die Forschung gehe eher in Richtung eines Autopiloten, wie man ihn aus Flugzeugen kennt. Der ersetze auch nicht den menschlichen Piloten, sondern unterstützen ihn.

Ähnliche Features retten heute schon Leben

Solche und ähnliche Funktionen sehen wir bereits heute in modernen Autos. Und dass diese Technik schon heute Leben retten kann, hat neuerdings.com-Leser Florian in diesem Kommentar eindrucksvoll beschrieben, der einmal übermüdet gefahren und von einem Moment zum anderen eingeschlafen war:

Es handelte sich keineswegs mehr um den gefürchteten "Sekundenschlaf", ich war wie sediert und in den kompletten Tiefschlaf gefallen... Das Assistenzsystem übernahm alles.

Der Abstandsmesser hielt konstant die Entfernung, Geschwindigkeit und Bremsmanöver zum Vordermann. Der Spurassistent hielt konstant die Spur. Wobei die Klimatronik, die Musikanlage, die Geräuschdämmung der Fenster und die Massegesitze dafür sorgten, dass ich angenehm weiterschlief...

Geweckt wurde ich, ziemlich unsanft, irgendwann in einem ca. 50 km entferntem Kurort. Dies lag am Spurassistenten. Da sich dieser (wie seine Bezeichnung schon beschreibt) an den Seitenstreifen orientiert, fiel dieser in dem Moment aus, als sich das Fahrzeug auf einer Brücke befand. Hier wechselt der Seitenstreifen zur Leitplanke, welcher vom Assistenten nicht als Spur assoziiert wird. So streifte das Fahrzeug ganz "sanft" die Planke. Da sich ab dem Zeitpunkt meines Erwachens das Fahrzeug bereits wieder an weiterführenden Streifen orientieren konnte, merkte ich von dem leichten Schrammen kaum was. Es war lediglich ein schrilles Geräusch zu vernehmen. Ich realisierte sofort, dass ich eingeschlafen sein musste, wurde hellwach und eine kleine Tasse (Müdigkeitserkennung) blinkte und piepte mich an. Natürlich musste der Wagen im Anschluss zum Vertragshändler, um auf der Fahrerseite komplett neu lackiert zu werden. Aber mehr ist mir und viel wichtiger (!) anderen Verkehrsteilnehmern nicht passiert.

Computern unterlaufen zwar auch Fehler oder können ausfallen. Aber sie ermüden nicht, trinken keinen Alkohol, sind nicht abgelenkt und haben immer alles im Blick. Da erscheint es schon logisch und wünschenswert, diese Technik mindestens wie von Audi erklärt, als Unterstützung einzusetzen.

Der Lexus könnte selbst fahren, soll es aber nicht

Ein Stückchen weiter als Audi geht Lexus mit seinem Testfahrzeug – jedenfalls prinzipiell. Denn an sich wäre deren Technik ebenso wie bei Googles Prius dafür geeignet, komplett allein zu fahren. Aber das sei nicht das Ziel, erklärt der Hersteller. Es gehe auch hier vielmehr darum, Unfälle verhindern oder die Auswirkungen eines Unfalls vermindern, berichtet Gizmag. Das "Advanced Active Safety Research Vehicle" genannte Gefährt kann mit seinen zahlreichen Sensoren und Gerätschaften beispielsweise Objekte in der Umgebung erkennen und auch feststellen, ob eine Ampel auf "Grün" oder "Rot" steht. Hier kann man die Details der Präsentation auf der CES 2013 nachlesen.

Das folgende Video zeigt den Lexus in Aktion:

Ausblick und Fazit

Stellt sich noch die Frage, was wir von alldem wann in unseren Autos und auf der Straße sehen werden. Und das hängt natürlich auch sehr davon ab, ob es von den Kunden gewünscht und angenommen wird. Wie Jens Lehmann in seinem Zwischenstandsbericht zu selbstfahrenden Autos vor einigen Monaten hier bereits geschrieben hatte, ist die Skepsis noch groß. Ein sich komplett autonom bewegendes Fahrzeug ist den meisten noch unheimlich. Aber unterstützende Sicherheitsfunktionen werden bereits heute von den Herstellern als zentrale neue Features vermarktet. Und wenn sich die Kunden erst einmal daran gewöhnt haben, dass ihr Auto selbst einparkt oder im Stau das Fahren übernimmt, sind die nächsten Schritte nicht mehr weit.

Weitere technische Fortschritte werden außerdem dazu führen, dass sich die Autos untereinander verständigen und die Daten aus den Fahrzeugen dazu genutzt werden, beispielsweise Verkehrsströme zu optimieren. Denkt man Googles Projekt weiter und verknüpft es mit den zahlreichen Technologien des Unternehmens, fühlt man sich mitten in ein Science-Fiction-Szenario versetzt. Google zeigt mit Google Now, wie es Daten intelligent auswerten kann. Es hat Kartenmaterial mit Google Maps. Es hat Mobilfunk-Expertise, um Daten ins Internet zu senden und von dort zu empfangen. Rechnet man das alles einmal zusammen, ergibt sich plötzlich doch ein interessantes Bild.

Ohne Zweifel begleiten diesen Fortschritt diverse Fragen. Zum Beispiel: Wer ist verantwortlich, wenn der Autopilot einen Unfall baut? Wie sicher gegen Hacks sind solche Autos? Wer kann die Daten auswerten, die mein Fahrzeug erhebt?

Diese Fragen müssen auf jeden Fall geklärt werden. Denn es hat nicht den Anschein, als ließe sich der Trend zum Fahr-Assistenten oder gar zum selbstfahrenden Auto noch aufhalten.

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