22.04.14

Schlicht zu teuer: Darum gibt Nike das Geschäft mit Wearables vorerst auf

Nike Fuelband

Die Wearables-Branche ist aufgeschreckt, nachdem Nike laut einem Pressebericht sein FuelBand zu Grabe tragen will. Experten und Konkurrenten fragen sich nun: War der Markt überhitzt oder ist die Nachfrage am Ende viel zu klein? Dabei könnte ein ganz profanes Detail den möglichen Rückzug erklären.

 

Das Technikmagazin CNet berichtete Ende vergangener Woche exklusiv und mit Bezug auf vertraute Personen, dass Nike das Geschäft mit dem eigenen Fitness-Tracker Fuelband aufgeben will. 55 der 70 Mitarbeiter sollten entlassen werden. Der Sportausrüster dementierte schnell aber nicht überzeugend genug. Es würden in der Tat Mitarbeiter entlassen, aber nur "einige". Und das Fuelband werde wie geplant noch in weiteren Farben erscheinen.

Den Bericht von CNet, nach dem Nike die Produktion eines ursprünglich für den Herbst geplanten kleineren Fuelband eingestellt habe, allerdings dementierte Nike nicht. Die Spekulationen gehen nun weit auseinander, was Nike plant und warum es möglicherweise zu einem Aus des Fuelbands kommt. Die Konkurrenz braucht das allerdings nicht unbedingt zu beängstigen.

 

Wie CNet und The Verge spekulieren, könnte Nike zum einen natürlich über die bisherigen Verkaufszahlen enttäuscht sein - auch wenn man genauere Zahlen hier noch nicht vorgelegt hat. Hardware könnte zum anderen allgemein ein undankbares Geschäft sein. Die Konkurrenz von Jawbone und Fitbit kann hier ein eigenes Liedchen singen. Die beiden Hersteller hatten bei ihren Fitness-Trackern mit anfangs defekter Elektronik (Jawbone Up) oder einer Überempfindlichkeit vieler Träger gegen das Obermaterial zu kämpfen (Fitbit Flex), was bei rund 10.000 Probanden zu einem Hautausschlag und letztlich zu einer Rückrufaktion führte.

Lieber Soft- als Hardware?

Im Falle von Nike könnte noch ein ganz anderer Grund eine Rolle spielen, aus dem dem Unternehmen nachgesagt wird, sich jetzt eher auf Fitness-Software statt auf eigene Wearables zu konzentrieren: Apple-Chef Tim Cook sitzt im Nike-Aufsichtsrat. Und mit einer eigenen Smartwatch, die Apple seit Jahren nachgesagt wird, könnten beide Unternehmen die Kräfte bündeln oder dem finanzkräftigen Apple den Bau der Hardware überlassen. Auch eine Übernahme der Fuelband-Einheit durch Apple und die Verwendung von Wissen und Technik in einer möglichen zukünftigen iWatch ist nicht ausgeschlossen.

 

Es könnte ein ganzer Mix aus Gründen sein. Der Hauptgrund dürfte aber schlicht Preis-Leistungs-Verhältnis lauten: Auf Amazon etwa bringt es das Fuelband im Schnitt auf eine Bewertung von 2/5 Sternen. Nutzer beklagen die Inbetriebnahme, die die Kopplung an einen Windows-PC erfordert. Eine App für Android-Geräte steht nicht zur Verfügung. Der Schlaftracker soll praktisch keine Schlafphasen aufzeichnen und dann entsprechend wecken, wie es andere Armbänder bewerkstelligen, sondern nur Einschlaf- und Aufwachzeit aufzeichnen. Dafür ist der Tracker mit einem Preis von 140 Euro aufwärts nicht unbedingt der günstigste auf dem Markt.

Zu früh für einen Abgesang

Fitbit Flex und Jawbone Up kommen in den Rezensionen zwar nur unwesentlich besser weg, sind mit Preisen ab knapp 100 Euro allerdings günstiger und unterstützen mehr Betriebssysteme - mobil wie stationär. Da Sony und Samsung ihre neuen Fitnessarmbänder direkt im Bundle mit ihren Smartphones verkaufen, spielt der Preis hier für Kunden nur eine untergeordnete Rolle. Nike dürfte die erträgliche Preisschwelle knapp überschreiten, hat aber sicherlich keine Lust darauf, am Ende selbst drauf zu zahlen. Ein gutes Hardware-Produkt auf einem noch recht jungen Markt allerdings verschlingt Kosten. Gut möglich, dass sich der ganze Aufwand für Nike finanziell einfach nicht mehr gerechnet hat.

 

Ist das also schon der Anfang vom Ende für Fitness-Tracker? Ich denke, ein Abgesang käme hier zu früh. Ein guter Tracker, der mit einer Vielzahl von Sportarten kompatibel ist, Funktionen wie Puls oder gar Kalorienverbrauch automatisch trackt, der direkt mit einem Smartphone kommunizieren kann, bei dem man das Smartphone bei der Trainingseinheit aber nicht zwingend dabei haben muss, der in der Handhabung Spaß macht und dabei nicht mehr als 100 Euro kostet. Dafür ist ganz sicher noch ein Markt da.

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