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11.06.14

Schlaues Thermostat Lyric: Honeywells poetische Antwort auf Nest

Jahre nachdem das Startup Nest dem Markt für Heimthermostatete die Motten austrieb, kontert Platzhirsch Honeywell mit einem täuschend ähnlichen Produkt, dem schlauen Thermostat „Lyric“. Das Timing dafür könnte trotz der langen Leitung kaum besser sein.

Honeywell Lyric

Beim lernfähigen Thermostat Nest bekamen wir jahrelang leuchtende Augen. Denn so soll sie doch sein, die intelligente Heimvernetzung: ein frischer Ansatz für ein Thermostat, das nicht nur die Heizkostenrechnung drosseln will, sondern dabei auch noch gut aussieht und gar Spaß macht. Das Problem allein: Nest wurde mittlerweile von Google übernommen und die Datensammelwut des Großkonzerns wird von mündigen Verbrauchern zunehmend kritisch beäugt.

Also könnte die Chance für Honeywell kaum besser sein: Der traditionelle US-Hersteller für Klimageräte kontert Nest jetzt mit Lyric, einem Thermostat, das sich ebenfalls via Smartphone, WLAN und aus der Ferne steuern lässt und dabei die Vorlieben des Wohnungsbesitzers studiert und optimiert. Das unterscheidet sich kaum von Nest, funktioniert aber ohne Google.

 

GPS ist der Schlüssel

Lyric ermittelt via GPS auf der passenden Smartphone-App (für iPhone oder Android), wann ein Familienmitglied nach Hause kommt, sprich: einen definierten Radius um das traute Heim betritt. Passend dazu heizt oder kühlt Lyric die Wohnung nach den Vorlieben des Bewohners, so dass er die gewünschte Temperatur vorfindet, wenn er das traute Heim erreicht. Ist niemand zu Hause, wird auch weder geheizt noch gekühlt.

Lyric ermittelt via GPS, wann sich ein Familienmitglied der Wohnung nähert.

Lyric ermittelt die Abwesenheit der Bewohner ebenfalls via GPS, aber nicht zusätzlich - wie Nest - über Bewegungssensoren. Eine weitere Funktion, die interessant, aber auch nach potenzieller Fehlerquelle klingt: Lyric arbeitet mit dem Dienst AccuWeather zusammen, der Daten über Außentemperatur, Wind und Luftfeuchtigkeit bereitstellt. Damit soll Lyric die Temperatur noch genauer regeln können - in der Hoffnung natürlich, dass der Webdienst stets stimmige Daten vorrätig hat.

Vorbild Nest: täuschend ähnlich

Google braucht sich nicht zu fürchten

Lyric kann damit nicht viel mehr als Nest, Tado oder simple weitere Home-Automation-Lösungen. Aber schon alleine das übertrifft alle bisherigen Thermostate aus eigenem Hause. Und aufgrund der Marktmacht Honeywells könnte sich Lyric in der bisherigen Kundenschar schnell durchsetzen - trotz des um 30 US-Dollar höheren Verkaufspreises als Nest: Honeywell verlangt für Lyric stolze 279 Dollar (206 Euro) im Vergleich zu den 249 Dollar (184 Euro), die Nest kostet.

Steuerung natürlich per App Es ist ein stumpfer Paarreim, den Honeywell den Kunden hier blumig drapiert auf buntem Papier auftischt. Aber mit dem lernfähigen Thermostat zeigt man, dass es keines Hexenwerks bedarf, um die Energiekosten einer Volkswirtschaft drastisch zu senken. Es bedarf nur eines gut aussehenden Gadgets mit einer simplen Funktion. Und die Optik ist Honeywell hier durchaus gelungen, während uns die limitierten technischen Eigenschaften zu diesem Zeitpunkt nicht gerade vom Hocker reißen. Google scheint sich mit Nest auf den ersten Blick die bessere Technik gekauft zu haben. Aber vielleicht zaubert Honeywell später noch die eine oder andere interessante Zusatzfunktion aus dem Hut.

US-Kunden können Honeywell Lyric ab sofort über den Fachhandel kaufen. Ab August soll das Thermostat dann auch über den Einzelhandel verkauft werden. Als erster europäischer Markt ist Großbritannien anvisiert; ein Start im deutschsprachigen Raum ist derzeit noch nicht in Sicht.

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