14.03.12

«Sch... Kopierschutz»: Jetzt kommt DRM auf dem Klo!

Noch analog und ohne Kopierschutz: Schwäbisches Plumpsklo vor dem Staudenhaus in Oberschönenfeld (Bild: Neitram, Wikipedia, CC up 3.0)

Wer bislang der Ansicht war, dass DRM und Kopierschutz für'n A.... seien, hatte nur seine persönliche Meinung sehr flapsig zum Ausdruck gebracht. Doch nun ist jene vermeintlich unflätige Aussage Realität geworden.

In Deutschland muss alles seine Ordnung haben! Da darf selbstverständlich nicht einfach so wild in die Gegend gemacht werden, sondern Druck nur auf ordnungsgemäss zugelassenen Toiletten mit TÜV-Siegel abgelassen werden. Klar, sonst geht es ja zu wie im Mittelalter und man steht knietief in der Sch...!

Doch das kann einem nun auch mit und gerade dank modernster Technik passieren: Wehe, wenn etwa nur noch unlizenziertes Klopapier vorhanden ist - das schadet nämlich dem grossen Geschäft.

Nein, nicht diesem grossen Geschäft, das lässt sich schliesslich durch kein Gesetz und keine Verordnung aufhalten - was muss, das muss! Aber dem grossen Geschäft mit teureren Verbrauchsartikeln, über die die zuvor billig abgegebene Hardware refinanziert wird. Man kennt es von günstigen Tintenpi...druckern, die sich über die dann umso teureren Druckerpatronen refinanzieren.

Doch auch Handtuch- und Klorollenhalter in öffentlichen Toiletten werden mittlerweile nach diesem Prinzip finanziert: Den Halter bekommt der Pächter für lau, doch darf dann nur das Klopapier des Betreibers eingesetzt werden, das aufwendig über Mobilfunk automatisch bestellt wird - der «Internet-Kühlschrank», der die verbrauchte Milch nachbestellt, hat hierzu wohl Pate gestanden.

Kriminelle Elemente, echte Sch...typen sozusagen, sabotieren allerdings doch glatt das erhoffte grosse Geschäft und nutzen Raubkopien von Aldi:

 

Denn Lieferanten von Hygieneartikeln haben mit Plagiaten oder kompatiblen Produkten zu kämpfen.

Dagegen hilft nur noch mehr Technik:

 

Beim Einsetzen einer neuen Rolle Handtücher oder Toilettenpapier liest der Halter die weltweit einmalige und nicht manipulierbare UID (Unique Identification Number) aus dem Transponder aus und übermittelt sie über das Short-Range Netzwerk via GSM-Gateway an den Hauptserver des Versorgers. Dieser prüft, ob die UID aus dem eigenen Hause stammt und ob sie in der Vergangenheit schon einmal verwendet wurde. Erst wenn die Überprüfung positiv ausfällt, gibt der Spender das Verbrauchsmaterial frei. Eine Wiederbefüllung oder ein Fremdkauf wäre somit zwecklos.

Jetzt stellt sich allerdings die Frage, was passiert, wenn die Netzverbindung ausfällt und der Hersteller daher nicht rechtzeitig liefert oder der UID-Check oder ein anderes Teil der Logistik versagt und die legale Original-Rolle mitten in der Sitzung sperrt. Klopapier aus anderen Quellen kann ja dank «Kopierschutz» nicht mehr eingesetzt werden.

Oder wann werden wohl die ersten Toiletten-Terroristen die dringend notfälligen Nachfüllungen mit Störsendern sabotieren?

Schöne neue Technikwelt auf dem stillen Örtchen...

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